WerhpflICHt?!

Foto: VCP/Nils Thamm

Wir haben euch für die neue anp nach eurer Meinung gefragt!

Ich sehe die Debatte um eine Wehrpflicht äußerst kritisch. Es ist falsch, junge Menschen dazu zu zwingen, für staatliche Interessen oder politische und wirtschaftliche Machtinteressen in den Krieg zu ziehen. Meine größte Sorge ist, dass wir uns schleichend an eine immer stärkere Militarisierung unserer Gesellschaft gewöhnen. Dass junge Menschen wieder selbstverständlich mit Waffen, Krieg und militärischem Denken konfrontiert werden sollen, halte ich für den falschen Weg. Es ist sehr problematisch, dass ausgerechnet die junge Generation die Konsequenzen politischer Entscheidungen tragen und im Ernstfall ihr Leben für einen Staat riskieren soll, obwohl sie selbst kaum Einfluss auf diese Entscheidungen hat. Statt Milliarden in Aufrüstung und Militär zu stecken, nur um Deutschland wieder kriegsfähig zu machen, sollte mehr in Bildung, soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und die Möglichkeit, friedliche Lösungsansätze zu finden, investiert werden.

Felix, 20


Ich stehe der Wehrpflicht sehr kritisch gegenüber, da ich einerseits nicht für die Interessen der Herrschenden sterben will und andererseits keinen Sinn darin sehe Schwestern, Brüder und Geschwister aus einer anderen Region der Erde zu töten nur weil Politiker ihre unterschiedlichen Interessen nicht anders verhandeln können. Denn nur weil jemand aus einem anderen Land kommt macht es aus dieser Person nicht weniger einen Menschen wie mich. Desweiteren ist Krieg nie der eigene Wille der Bevölkerung eines Landes, sondern immer eine von Politikern getätigte Entscheidung um ihre Interessen durchzusetzen.

Felix, 15


Als jemand, der selbst bei der Feuerwehr ist, weiß ich, wie wichtig Schutz und Einsatz für andere sind. Ich sehe total ein, dass unser Land Sicherheit braucht. Aber genau deshalb bin ich überzeugt: So etwas muss freiwillig bleiben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man bei solchen Aufgaben nur dann wirklich gut und mit dem Herzen dabei ist, wenn man sich bewusst dafür entschieden hat, Zwang bringt da gar nichts. Dazu kommt, dass das Thema Wehrpflicht bei vielen in meinem Alter extrem viel Druck, Wut und ehrliche Angst auslöst. Wenn plötzlich wieder über Krieg, Waffendienst und Konsequenzen gesprochen wird, macht das was mit einem. Es fühlt sich einfach falsch an, junge Menschen in so eine Ungewissheit und Belastung zu drängen. Anstatt uns etwas aufzuzwingen, sollte der Staat lieber die Freiwilligendienste stärken und den Leuten die Wahl lassen, wie sie sich einbringen wollen.

Lucas, 21


Auch wenn ich persönlich ein friedliches Zusammenleben ohne Waffen und jegliche Form von Gewalt präferiere, sollte auch der Wehrdienst nicht grundsätzlich verteufelt werden. Wie bei vielen anderen Themen vermischen sich hier in der Debatte zur begründeten Notwendigkeit und berechtigter Kritik ; mit emotionaler Meinungsmache, Halbwissen, Vermutungen und populistischen Ansichten. Ich denke es sollte vor allem über die Inhalte und Ziele des Grundwehrdienstes bzw. eines Alternativdienstes berichtet werden. Ich habe nicht das Gefühl, dass gegenwärtig auf eine tatsächlich Auseinandersetzung mit den für und wieder gesetzt, sondern mit pauschalen Phrasen um sich geworfen wird. In die eine und in die andere Richtung.

Lars, 42


Ich finde, junge Menschen sind im Diskurs nicht gerecht repräsentiert. Aber die Debatte sollte ja eigentlich auch neutral behandelt werden. Viele in meinem Alter fühlen sich unsicher, nicht nur in Bezug auf die Wehrpflicht. Ich schaue trotzdem hoffnungsvoll in die Zukunft. Ob ich verweigern würde? Schwierige Frage. Eigentlich sagt meine Moral schon, dass ich Wehrpflicht leisten würde. Also grundsätzlich halte ich sie für richtig. Aber es verlängert natürlich auch die Zeit ohne Selbstbestimmung. Und ich finde, im Allgemeinen wird der Generationenvertrag von den Älteren seit einiger Zeit nicht mehr eingehalten. Es wurde sehr viel versäumt: Klimapolitik, Verteidigungspolitik, Infrastruktur, in der Regierung wurden Gelder veruntreut und es gibt keine Konsequenzen.

