Bewusstlosigkeit allgemein und nach Unfällen

Foto: VCP/Canva

Pfadi-Gesundheit Folge 23

Bewusstlos heißt: Die Person lässt sich nicht aufwecken, nicht durch lautes Ansprechen, nicht durch Tätscheln an den Armen oder Oberkörper (nicht im Gesicht) und nicht durch zartes Kneifen dort.

Bewusstlos heißt: Lebensgefahr! Es gibt viele Ursachen, die manchmal durch das Szenario erkennbar sind, meist aber nur mit Laborwerten oder einer Computertomographie, zum Beispiel:

  1. Unterzuckerung bei Diabetikern: durch eine zu starke Insulindosis oder vermehrten Zuckerverbrauch beim Sport. Das bedeutet: Wenn jemand in deiner Familie, dein bester Kumpel oder dein Sippling Diabetes hat und Insulin braucht, dann solltest du das wissen. Deshalb sind Gesundheitsfragebögen vor Fahrt und Lager Pflicht. Lass´ dir das Blutzucker-Messgerät und die Erstmaßnahmen erklären.
  2. Nach einem Krampfanfall bleibt die Person typischerweise unterschiedlich lange bewusstlos, später benommen. Wie bei Diabetes sollten Freunde und Akela/SiFü mit einer vorbekannten Epilepsie vertraut sein.
  3. Schwere Infektionen (Fieber? Bläuliche Lippen, Fingerspitzen, graue Haut, Hautflecken?  Mehr als 20 Atemzüge/Minute in Ruhe? – Fokusiere dich auf die Brustkorbbewegungen der Person und zähle sie über eine Minute aus.)
  4. Vergiftung (Alkohol? Heimliche K.o.-Tropfen im Getränk?)
  5. Psychische Überforderung („Abschalten“) beinhaltet keine Lebensgefahr – hier müssen aber die anderen Ursachen ärztlich/rettungsdienstlich ausgeschlossen werden, wie:
  6. Hirnblutung (verschieden große Pupillen?, blutverdünnende Medikamente?) oder eine:
  7. Hirnverletzung nach schwerem Unfall („Schädel-Hirn-Trauma“).

Bewusstlos – was tun?

  • Immer den Rettungsdienst alarmieren, wähle in Europa den Euronotruf 112. 

Ausnahme: Bewusstlosigkeit nur für ganz wenige Minuten einer gesunden, jungen Person ohne Vorerkrankungen, die danach wieder vollkommen klar und beschwerdefrei ist. Dann muss aber zumindest eine sofortige Rücksprache mit dem Haus- oder Kinderarzt erfolgen, notfalls mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst, Tel: 116117.

Bewusstlos heißt: Seitenlage So kann Erbrochenes aus dem Mund abfließen und die Zunge fällt nicht in den Rachen zurück. Sonst kann sie die Atmung blockieren. Die Seitenlage wird in Deutschland bei jeder Bewusstlosigkeit empfohlen, auch nach Unfällen und von allen deutschen Hilfsorganisationen in den Erste-Hilfe-Kursen gelehrt.

Achtung: Das Adjektiv „stabil“ bei der Seitenlage ist irreführend und wird besser vermieden. Es suggeriert, das medizinische Problem wäre entschärft. Jedoch wird allein die Körperlage auf der Seite durch die Positionierung von Armen und Beinen „stabilisiert“.  Damit müssen Helfer die bewusstlose Person nicht festhalten, um ein Umkippen nach vorne oder hinten zu verhindern. Trotzdem müssen sie permanent die Person beobachten, besonders die Atmung, weil die mögliche Lebensgefahr nicht abgestellt ist! Lass die Person nie allein.

Spezialfall „Bewusstlosigkeit nach Unfall“: Zwar könnte die Wirbelsäule verletzt sein, beispielsweise

  • durch starke Gewalteinwirkung, oder einen Unfall mit dem Motorrad oder Fahrrad gegen einen Baum oder Auto, durch Stürze aus mehr als drei Metern Höhe, oder Kopfsprünge in flache Gewässer
  • bei älteren Menschen mit Osteoporose auch durch weniger schwerwiegende Einwirkungen

Jedoch ist es schwer vorstellbar, dass die Wirbelsäule nicht schon beim Aufprall verschoben und so das Rückenmark gequetscht wurde, sondern erst bei der Umlagerung in die Seitenlage.

