Genderwatch der 57. Bundesversammlung

Foto: Michael Höfling

Wer spricht eigentlich auf der Bundesversammlung? Dieser Frage geht die Genderwatch nach. Auch auf der 57. Bundesversammlung haben wir wieder ausgewertet, wie sich Redebeiträge und Redezeiten auf die verschiedenen Pronomen-Gruppen verteilen und wie sich die Beteiligung im Vergleich zu den Vorjahren entwickelt hat.

Zusammensetzung der Versammlung

An der Bundesversammlung nahmen insgesamt 160 Personen teil. Davon verwendeten 61 Personen die Pronomen sie/ihr (38,1 %), 80 Personen er/ihm (50,0 %), vier Personen they/them (2,5 %), zwei Personen gaben keine Pronomen an (1,3 %) und 13 Personen machten keine Angabe (8,1 %).

Von den 114 stimmberechtigten Mitgliedern verwendeten 46 Personen sie/ihr, 59 er/ihm, drei they/them, eine Person keine Pronomen und fünf Personen machten keine Angabe.

Abb.1: Zusammensetzung der BV nach bevorzugten Pronomen

Wer sprach?

Insgesamt wurden in den Antragsdebatten 156 Wortmeldungen gezählt. Personen mit er/ihm hielten 83 Redebeiträge (53,2 %), Personen mit sie/ihr 58 (37,2 %). Je zwei Beiträge kamen von Personen mit they/them beziehungsweise ohne Angabe, elf Beiträge von Personen ohne Pronomen.

Die gesamte Redezeit betrug 2 Stunden, 6 Minuten und 6 Sekunden. Davon entfielen 63:44 Minuten (50,5 %) auf Personen mit er/ihm und 51:00 Minuten (40,4 %) auf Personen mit sie/ihr. Damit entsprach die Redezeit insgesamt weitgehend der Zusammensetzung der Versammlung.

Abb.2: Anteile an Redebeiträgen

Unterschiede zwischen den Debatten

Auffällig waren jedoch die Unterschiede zwischen den einzelnen Anträgen.

Die intensivste Debatte entstand beim Antrag A2 „Arbeitsordnung Schutz und Fürsorge im VCP“. Von den insgesamt 35 Wortmeldungen kamen 25 von Personen mit er/ihm und sechs von Personen mit sie/ihr. Auch bei der Redezeit zeigte sich dieses Bild: Während Personen mit er/ihm gut 21 Minuten sprachen, entfielen auf Personen mit sie/ihr rund fünfeinhalb Minuten.

Ein anderes Bild zeigte dagegen der Antrag A8 „Einführung einer weichquotierten Redeliste mit Erstrederecht“. Hier kamen deutlich mehr Wortmeldungen von Personen mit sie/ihr (14 gegenüber 8), die auch einen wesentlich größeren Anteil der Redezeit übernahmen.

Die einzelnen Debatten zeigen damit, dass sich die Beteiligung je nach Thema deutlich unterscheiden kann – auch wenn sich die Gesamtzahlen über die gesamte Bundesversammlung hinweg vergleichsweise ausgewogen darstellen.

Vergleich zum Vorjahr

Im Vergleich zur Bundesversammlung 2025 zeigt sich eine interessante Entwicklung: Obwohl der Anteil von Personen mit den Pronomen sie/ihr unter den Teilnehmenden von 43 % auf 38 % sank, beteiligten sie sich 2026 stärker an den Debatten. Ihr Anteil an den Redebeiträgen stieg von 32 % auf 37 %, ihr Anteil an der gesamten Redezeit sogar von 32 % auf 40 %. Gleichzeitig gingen die Anteile von Personen mit er/ihm sowohl bei den Wortmeldungen als auch bei der Redezeit leicht zurück.

Auch bei den Antragsvorstellungen zeigt sich eine Veränderung: Während 2025 knapp ein Drittel der Anträge ausschließlich von Personen mit sie/ihr vorgestellt wurde, lag dieser Anteil 2026 bei fast der Hälfte. Der Anteil ausschließlich von Personen mit er/ihm vorgestellter Anträge blieb dagegen nahezu unverändert.

Fazit

Die Genderwatch versteht sich nicht als Bewertung einzelner Personen oder Debatten. Sie soll sichtbar machen, wer in den Diskussionen zu Wort kommt, und einen Anlass bieten, die eigene Debattenkultur zu reflektieren. Gerade die Unterschiede zwischen einzelnen Anträgen zeigen, dass sich ein Blick auf die Zahlen lohnt.

Gleichzeitig wurde auf dieser Bundesversammlung eine weichquotierte Redeliste mit Erstrederecht beschlossen. Wie sie umgesetzt wird und welchen Einfluss sie auf den Verlauf zukünftiger Debatten haben wird, wird sich im nächsten Jahr zeigen. Seid gespannt!

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