Es ist noch dunkel, als wir die Rucksäcke schultern. Der Boden ist feucht vom Morgentau, die Luft riecht nach Wald und Abenteuer. Vor uns liegt eine Strecke, die auf der Karte harmlos aussieht, aber in echt wie ein unüberwindbarer Brocken wirkt. Kilometer voller Ungewissheit. Höhenmeter, die nicht nur Beine, sondern auch Köpfe fordern. Doch wir haben ein Ziel, ein gemeinsames: Wir wollen den Gipfel erreichen. „Ich weiß nicht, ob ich das schaff e“, murmelt jemand leise. Niemand lacht. Weil wir es alle fühlen. Angst ist leise. Sie sitzt irgendwo im Bauch, klammert sich fest, wenn das Unbekannte vor uns liegt. Sie fl üstert: Bist du sicher? Was, wenn du dich verläufst? Was, wenn du nicht stark genug bist? Sie hinterlässt ein mulmiges Gefühl. Lässt uns manchmal erstarren oder auch zittern. Aber genau hier, mitten im Flüstern der Angst, fängt Mut an. Denn Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es trotzdem zu machen. Weil wir tief in unserem Inneren wissen, dass es das Richtige ist. Dass da so viel mehr ist, als wir uns vorstellen können. Wenn wir uns trauen, den ersten Schritt zu machen. Jeder weitere? Wird leichter, Schritt für Schritt.
Die Angst im Gepäck
Angst ist nicht der Feind. Sie ist wie ein zu schwer gepackter Rucksack – unbequem, drückend, immer präsent. Man kann sie nicht einfach ablegen. Aber wir können lernen, mit ihr zu laufen. Sie richtig zu packen, damit sie nicht mehr so drückt. Wir müssen sie nicht bekämpfen. Vielleicht geht es gar nicht darum, die Angst zu besiegen, sondern sie anzuerkennen. Angst ist kein Feind. Aber sie ist auch kein Freund. Sie ist einfach da. Ein Gefühl – und Gefühle sind zum Fühlen da. Wir müssen sie nicht bewerten. Sie nicht verfluchen. Aber sie brauchen ihren Raum. Denn nur wenn wir die Emotionen zulassen, können wir mit ihnen wachsen. Um am Ende über sie hinauswachsen.
Also gehen wir. Schritt für Schritt. Anfangs noch mit diesem Kloß im Hals. Die Gespräche sind zaghaft . Die Blicke schweifen immer wieder zur Karte, als könnte sie die Unsicherheit auflösen. Jeder Schritt fühlt sich wie eine Herausforderung an. Ich höre leises Gemurmel, während ich der Sonne langsam beim Aufgehen zuschaue. Ein neuer Tag bricht heran, während wir hier auf unserem Weg sind, um den Gipfel zu erreichen. Irgendwann verändert sich etwas. Nicht nur bei mir, sondern auch bei den anderen. Die Angst ist noch da, aber sie rückt in den Hintergrund. Wie ein Song, den man zu oft gehört hat, um ihn noch bewusst wahrzunehmen. Mut macht sich breit. Wir lachen. Fluchen über Blasen an den Füßen. Reichen uns Müsliriegel und schweigen zwischendurch in dieser Art von Stille, die nur entsteht, wenn alle müde sind. Und genau da wird klar: Mut fühlt sich nicht heldenhaft an. Er fühlt sich an wie „Ich hab auch keine Ahnung, ob das klappt, aber ich gehe trotzdem weiter.“
Mut ist eine Entscheidung, keine Superkraft
Es gibt diesen Punkt auf jeder Wanderung. Den Moment, an dem der Körper schreit: Reicht jetzt. Noch so viele Kilometer. Noch ein Anstieg. Wofür das alles? Die Beine sind schwer. Der Kopf müde. Und genau hier zeigt sich, was Mut wirklich bedeutet. Es ist keine Superkraft. Es ist eine Entscheidung. Nicht den ganzen Berg auf einmal zu bezwingen, sondern einfach nur den nächsten Schritt zu machen. Und dann noch einen. Und noch einen. Mut stellt uns nicht auf die Probe. Mut ist, wenn du dich entscheidest, trotzdem weiterzugehen. Wenn du etwas zum ersten Mal tust. Wenn du die Freundin stützt, die umgeknickt ist. Wenn du für andere einstehst. Und wenn du für dich selbst einstehst. Denn irgendwann kommt immer der Wendepunkt: Dieser Moment, in dem wir auf den Weg zurückblicken und merken: Hey, das habe ich geschafft! Das haben wir geschafft! Gemeinsam. Weil wir die Angst angenommen und doch weitergemacht haben.
„Yeah! Wir sind so viel stärker, als wir dachten!“
Ich schaue auf den Waldweg zurück, der hinter uns liegt. Und lasse meinen Blick dann in die Ferne schweifen. Über das weite Land, das durch die Morgenröte in magisches Licht getaucht wird. Lachend nehmen wir uns in den Arm. Wir haben uns gegenseitig Mut zugesprochen. Und etwas erreicht, von dem wir alle dachten, dass es unmöglich sei. Aber mit Mut im Gepäck ist jede Wanderung möglich. Jedes Ziel, das du dir aussuchst. Und: Mut wächst, je mutiger du bist. Es ist dieses Gefühl von „Yeah! Wir sind so viel stärker, als wir dachten!“ Ein Gefühl, dass viel länger bleibt als jeder Muskelkater oder jede Blase am Fuß. Denn am Ende ist Mut nichts weiter als der Beweis, dass wir stärker sind, als wir uns selbst zutrauen. Mut bedeutet, Angst zu haben und es dennoch zu tun. Und wenn die Angst das nächste Mal anklopft, weißt du: Auf der anderen Seite wartet immer das Yeah.