{"id":4386,"date":"2016-03-12T07:20:54","date_gmt":"2016-03-12T05:20:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=4386"},"modified":"2020-07-01T11:11:11","modified_gmt":"2020-07-01T09:11:11","slug":"wie-pfadfinden-politisch-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/internationales\/wie-pfadfinden-politisch-wird\/","title":{"rendered":"Wie Pfadfinden politisch wird"},"content":{"rendered":"<h1>eine Pfadfinderin bei der UN-Frauenrechtskommission in New York<\/h1>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Paula_RDP.jpg\" rel=\"attachment wp-att-4387\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-4387\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Paula_RDP-200x300.jpg\" alt=\"Paula_RDP\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Paula_RDP-200x300.jpg 200w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Paula_RDP.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>Paula Neher, Mitglied des Arbeitskreis Internationales im Bund der <a href=\"http:\/\/www.pfadfinden.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Pfadfinderinnen und Pfadfinder e.V. (BdP)<\/a>, vertritt ab dem 11. M\u00e4rz Pfadfinderinnen aus der ganzen Welt bei der 60. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission und dem vorhergehenden Jugendforum. Sie ist Teil der Delegation der <a href=\"http:\/\/www.wagggs.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weltpfadfinderinnenorganisation WAGGGS<\/a>, in der auch der <a href=\"http:\/\/www.pfadfinden-in-deutschland.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ring Deutscher Pfadfinderinnenverb\u00e4nde (RDP)<\/a> Mitglied ist. Denn in New York versammeln sich nicht nur Delegationen einzelner Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen (UN), sondern auch Nichtregierungsorganisationen (NGOs) k\u00f6nnen Delegierte senden.<\/p>\n<p>Das oberste Ziel der 1946 gegr\u00fcndeten UN-Frauenrechtskommission ist die St\u00e4rkung von Frauen und ihrer Rechte. Zu den j\u00e4hrlich stattfindenden Sitzungen sind alle UN-Mitgliedstaaten eingeladen und dort wird dar\u00fcber beraten, wie sich verschiedene weltpolitische Entscheidungen auf Frauen auswirken und wie eine Verbesserung der Lebenssituation von Frauen erreicht werden kann. Am Ende wird ein Beschluss, eine sogenannte Agreed Conclusion, verabschiedet, der festh\u00e4lt, was die Mitgliedsstaaten in der Frauenpolitik ver\u00e4ndern und erreichen wollen.<\/p>\n<p>In diesem Jahr wird das Ganze unter dem Oberthema der 2015 mit der Agenda 2030 neu beschlossenen nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) verhandelt. Diese wurden von den UN verabredet, um weltweiten Problemen und globalen Herausforderungen vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit gemeinsam zu begegnen. So sollen z.B. Armut und Hunger beendet, Ungleichheiten bek\u00e4mpft und Geschlechtergerechtigkeit erreicht werden. Bildung, Gesundheitsversorgung, Zugang zu Trinkwasser und (nachhaltiger) Energie, nachhaltiger Konsum, die Bek\u00e4mpfung des Klimawandels und eine globale Partnerschaft sind weitere zentrale Themen der Ziele. Kurz gesagt: Es geht darum, die Welt ein St\u00fcck besser zu machen \u2013 und das ist auch das Ziel von Pfadfinden.