{"id":8030,"date":"2017-10-15T17:05:02","date_gmt":"2017-10-15T15:05:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=8030"},"modified":"2023-02-01T15:56:57","modified_gmt":"2023-02-01T14:56:57","slug":"argumentationshilfe-fuer-gendergerechte-sprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/argumentationshilfe-fuer-gendergerechte-sprache\/","title":{"rendered":"*Argumentationshilfe f\u00fcr gendergerechte Sprache*"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt einige Argumente, die immer wieder gegen das Gender-Sternchen oder gendergerechte Sprache vorgebracht werden \u2013 hier eine Argumentationshilfe f\u00fcr euch.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Diese geschlechtergerechte Sprache macht Texte lang, die Formen sind alle total kompliziert und es ist anstrengend&#8230;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es kommt immer auf die Position an! F\u00fcr wen ist es denn kompliziert und zu lang? Wer aber findet die Formen genau richtig und hat das Gef\u00fchl, zum ersten Mal angesprochen zu sein? F\u00fcr Personen, die durch kurze Formen diskriminiert werden, kann die Ausdrucksform gar nicht lang genug sein. Sie werden wahrgenommen, sind angesprochen und anwesend. L\u00e4nge oder Komplexit\u00e4t ist kein Argument, wenn es um Antidiskriminierung geht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p>Was kann und darf ich denn \u00fcberhaupt noch schreiben??<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Sei kreativ! Sei kritisch! M\u00f6glichst viele neue kreative, herausfordernde Sprachformen kann ich schreiben! Es gibt keine festgelegten, dauerhaften Regeln, keine Eindeutigkeiten, sondern die M\u00f6glichkeit, sich immer wieder \u00fcber die Auswirkungen des eigenen Sprachgebrauchs bewusst zu werden, kontinuierlich und in jeder Situation.<\/p>\n<p>Du kannst dir sicher sein, dass du etwas \u00fcber dich und deinen Sprachgebrauch lernen kannst!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p>Ich brauche keine geschlechtergerechte Sprache. Ich f\u00fchle mich auch bei m\u00e4nnlichen Formen mitgemeint, ich habe kein Problem damit.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Alle aktuellen Studien zum Einfluss von Sprache auf die Wahrnehmung zeigen, dass wenn nur die m\u00e4nnliche Form genannt wird, zuerst m\u00e4nnliche Personen assoziiert werden und zwar durchg\u00e4ngig und unabh\u00e4ngig von anderen Geschlechterstereotypen. Nicht nur bei prototypisch m\u00e4nnlichen Berufen hatten die Mitwirkenden der Studien M\u00e4nner vor Augen &#8211; und das unabh\u00e4ngig von ihrem eigenen Gender-Selbstverst\u00e4ndnis. Auch bei sogenannten \u201aFrauenberufen\u2018 wurden M\u00e4nner assoziiert. Es ist also keineswegs so, dass Frauen mitgedacht werden.<\/p>\n<p>Mach doch einfach mal den Test: Was f\u00fcr ein Bild ergibt sich bei &#8222;Sozialarbeiter&#8220; oder &#8222;Arzt&#8220; in deinem Kopf?<\/p>\n<p>Kusterle, Karin: Die Macht von Sprachformen: der Zusammenhang von Sprache, Denken und Genderwahrnehmung. Frankfurt a. M.: Brandes &amp; Apsel, 2011.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p>Warum besch\u00e4ftigt ihr euch denn mit so Gender-Ged\u00f6ns? Habt ihr sonst nichts zu tun und keine Probleme?<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Doch, es gibt viele Felder struktureller Diskriminierungen. Und dass sprachliche Handlungen in vielen Diskussionen als \u201anicht so wichtig \u2018 runtergespielt werden, ist ein Grund, der strukturelle Diskriminierung so stark aufrecht erh\u00e4lt. Denn sprachliche Benennung schafft Wahrnehmbarkeiten. Diese werden dann in Handlungen umgesetzt.<\/p>\n<p>Vor allem aber: Es geht hier um einen respektvollen, reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit eigenen Sprachhandlungen, ein Hinsp\u00fcren und aktives Zuh\u00f6ren der W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse anderer, und nicht darum, \u201aBeweise\u2019 zu finden, dass Sprachhandlungen diskriminierend sind.