{"id":7089,"date":"2017-08-17T16:04:07","date_gmt":"2017-08-17T14:04:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=7089"},"modified":"2017-08-17T16:04:07","modified_gmt":"2017-08-17T14:04:07","slug":"wer-hat-denn-nun-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/erwin\/wer-hat-denn-nun-recht\/","title":{"rendered":"Wer hat denn nun recht?"},"content":{"rendered":"<p>Strittige Frage beim Landestreffen der Erwachsenen in RPS Mai 17 im Martin-Butzer-Haus in Bad D\u00fcrkheim<\/p>\n<p>Eine kleine Anekdote vorweg: Zweie streiten sich f\u00fcrchterlich. Kommt ein Dritter hinzu und will schlichten. Er habe recht, sagte der Erste und erl\u00e4utert seinen Standpunkt. Ja, da hast du recht, meinte der Dritte. Schreit der Zweite: das kann ja gar nicht sein, denn ich habe recht, und behauptet seine Version. Sagt der Dritte: Aber ja, da hast nun du recht. Da beschimpfen alle beide den Dritten: Du kannst doch nicht sagen, dass wir beide recht haben! Meint der Dritte: Da habt ihr nun auch wieder recht.<\/p>\n<p>F\u00fcr unsere Fr\u00fchjahrstagung hatten wir uns ein heikles und spannendes theologisches Thema vorgenommen: \u201eSind Altes und Neues Testament gleichberechtigte Grundlagen unseres heutigen Christentums?\u201c Ein von mir erstellter Fragebogen nach der Glaubensverbindlichkeit, mit sieben Thesen, vorher an die Freund*e*innen verschickt, hatte das Thema \u2013 zugegebenerma\u00dfen ziemlich provozierend \u2013 angerissen. Sie verdichteten sich in der Frage nach der Diskrepanz zwischen der Gottesvorstellung im AT \u2013 ein Gott der Rache (Sintflut), des Zorns (Elias), der Strafe (Sodom) oder der Plage (Hiob), und dem uns durch Christus verk\u00fcndeten Gott der Barmherzigkeit, Liebe und Vergebung.<\/p>\n<p>Unser Referent, Dr. Werner Schwartz, ehemals Dekan von Frankenthal, dann Direktor der Diakonissenanstalten Speyer-Mannheim, Ehrenpfadfinder unseres Frankenthaler VCP-Stammes, zeigte zuerst einmal die 2000j\u00e4hrige Entwicklungsgeschichte des AT auf, von den archaischen Gesetzen, den historischen Berichten, den ethischen Geboten und Erziehungsma\u00dfnahmen mit vielen Spr\u00fcngen und Ver\u00e4nderungen. Schwartz wies auch auf die Gebote der F\u00fcrsorge und des Erbarmens sowie auf die Sch\u00f6nheiten der Psalmtexte und die Weisheiten des alten Judentums hin und auf die Entwicklungslinien (trajectories \u2013 Flugbahnen) die sich im Alten auf das Neue Testament hin zeigen. Vor allem aber: Jesus war Jude, in seiner j\u00fcdischen Umwelt und der damalige Denkweise gro\u00dfgeworden und erzogen und hat selbst bei seinen Reden und Predigten immer wieder auf die alt\u00fcberlieferten Texte hingewiesen \u2013 \u201ewie denn die Schrift sagt \u2026\u201c<\/p>\n<p>Es ist nat\u00fcrlich nicht m\u00f6glich, das mehr als dreist\u00fcndige lebhafte Gespr\u00e4ch hier zu reflektieren. Ein Fazit konnten wir jedenfalls ziehen: Gott-sei-Dank ist in unserer Evangelischen Kirche die Freiheit des Denkens m\u00f6glich und muss nicht durch unrealistische Dogmen, Fundamentalismus und einf\u00e4ltige Engstirnigkeit eingeschr\u00e4nkt werden. Auch ein bibelkritisches Lesen des AT ist m\u00f6glich und hilfreich wenn man dabei, \u00fcber zwei Jahrtausende hinweg, die Umst\u00e4nde betrachtet, in denen die Texte von vielen hunderten Menschen und in ihrer jeweiligen Zeit verfasst wurden, mit den unterschiedlichsten Zielsetzungen und Wissensst\u00e4nden, theologischen Ans\u00e4tzen, erzieherischen Absichten und auch mit manchmal allzu deutlichen Widerspr\u00fcchen.<\/p>\n<p>Dann n\u00e4mlich erschlie\u00dfen sich viel besser eben diese Weisheiten z.B. in den Spr\u00fcchen oder im Kohelet oder die wunderbare Sprache in den Psalmen.<\/p>\n<p>Die gleiche Lesart der Bibel ist genauso sinnvoll im NT. Denn dann versteht man erst richtig die Verherrlichung Christi durch Paulus und die Evangelisten, die tiefe Symbolik in den Bildern und Gleichnissen, den Heiligen Geist in der Lehre Jesu und die lebensbejahende und befreiende Botschaft des Evangeliums.<\/p>\n<p>Mokka<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Strittige Frage beim Landestreffen der Erwachsenen in RPS Mai 17 im Martin-Butzer-Haus in Bad D\u00fcrkheim Eine kleine Anekdote vorweg: Zweie streiten sich f\u00fcrchterlich. Kommt ein Dritter hinzu und will schlichten. Er habe recht, sagte der Erste und erl\u00e4utert seinen Standpunkt. Ja, da hast du recht, meinte der Dritte. 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