<\/p>\n<p>Paula ist 22 Jahre alt und seit ihrem sechsten Lebensjahr, also seit 1999, Pfadfinderin im BdP. Sie studiert Politik und Wirtschaft und ist seit ihrem Freiwilligendienst 2012\/2013 im internationalen Pfadfinderinnenzentrum <a href=\"https:\/\/www.wagggs.org\/en\/our-world\/world-centres\/pax-lodge\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Pax Lodge<\/a> in London international im BdP aktiv. Dieses internationale Interesse ist vor allem beim Besuch des World Scout Jamborees 2007 in England entstanden und wurde 2010 bei einem Praktikum im internationalen <a href=\"http:\/\/www.kisc.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Pfadfinderzentrum Kandersteg<\/a> gefestigt. Als Mitglied des <a href=\"http:\/\/www.pfadfinden.de\/international\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">AK Internationales des BdP<\/a> m\u00f6chte Paula den deutschen Pfadis zeigen, wie bereichernd Pfadfinden au\u00dferhalb Deutschlands sein kann. Jetzt darf sie bei der UN-Frauenrechtskommission in New York die Belange der Pfadfinderinnen und Pfadfinder nach au\u00dfen tragen und mitdiskutieren.<br \/>\nDer RDP im Gespr\u00e4ch mit Paula vor ihrer Abreise:<\/p>\n<h2>Liebe Paula, was genau machst du in New York?<\/h2>\n<p>Meine Aufgabe wird sein, als eine von zehn WAGGGS-Jugenddelegierten die Interessen von jungen Frauen und M\u00e4dchen zu vertreten. Dabei werden wir zum einen unsere Erfahrungen als junge Frauen und als Pfadfinderinnen teilen und zum anderen versuchen, Einfluss auf die Verhandlungen auszu\u00fcben, indem wir uns mit verschiedenen Regierungsvertreterinnen und -vertretern zusammensetzen. Au\u00dferdem werden wir an vielen Nebenveranstaltungen teilnehmen und dort Informationen sammeln. Spannend ist dabei, dass wir ein Team von Delegierten aus allen Kontinenten sind, da <a href=\"https:\/\/www.wagggs.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">WAGGGS<\/a> ja Mitgliedsorganisationen in 146 L\u00e4ndern hat und von diesen auch m\u00f6glichst viele vertreten sein sollen.<\/p>\n<h2>Was sind die wichtigsten Themen, die auf der Veranstaltung besprochen werden?<\/h2>\n<p>Das ist jetzt im Vorhinein nat\u00fcrlich noch etwas schwer zu sagen, aber das Oberthema ist das Empowerment von Frauen, also die Selbsterm\u00e4chtigung bzw. die Unterst\u00fctzung bei der Entdeckung eigener St\u00e4rken und dem Entwickeln von Selbstbestimmung, und die nachhaltige Entwicklung. Es wird sich also viel darum drehen. Es gibt eine Liste von begleitenden Veranstaltungen, die von verschiedenen Regierungen, den UN oder NGOs ausgerichtet werden und viele von ihnen haben die SDGs, Gewalt gegen Frauen und Gewaltpr\u00e4vention als Themen. Diese Themen werden sicherlich auch in den Verhandlungen eine gro\u00dfe Rolle spielen.<\/p>\n<h2>Welches Thema liegt dir am meisten am Herzen?<\/h2>\n<p>Als Jugenddelegierte und junge Frau ist es mir besonders wichtig, dass junge Menschen und ihre Meinungen nicht nur geh\u00f6rt, sondern auch in die Verhandlungen einbezogen werden. Immerhin geht es um nachhaltige Entwicklung und wir sind als n\u00e4chste Generation am meisten von den heutigen Entscheidungen betroffen. Das ist immer wieder etwas, worauf man Politikerinnen und Politiker und Regierungen aufmerksam machen muss. Viele meinen, dass es reicht, sich das anzuh\u00f6ren, was wir zu sagen haben, aber wir wollen ja auch sehen, dass unsere Probleme und Sorgen aufgenommen werden und etwas getan wird.<\/p>\n<h2>Wie hast du dich auf die Teilnahme vorbereitet?