<\/p>\n<p>Und au\u00dferdem: Wenn also eine durch Sexismus\/Genderismus privilegierte Person eine antigenderistische Sprachform kompliziert oder unverst\u00e4ndlich findet, so k\u00f6nnte dies ein spannender Impuls sein, \u00fcber eigene Normen und unreflektierte Privilegierungen \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p>Ist es schlimm, wenn ich das gendergerechte Sprechen mal vergesse?<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Nein. Der Wortschatz \u00e4ndert sich nicht von heute auf morgen, aber wenn du zeigst, dass du es versuchst und dich z.B. berichtigst, dann werden diejenigen, die sich mit dem * identifizieren das ok und auch gut finden. Keine Angst, die meisten haben da Vest\u00e4ndnis \ud83d\ude42<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p>Das ist ein feststehender Begriff, den kann ich doch nicht einfach so ver\u00e4ndern! Es steht so im \u201aDuden\u2018 und auch bei \u201aGoogle\u2018 finde ich es so.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Produkte und Wortsammlungen von \u201aDuden\u2018 und \u201aGoogle\u2018 sind nicht einfach schon da, sondern sind lebendig und werden je nach Sprachgebrauch immer wieder aktualisiert. Wenn nicht herausgefordert und infrage gestellt wird, k\u00f6nnen diskriminierende Handlungen und Denkweisen durch die Beibehaltung sogenannter \u201afeststehender\u2018 Begriffe machtvoll und ungebrochen wiederholt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p>Das geht mich doch alles gar nichts an. Weshalb sollte ich meine Sprachhandlungen \u00e4ndern?<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Letztendlich entscheiden alle f\u00fcr sich selbst, wie sie sprechen, schreiben, sprachhandeln m\u00f6chten. Genauso wie sie selbst entscheiden, wie weit sie sich mit Diskriminierung besch\u00e4ftigen und Verantwortung daf\u00fcr \u00fcbernehmen. Ich kann \u00fcberlegen, ob ich bereit bin, mich selbst, gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse, bestimmte Situationen zu reflektieren und kritisch zu hinterfragen.<\/p>\n<p>Sicher ist, dass wir immer handeln und uns darum Sachen etwas angehen. Wir bestimmen Umst\u00e4nde und Verh\u00e4ltnisse mit, egal ob wir aktiv eingreifen oder lieber schweigend zusehen. \u00a0Nur weil ich nicht merke, wie meine Privilegien darauf basieren, dass andere diskriminiert werden, hei\u00dft es nicht, dass ich als privilegierte Person nicht genauso involviert bin. Diskriminierungen sind nicht vor allem Angelegenheit von den Menschen, die diskriminiert werden, sondern eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p>Das geht grammatikalisch gar nicht!<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Es geht hier um Menschen, wie diese sich anwesend f\u00fchlen, wie sie benannt werden wollen. Das sollte auf der Werteskala h\u00f6her stehen als Grammatik. Und Sprache lebt, kann also auch ge\u00e4ndert werden. Sch\u00f6n wenn \u201aGrammatik\u2018 sich dem Leben anpasst und es nicht diskriminierend verhindert.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"dFYZPYGwc3\"><p><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/sieht-der-vcp-nur-noch-sterne\/\">Sieht der VCP nur noch Sterne?<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8222;Sieht der VCP nur noch Sterne?&#8220; &#8212; VCP-Blog\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/sieht-der-vcp-nur-noch-sterne\/embed\/#?secret=OpwT5Wssd7#?secret=dFYZPYGwc3\" data-secret=\"dFYZPYGwc3\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Quelle: Sprachleitfaden der Humboldt-Universit\u00e4t \u201eWas tun? Sprachhandeln \u2013 aber wie? W_ortungen statt Tatenlosigkeit!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt einige Argumente, die immer wieder gegen das Gender-Sternchen oder gendergerechte Sprache vorgebracht werden \u2013 hier eine Argumentationshilfe f\u00fcr euch. Diese geschlechtergerechte Sprache macht Texte lang, die Formen sind alle total kompliziert und es ist anstrengend&#8230; Es kommt immer auf die Position an! F\u00fcr wen ist es denn kompliziert und zu lang? 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