{"id":7775,"date":"2017-10-13T14:40:20","date_gmt":"2017-10-13T12:40:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=7775"},"modified":"2023-01-14T09:04:40","modified_gmt":"2023-01-14T08:04:40","slug":"ist-der-vcp-offen-fuer-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/bundeslager\/ist-der-vcp-offen-fuer-alle\/","title":{"rendered":"Ist der VCP offen f\u00fcr alle?"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_7780\" aria-describedby=\"caption-attachment-7780\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/170729_Hedrich_Moritz_DSC8151.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7780\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/170729_Hedrich_Moritz_DSC8151-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/170729_Hedrich_Moritz_DSC8151-300x200.jpg 300w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/170729_Hedrich_Moritz_DSC8151-768x513.jpg 768w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/170729_Hedrich_Moritz_DSC8151-1024x684.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7780\" class=\"wp-caption-text\">Singerunde in einer Oase auf dem Bundeslager &#8222;Weitblick&#8220;.<br \/>Foto: VCP\/Moritz Hedrich<\/figcaption><\/figure>\n<h3><strong>Was macht man abends auf einem Pfadfinderlager, wenn man nicht singt und nicht trinkt? <\/strong><\/h3>\n<h3><strong>Ein Kommentar von Jost Lambrecht.<\/strong><\/h3>\n<p>Jugendliche unbegleitete Gefl\u00fcchtete in Jugendhilfeeinrichtungen leben ein Leben, dass in Vielem von dem abweicht, was Jugendliche kennen, die in Deutschland in Familien aufwachsen. Vieles, was f\u00fcr die meisten von uns selbstverst\u00e4ndlich ist, erleben Jugendliche in diesen Lebenslagen vollkommen anders. Viele k\u00fcmmern sich selbst um ihr Pausenbrot. Auch ihr Mittagessen und ihr Abendbrot m\u00fcssen sich viele selber zubereiten. Hinzu kommen unz\u00e4hlige Termine bei Beh\u00f6rden und \u00c4mtern, sowie das Asylverfahren. Wirkliche Freizeit ist f\u00fcr jugendliche unbegleitete Gefl\u00fcchtete stark begrenzt. Ihre Lebenssituation ist unstet: Nie ist klar, ob nicht bald die Gelegenheit kommt in eine bessere Einrichtung mit Einzelzimmer zu ziehen und ob man dann am anderen Ende der Stadt wohnt, weit entfernt von Freunden oder dem Verein. L\u00e4ngerfristige Pl\u00e4ne zu schmieden (wie im Sommer mal wegzufahren), ist deshalb schwierig.<\/p>\n<p>Dennoch sind drei jugendliche unbegleitete Gefl\u00fcchtete im Alter von 17 und 18 Jahren mit auf dem VCP Bundeslager in Wittenberg gewesen. Sie w\u00fcnschten sich unbedingt einmal wegzufahren. Den Wunsch hatten tats\u00e4chlich noch einige mehr. Aber sie sind im Monat davor umgezogen, oder hatten w\u00e4hrend des Lagers ihre Asylanh\u00f6rungen.<\/p>\n<p>Die Anmeldung war eine kleine Herausforderung. Bedingt durch den kurzen Planungshorizont der Jugendlichen, lagen Idee und Anmeldeschluss sehr nah beieinander. In dieser Zeit musste ein Antrag an den rdp gestellt werden, um den Jugendlichen die Teilnahme zu erm\u00f6glichen. Amtsvorm\u00fcnder mussten in der Urlaubszeit dem Vorhaben zustimmen und die unterschrieben Anmeldeformulare zur\u00fccksenden. Isomatten, Rucks\u00e4cke und Schlafs\u00e4cke lie\u00dfen sich gl\u00fccklicherweise innerhalb von 10 Minuten \u00fcber einen Facebook Aufruf organisieren.