<\/h2>\n<p>Zur Vorbereitung gab es sehr viel Unterst\u00fctzung von WAGGGS. Wir hatten einige Online-Seminare, in denen uns von der Struktur der UN \u00fcber unsere Aufgaben bis hin zur Packliste alles erkl\u00e4rt wurde, was wir f\u00fcr den CSW wissen m\u00fcssen. CSW steht f\u00fcr Commission on the Status of Women und ist der englische Begriff f\u00fcr die Frauenrechtskommission. Es hat total Spa\u00df gemacht, bei der Vorbereitung die anderen Jugenddelegierten kennenzulernen. Nat\u00fcrlich geh\u00f6rte zur Vorbereitung auch etwas eigenst\u00e4ndige Arbeit. Ich habe viel \u00fcber die SDGs recherchiert und auch die ersten Entw\u00fcrfe der Agreed Conclusion gelesen. Das war zuerst gar nicht so einfach. So eine Agreed Conclusion ist schlie\u00dflich ein juristisches Dokument.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurden wir in Gruppen zur Vorbereitung verschiedener Bereiche aufgeteilt. Ich bin in der Gruppe, die sich mit der Planung und Gestaltung der von WAGGGS in New York angebotenen Veranstaltungen besch\u00e4ftigt. Es war dabei super interessant zu sehen, wie man Pfadi-Methoden auch f\u00fcr Veranstaltungen wie diese bei der UN-Frauenrechtskommission anwenden kann. Da merkt man richtig, wie viel Wertvolles wir bei den Pfadis lernen.<\/p>\n<p>Des Weiteren habe ich auch Kontakt zur Deutschen Regierungsdelegation aufgenommen. Ich bin zwar Teil der Delegation einer NGO, aber es ist trotzdem spannend zu h\u00f6ren, was die Rolle der Regierungsdelegation sein wird und wie Deutschland zu den einzelnen Themen der Verhandlungen steht. Schlie\u00dflich hat das im R\u00fcckschluss auch wieder Einfluss auf die deutschen Pfadfinderinnen, die ich in New York vertrete.<\/p>\n<h2>Wie bist du Teil der WAGGGS-Delegation geworden?<\/h2>\n<p>Auf der WAGGGS-Webseite gab es eine offene Ausschreibung, auf die ich mich mit Unterst\u00fctzung der amtierenden Internationalen Beauftragten des BdP, Ostara Schwarz, in einem langen Schreiben mit Motivation und Kenntnissen zum Thema beworben habe. WAGGGS versucht immer, eine m\u00f6glichst internationale Delegation aus allen Kontinenten zusammenzustellen. Deswegen ist die Auswahl auch ein bisschen eine Gl\u00fcckssache, je nachdem wie viele Leute aus Europa sich bewerben. F\u00fcr die Klimakonferenzen im letzten Jahr hatte ich mich auch beworben, da hat es leider nicht geklappt.<\/p>\n<h2>Was ist deine Rolle als Pfadfinderin auf der Konferenz bzw. was genau macht WAGGGS auf der CSW 60?<\/h2>\n<p>Das ist eine gute Frage. Hier wird es etwas komplizierter, weil das auch etwas mit den Strukturen der UN zu tun hat. Wichtig zu wissen ist auf jeden Fall, dass in der UN nicht nur die Mitgliedsstaaten Akteure sind, sondern auch Nichtregierungsorganisationen mitwirken d\u00fcrfen und regelm\u00e4\u00dfig konsultiert werden. WAGGGS und WOSM, zwei der sechs weltweit gr\u00f6\u00dften Jugendorganisationen und somit wichtige NGOs, haben einen Sitz beim Wirtschafts- und Sozialrat der UN (ECOSOC). Der UN-Frauenrat ist Teil dieses Ausschusses und f\u00fcr WAGGGS als NGO und weltgr\u00f6\u00dftem Verband, der die Interessen von M\u00e4dchen und jungen Frauen vertritt, besonders wichtig. WAGGGS versucht hier sozusagen die Politik in eine Richtung zu lenken, die M\u00e4dchen und junge Frauen, insbesondere f\u00fcr die 10 Millionen Mitglieder, am besten ist.<\/p>\n<p>Wir sind als WAGGGS-Jugenddelegierte Beobachterinnen im Verhandlungsraum und werden nach unserer Meinung gefragt. Wir nehmen, wie schon erw\u00e4hnt, nebenbei auch an anderen Veranstaltungen teil und organisieren selbst welche, zum Beispiel zum Thema \u201eVoices against Violence\u201c (Gewaltfreiheit). Hierbei werden Reden von Politikerinnen und Politikern zu dem Thema gehalten, wir stellen unsere Arbeit vor, z.B. die WAGGGS-Kampagne \u201eStop the Violence\u201c, und versuchen gemeinsam mit weiteren G\u00e4sten L\u00f6sungen f\u00fcr das Problem von Gewalt gegen Frauen zu finden.