Henri, 18


Liebes Redaktionsteam,

ich finde gut, dass ihr euch diesem Thema widmen möchtet, denn es betrifft eine existenzielle Frage nicht nur für junge Leute, sondern auch für unsere Gesellschaft insgesamt. Daher teile ich als alter Mensch auch meine Meinung mit.

Ich habe 1967/68 freiwillig zwei Jahre Wehrdienst geleistet. Warum? Vorrangig, weil ich durch die regelmäßigen Sommerferienbesuche bei meinen Großeltern in der DDR gemerkt habe, wie wichtig Freiheit ist. Und Gespräche mit dortigen Altersgenossen haben mich darin bestärkt.

Die Freiheit, seinen eigenen Jugendverband aussuchen zu können, zu reisen, wohin der Geldbeutel und die Pfadis führten, Musik- und Kleidungsgeschmack ausleben zu können, in der Schule offen zu diskutieren, alles lesen zu können, was greifbar war – alles Erfahrungen, die im Sozialismus der DDR nicht möglich waren bzw. für die man sehr, sehr viel riskieren und aufs Spiel setzen musste. Nachrangig, um das nicht zu vergessen, war das Gehalt. Es half, das Studium zu finanzieren: Geschichte und Geographie.

Eine Iranerin schreibt unter Pseudonym in der FAZ am 8.7.26: …„ Für mich war Freiheit immer der größte Mangel. Immer stand jemand am Schultor und durchsuchte meine Tasche, schaute auf meine Fingernägel, ob sie nicht zu lang waren, und auf mein Gesicht, ob ich geschminkt war. Und jahrelang gab es überall und immer eine besondere Tür für Frauen, an der geprüft wurde, ob ich würdig war, einzutreten. Kann man alldem gegenüber gleichgültig bleiben, einfach gehorchen und zu einem unvollständigen Menschen werden?“…

Heute scheint bei uns Freiheit so selbstverständlich zu sein, dass ihre Verteidigungswürdigkeit gar nicht mehr gesehen wird. Und es kursiert von unserem Staat die absurde Behauptung, er sei keine Demokratie und von daher es nicht Wert, verteidigt zu werden. Dabei gibt es in der Welt genügend Staaten, in denen Freiheit und Demokratie strikt abgelehnt werden.

Dazu gehört in Europa Putins Russland, in dem ehemalige Geheimdienstler die Schalthebel besetzen, das sowjetischer Größe intensiv nachtrauert und deshalb die demokratische Entwicklung in der Ukraine unbedingt verhindern will. Das Völkerrecht und abgeschlossene Verträge bleiben dabei völlig auf der Strecke.

Daher müssen wir uns im Eigeninteresse wieder so aufstellen, dass eine Abschreckung real ist. Diese Fähigkeit ist während der Friedensdividende nach 1990, an die auch ich geglaubt habe, sehr verloren gegangen. Doch Staaten, die nicht wehrfähig und wehrwillig sind, sind Beute immer vorhandener Machtgieriger. Dem zu begegnen hilft, so habe ich Regierungserklärungen verstanden, nicht nur die Wehrpflicht, sondern auch Dienste im THW oder DRK/ Johanniter. Jeder junge Mensch hat also eine Wahl, wo er sich einsetzen will. Kann man das nicht bejahen?

Herzlich Gut Pfad

Gebhart


Guten Tag in der Bundeszentrale,

hier schreibt ein Mitglied des VCP und Leser der aktuellen ANP.

Auf S. 31 wird auf die Herbstausgabe ANP 3/2026 hingewiesen mit dem Thema „Wehrpflicht!?“
Dafür reiche ich ein Zitat von Albert Einstein ein:

»Heldentum auf Kom­mando, sinnlose Gewalt und die leidige Vaterländerei, wie glühend hasse ich sie, wie gemein und verächtlich erscheint mir der Krieg; ich möchte mich lieber in Stücke schlagen lassen, als mich an einem so elenden Tun beteiligen! Töten im Krieg ist nach meiner Auffassung um nichts besser als gewöhnlicher Mord.« (Albert Einstein)

Bei Bedarf können wir gerne im Gespräch sein über „Kriegsdienstverweigerung im Atomwaffenzeitalter“.

Mit besten Grüßen


Harald


Hallo liebe Redaktion,

vielleicht wäre es interessant, auch mal die Meinung älterer VCPer zu erfahren, die in der Zeit der allgemeinen Wehrpflicht auch vor der Gewissensentscheidung standen – Wehrdienst oder verweigern.

Das war vor 50 Jahren auch eine Frage von Alles oder Nichts.

Herzliche Grüße

Thomas  

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