  • Es gibt für diese spezielle Situation auch schonende Techniken für die Seitenlage, mit denen der Kopf fortwährend gerade, gleich zur Wirbelsäule gehalten wird. Dazu braucht es aber drei Helfende.

  • Alternativ kann in Rückenlage der Unterkiefer nach vorne/oben gedrückt werden, damit die Zunge nicht nach hinten fällt und den Rachen verstopft
  • Beides erfordert aber Training, lasse Dir das bei Deinem Erste-Hilfe-Kurs genau zeigen.
  • Zur Info: In den Erste-Hilfe-Empfehlungen des European Resuscitation Council, bzw. deren  deutscher Übersetzung wird von Seitenlage nach (schwerem) Unfall abgeraten – allerdings mit der Gefahr von Ersticken und Lungenschädigung durch Verschlucken von saurem Magensaft. Wir geben deshalb die Lehrmeinung der deutschen Erste-Hilfe-Kurse wieder.

Keine normale oder gar keine Atmung? Dann empfängt das Zwerchfell keine ausreichenden Nervenimpulse mehr vom Gehirn – weil das Gehirn nicht mehr durchblutet wird! Hier ist die Bewusstlosigkeit durch einen Herzstillstand bedingt!

  • Sofort Rückenlage und Start der Wiederbelebung, also Herzdruckmassage und Beatmung!
  • Möglicherweise sitzt Nahrung oder ein Bonbon in den Atemwegen: Öffne den Mund schaue nach, ob du etwas erkennen kannst.

→ Stolpern mit Essen im Mund ist  gefährlich: Nie mit Essen oder Bonbons Sport machen!

  • Oder der Herzstillstand war die Ursache für den Unfall! Hoffen wir, das dies nicht auf Fahrt und Lager passiert, aber im Alltag ist das möglich.

Bewusstlosen Motorradfahrer*innen muss der Helm, schonend von zwei Personen ausgezogen werden. Eine*r hält und stützt während des ganzen Vorgangs Hals und Kopf in gerader Achse zum Rumpf, während der/die zweite den Helm fasst.

  1. Öffne zuerst das Visier. Falls der/die Verunglückte eine Brille trägt, ziehe diese aus und verwahre sie sicher.
  2. Löse dann den roten Helmverschluss. Dieser befindet sich nahezu immer links unter dem Kinn. Notfalls kann der Helmgurt durchgeschnitten werden. Der Helm ist nach einem schweren Sturz sowieso unbrauchbar.
  3. Ist der Gurt gelöst, fasst der/die erste Helfer*in Kinn und Nacken. Der/die zweite Helfer*in zieht den Helm vorsichtig erst über die Nase, dann über den Hinterkopf. Nur den Helm bewegen – der Kopf bleibt starr in den Händen der/die ersten Helfer*in fixiert.
  4. Ist der Helm entfernt, werden die Atemwege – s.o. – entweder durch eine schonende Seitenlage oder den Esmarch-Handgriff freigehalten, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Überlegt in eurer Sippenstunde, wie ihr am Kopf einen Verband anlegen würdet.

Kann jemand einen Mofa-Helm mitbringen, um das Ausziehen des Helms zu üben?

Welche Informationen könnten für Notruf und Rettungsdienst wichtig sein?

Gut Pfad

Lennart, Römi und Uli

Lennart Scheel, VCP Stamm Albert Schweitzer Breitenbach, GPW, RP/S

Michael Römer, VCP Stamm Franz von Sickingen Hambach, Neustadt, GNB, RP/S

Dr. Uli Eiden, VCP Stamm Johannes Gutenberg Mainz, GAB, RP/S

Illustrationen: Sonja Heller und Dr. Ulrich Eiden.

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