<\/p>\n<h2>Wie sehen deine Erwartungen aus und was erhoffst du dir durch die Teilnahme?<\/h2>\n<p>F\u00fcr mich ist das Ganze eine spannende Erfahrung und ich wei\u00df noch nicht so recht, was mich genau erwartet. Ich kann mir vorstellen, dass ich viele interessante und beeindruckende Leute kennenlernen werde und ich viel \u00fcber die internationale Frauenpolitik und die Situation von Frauen in anderen L\u00e4ndern lernen werde. Ich denke aber auch, dass mich einige Frustrationen dar\u00fcber, wie viel man wirklich beeinflussen kann, und insbesondere wenig Schlaf erwarten. Aber mit wenig Schlaf lernt man auf Pfadfinder-Veranstaltungen ja umzugehen&#8230; Ich hoffe nat\u00fcrlich, dass wir bei den Verhandlungen etwas bewirken k\u00f6nnen und am Ende einige unserer Positionen in der verabschiedeten Agreed Conclusion wiederfinden werden.<\/p>\n<h2>Glaubst du, dass es konkrete Ergebnisse geben wird, so dass sich die Situation von Frauen (in bestimmten L\u00e4ndern oder in bestimmten Themenbereichen) verbessert?<\/h2>\n<p>Ich denke, durch die nachhaltigen Entwicklungsziele ist ein guter Weg f\u00fcr eine tats\u00e4chliche Ver\u00e4nderung der Situation von Frauen geebnet worden. Dadurch dass die SDGs diesmal verbindlicher f\u00fcr die unterzeichnenden Staaten sind als die vorausgegangenen Entwicklungsziele, besteht eine gr\u00f6\u00dfere Chance, dass einzelne Staaten genug Druck versp\u00fcren, ihre Politik zu \u00e4ndern. Insbesondere auf dem Feld der Pr\u00e4vention von Gewalt gegen Frauen besteht weltweiter Handlungsbedarf und es ist schon im Programm der Kommission zu sehen, dass dies auch erkannt wurde. Europ\u00e4ische L\u00e4nder sind davon genauso betroffen wie alle anderen Kontinente. Selbst wenn die Formen der Gewaltaus\u00fcbung andere sind, ist das Problem nicht weniger relevant. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich hier durch die UN-Frauenrechtskommission in der Frauenpolitik etwas \u00e4ndern wird.<\/p>\n<h2>Worauf freust du dich am meisten?<\/h2>\n<p>Die Antwort ist ganz leicht: auf die Leute. Ich bin sehr gespannt darauf, die anderen Jugenddelegierten kennenzulernen und mich mit vielen Menschen zu unterhalten, die sich mit dem Thema Frauenpolitik und Gleichberechtigung intensiv auseinander gesetzt haben. Ich bin mir sicher, dass ich unglaublich viele neue Kontakte kn\u00fcpfen werde und mich danach mit neuer Motivation in die Pfadi-Arbeit im AK International im BdP st\u00fcrzen kann. Es ist im Nachhinein n\u00e4mlich immer am tollsten, wenn man aus erster Hand berichten kann, was wir als Pfadis alles bewegen k\u00f6nnen und welche M\u00f6glichkeiten uns offen stehen.<\/p>\n<p>Wir danken dir f\u00fcr das ausf\u00fchrliche Interview und w\u00fcnschen dir einen erfolgreichen Aufenthalt in New York.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>eine Pfadfinderin bei der UN-Frauenrechtskommission in New York Paula Neher, Mitglied des Arbeitskreis Internationales im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder e.V. (BdP), vertritt ab dem 11. M\u00e4rz Pfadfinderinnen aus der ganzen Welt bei der 60. Sitzung der UN-Frauenrechtskommission und dem vorhergehenden Jugendforum. 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