<\/p>\n<p>Endlich auf dem Lager hatten wir eine sch\u00f6ne Zeit. Von unserem Partnerstamm Otto Witte aus Pankow und der Kochgruppe wurden wir gut aufgenommen und einfach in den Lagerablauf einbezogen. Es wurde gemeinsam gekocht und gegessen. Die Jungs besuchten Workshops und andere Programmpunkte an denen sie viel Spa\u00df hatten. Pausen machten wir immer wieder im Restecaf\u00e9 des VCP Schleswig-Holstein, wo wir guten Tee und Kaffee tranken. Dort konnten die Jungs auch au\u00dfer der Reihe die Handys laden-was wirklich wichtig war, denn die Handys sind der Draht zu den Familien in den Heimatl\u00e4ndern. Auch der Ausflug nach Wittenberg gefiel ihnen gut, sowie der erste Stammesabend mit viel Gesang und Gruppenspielen. Am wichtigsten war jedoch einmal aus dem Alltag herauszukommen und was anderes zu erleben. Einer der Jungs \u00e4u\u00dferte sogar, dass er das erste Mal seit er in Deutschland sei, abends direkt einschlafe und erst aufwache, wenn er wieder geweckt werde. Sonst w\u00e4lze er sich immer stundenlang umher, bevor er einschlafe. Trotz allem gab es auch immer wieder Phasen der Langeweile. Vor allem abends, wenn alle Lagerteilnehmer*innen, die das 16. Lebensjahr erreicht haben, innerhalb k\u00fcrzester Zeit in den Oasen verschwinden. F\u00fcr Jugendliche, die mit b\u00fcndischem Liedgut nicht viel anfangen k\u00f6nnen und keinen Alkohol trinken, gibt es abends auf einem Bundeslager leider nicht viel zu tun. Damit sind die drei jungen Gefl\u00fcchteten sicher nicht alleine. Auch gibt es viele, die der zahlreichen sexistischen, teils sogar rassistischen Texten im b\u00fcndischen Liedgut \u00fcberdr\u00fcssig sind. Es ist meines Erachtens nach angebracht zu fragen, wer sich damit ausgeschlossen f\u00fchlt und nicht Pfadfinder*in wird oder bleibt. Schlie\u00dfen wir durch unser Programm ganze gesellschaftliche Gruppen aus? Zumindest bei der Abendgestaltung unserer Bundeslager liegt dies nahe. Dabei w\u00e4re dem mit ein bisschen Kreativit\u00e4t und Vielfalt bereits abgeholfen. M\u00fcssen es wirklich vier Oasen sein, in denen gesungen wird? Wie w\u00e4re es mit einem Lagerkino, einem Brettspielkasino usw.?<\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich betonen, dass im VCP eine gro\u00dfe Offenheit besteht, Gefl\u00fcchtete in die Arbeit mit einzubeziehen. In allen konkreten Problemlagen war es m\u00f6glich, schnell irgendwo Unterst\u00fctzung zu bekommen. Strukturell und kulturell gibt es allerdings eine ganze Reihe an nicht-offensichtlichen H\u00fcrden, die aber \u00fcberwindbar sind. Zum Beispiel k\u00f6nnten Kontingentspl\u00e4tze f\u00fcr Jugendliche aus benachteiligten Milieus geschaffen werden. Das vereinfacht die Anmeldung. Anmeldeinformationen sollten mehrsprachig sein. Die Programmdarstellung sollte mit Bildern oder Videos unterst\u00fctzt werden und ohne viel Vorwissen verst\u00e4ndlich sein. Unz\u00e4hlige Studien weisen darauf hin, dass ein gro\u00dfer Anteil von Kindern und Jugendlichen den Inhalt auch einfacher Texte nicht erfasst.<\/p>\n<p>Ich nehme mit, dass es durchaus funktioniert, gefl\u00fcchteten Jugendlichen Pfadfinden n\u00e4her zu bringen und Erlebnisse zu teilen. Dies bedeutet allerdings noch lange nicht, dass sie gleichwertig teilhaben k\u00f6nnen. Ist uns das ein Anliegen, reicht Offenheit nicht aus. Dies Umzusetzen bedarf einer bewussten Entscheidung und auch den Willen etwas zu ver\u00e4ndern und entsprechender Ressourcen. Doch vielleicht ist es genau das, was Pfadfinden ben\u00f6tigt, um gesellschaftlich relevant und zukunftsf\u00e4hig zu sein.<\/p>\n<h4>&#8222;Zukunftsf\u00e4hig sein&#8220; ist auch ein Handlungsfeld bei der Pfadfindung. Lest hier ein Interview mit Jost und Jamal.<\/h4>\n<p>https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/pfadfindung-offen-sein<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was macht man abends auf einem Pfadfinderlager, wenn man nicht singt und nicht trinkt? Ein Kommentar von Jost Lambrecht. Jugendliche unbegleitete Gefl\u00fcchtete in Jugendhilfeeinrichtungen leben ein Leben, dass in Vielem von dem abweicht, was Jugendliche kennen, die in Deutschland in Familien aufwachsen. 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