{"id":9084,"date":"2018-03-23T12:49:16","date_gmt":"2018-03-23T10:49:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=9084"},"modified":"2023-02-01T15:56:52","modified_gmt":"2023-02-01T14:56:52","slug":"mein-kreuzweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/mein-kreuzweg\/","title":{"rendered":"Mein Kreuzweg"},"content":{"rendered":"<p>von Christian Coenen<\/p>\n<p>Das Kreuz wiegt schwer auf meiner Schulter. Ich war selber dabei, als sie es zusammen gebunden haben &#8211; gestern. Ein grobes Seil, zwei wuchtige Holzstangen, ein wenig Geschick beim Knoten und fertig ist das Kreuz. \u00dcber Nacht muss es geregnet haben, jedenfalls f\u00e4rbt die feuchte Rinde meine H\u00e4nde und die Jacke an der Stelle, wo es nun auf meine Schulter dr\u00fcckt. Die letzten 10 Minuten haben zwei Jugendliche es gemeinsam getragen, jetzt wei\u00df ich warum.<\/p>\n<p>Vier Stationen liegen noch vor uns \u2013 insgesamt sind es sieben. Ich erinnere mich an die katholische Kirche in meiner Heimatstadt. Dort hatte der Kreuzweg 14 Stationen: kleine Holztafeln, jede ein Kunstwerk f\u00fcr sich. Bis ins winzigste Detail sauber geschnitzt, so dass man alleine durch F\u00fchlen bis in ungeahnte Tiefen des Geschehens eintauchen konnte. Kreuzwege gibt es schon lange. Alles hatte damals vor vielen Jahrhunderten mit zwei Stationen in Jerusalem an der \u201eVia Dolorosa\u201c angefangen, jenem Prozessionsweg, auf dem \u2013 angeblich \u2013 schon Jesus sein Kreuz nach Golgatha getragen hat. Die Tradition verbreitete sich in der ganze Welt, bald hatten viele Orte eine kleine \u201eVia Dolorosa\u201c. Nach und nach kamen immer mehr Stationen dazu. Schlie\u00dflich verlegte man das Geschehen dann in die Kirchen. Beinahe jeder Innenraum einer katholischen Kirche bekam einen solchen Weg.<br \/>\nBeim \u00f6kumenischen Jugendkreuzweg sind es nur sieben. Mein R\u00fccken wird es danken. Sieben Stationen sind deutsche Tradition. Nur hier \u2013 und in den Niederlanden \u2013 finden sich alte Kreuzwege mit sieben Stationen. Sie werden auch \u201eSieben Fu\u00dff\u00e4lle\u201c genannt, weil die Betenden einst auf ihrem Weg an jedem dieser Haltepunkt auf die Knie fielen.<br \/>\nEinige meiner Begleiter gehen schweigend, viele reden. Ich beschlie\u00dfe auch zu schweigen. Wenn ich wollte, k\u00f6nnte ich das schwere Kreuz einfach loswerden. \u201eNiemand muss \u2013 alle d\u00fcrfen tragen\u201c, so hie\u00df es heute in der Er\u00f6ffnungsandacht. Um sieben Uhr hat alles in der katholischen Kirche angefangen: ein paar Lieder, eine kurze Einweisung und ein Gebet \u2013 schon ging es los. Der Weg wird uns zur evangelischen Kirche des Nachbardorfes f\u00fchren. Er selbst ist ein gutes Symbol f\u00fcr eine \u00f6kumenische Veranstaltung. \u00dcbrigens auch der R\u00fcckgriff auf die \u201eSieben Fu\u00dff\u00e4lle\u201c, denn die stammen aus der Zeit, bevor sich die Kirchen getrennt haben.<br \/>\nWir halten an. Ich richte mein Kreuz auf. Meine Schulter beginnt zu schweben. Irgendjemand liest einen Text, dann noch einer, alle singen aus dem ausgeteilten Liederheft. \u201eKyrie, kyrie eleison.\u201c Ich gebe mein Kreuz ab. Das Schwebegef\u00fchl meiner Schulter weicht einem dumpfen Pochen. Drei Konfirmandinnen wollen es nun tragen. Sie kichern. Spa\u00df haben die meisten Jugendlichen hier. Vielleicht nicht die angemessenste Emotion angesichts des Leidens und Sterbens Jesu. Vielleicht aber auch doch. Die meisten Menschen hier sp\u00fcren, dass Gott irgendwie unser Leiden versteht, weil er selbst gelitten hat. Aber das ist nur die eine Seite der Kreuzigung, die andere ist, dass er es f\u00fcr uns getan hat. Das wir darum nicht mehr in dieser Gottesferne leben m\u00fcssen und deswegen all unser Leid h\u00f6chstens vorl\u00e4ufiges Leid ist. Stumme Gedanken angesichts der unpassend passenden Freude dreier Konfirmandinnen. Der Zug l\u00e4sst sich durch all dies nicht beeindrucken. Er setzt sich wieder in Gang auf zur n\u00e4chsten Station. Drei werden es noch sein an diesem sich dem Ende zuneigenden Tag. Danach noch eine Andacht in der Kirche, dann Schnittchen und Fr\u00fcchtetee.<br \/>\nAn diesem Abend komme ich sp\u00e4t nach Hause. Das Kreuz steht jetzt im Pfarrgarten. Die Nacht ist kurz, aber erholsam. Am n\u00e4chsten Morgen bemerke ich die gr\u00fcnbraunen Flecken auf meiner Jacke. Es wird mir schwerfallen, sie auszuwaschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"PU88PuH27Q\"><p><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/oekumenischer-jugendkreuzweg-beimir\/\">\u00d6kumenischer Jugendkreuzweg #beimir<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8222;\u00d6kumenischer Jugendkreuzweg #beimir&#8220; &#8212; VCP-Blog\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/oekumenischer-jugendkreuzweg-beimir\/embed\/#?secret=d8aL45uSum#?secret=PU88PuH27Q\" data-secret=\"PU88PuH27Q\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Christian Coenen Das Kreuz wiegt schwer auf meiner Schulter. 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