{"id":40380,"date":"2026-01-21T13:48:00","date_gmt":"2026-01-21T12:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/?p=40380"},"modified":"2026-01-21T14:04:33","modified_gmt":"2026-01-21T13:04:33","slug":"nachruf-eleonore-eichenberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/nachruf-eleonore-eichenberg\/","title":{"rendered":"Nachruf: Eleonore Eichenberg"},"content":{"rendered":"\n<p>Mit gro\u00dfer Trauer und Bewegung habe ich vom Tod von Eleonore Eichenberg erfahren.Viele Erinnerungen sind im Gedenken an sie wieder wach geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eleonore war von 1978 bis 1981, die meiste Zeit zusammen mit Dr. Geischer (Mungo), Bundesvorsitzende des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Einige Jahre durfte ich sie als damaliges Mitglied der Bundesleitung begleiten, ihr Wirken, ihre Leidenschaft, ihren Einsatz f\u00fcr unseren Verband unmittelbar erleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Eleonore hat sich in bewegter Zeit um den Verbund hoch verdient gemacht. Ihre Amtszeit war wesentlich gepr\u00e4gt durch ein Ringen um richtig verstandenes Pfadfindertum, um eine Suche, was uns vereint, welchen Weg wir gemeinsam gehen, welche Inhalte wir gemeinsam vertreten k\u00f6nnen und wollen. Die Meinungen hierzu waren in den VCP L\u00e4ndern durchaus unterschiedlich. Das VCP Land Rheinland-Pfalz\/Saar ging zum Beispiel mit einer eigenen Beitragsordnung in diesen Jahren einen Sonderweg am Rande des Verbands.<\/p>\n\n\n\n<p>Eleonore hat man vertraut. Dieses Vertrauen zu den Bundesvorsitzenden war ein wichtiger Grund, dass das Land in der Amtszeit von Eleonore und Mungo diese Sonderrolle aufgegeben hat. An dem Ringen um den richtigen Weg hat sich Eleonore zusammen mit Mungo mit Leidenschaft beteiligt und hierbei auch ihren F\u00fchrungsanspruch als Bundesvorsitzende geltend gemacht. Dies geschah aber immer auch mit dem Bestreben, den Verband zusammenzuhalten. Es galt, Wege zu finden, die wir gemeinsam gehen k\u00f6nnen, Meinungsunterschiede nicht zu verwischen, aber auszuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine, von ihr unterst\u00fctzte, damalige Berufung in die Bundesleitung als Referent f\u00fcr die Pfadfinderstufe war sicher auch als Geste an die eher traditionell ausgerichteten Gliederungen des Verbandes zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eleonore hielt vom Denken in Schablonen wenig, Ihr Verst\u00e4ndnis und Bestreben ging dahin, konkret zu werden, zu finden, was wir gemeinsam tun k\u00f6nnen und dies dann auch zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ein roter Faden zog sich die Diskussion um Wege zum Frieden durch ihre Amtszeit. Diese Diskussion wurde in unserem ganzen Land in aufgeheizter Stimmung gef\u00fchrt. Beleg daf\u00fcr mag die Ver\u00f6ffentlichung des \u201eKrefelder Appells\u201c 1980 gegen die atomare Aufr\u00fcstung sein. Die Auseinandersetzung um den richtigen Weg zum Frieden beeinflusste und bestimmte auch die Arbeit in den Gremien des VCP und f\u00fchrte hin und wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Selbstverst\u00e4ndlicher Teil dieser Auseinandersetzungen war auch die Fragestellung, ob Pfadfinder Wehrdienst leisten sollen oder dies verweigern sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein wichtiges und vermutlich erst in der R\u00fcckschau v\u00f6llig erkannter Verdienst von Eleonore und Mungo war, dem Thema \u201ePfadfinder f\u00fcr den Frieden\u201c nicht auszuweichen, sondern es auf eine f\u00fcr einen Jugendverband angemessene Weise in den Mittelpunkt der Arbeit der Gremien zu stellen. \u201ePfadfinder f\u00fcr den Frieden\u201c war so ein wichtiges Thema nahezu aller Sitzungen der Bundesleitung und des Bundesrats in der Amtszeit von Eleonore.Was k\u00f6nnen wir in dieser insgesamt aufgeheizten Stimmung zusammen tun, darum ging es ihr und die Bundesleitung ist dem gefolgt. Ihre intensive Bindung an die Pfadfinderinnen und Pfadfinder vor Ort jenseits der Gremien hat in diesen Jahren sicher dazu beigetragen, die Diskussionen lebensnah zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Zeitungsartikel \u00fcber eine Sitzung der Bundesleitung im Jahre 1980 in Hemau habe ich folgendes gefunden: \u201eIn Hemau wurde neben der Beschlussfassung zu aktuellen Fragen vor allem \u00fcber die weitere Arbeit am Schwerpunkt \u201ePfadfinder f\u00fcr den Frieden\u201c gesprochen. In einer Veranstaltungskette sollen Jugendlichen Wege aufgezeigt werden, sich in ihren Gruppen mit den verschiedenen Aspekten dieses Themas zu befassen. Dabei geht es dem Pfadfinderverband zun\u00e4chst darum, internationale Begegnung als Mittel der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung sichtbar zu machen und durch solche Begegnungen zu einem besseren Zusammenleben und Abbau von Vorurteilen beizutragen.\u201c Internationale Begegnungen als Mittel der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung zu begreifen und sie auch entsprechend zu gestalten war also eine wichtige Konsequenz dieser Diskussionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Alternative f\u00fcr das im Iran vorgesehene und dann abgesagte Jamboree wurde eine Bundesunternehmung in \u00c4gypten angeboten. Dies kann man sicher als eine Vorstufe zu den heutigen inhaltlich anspruchsvollen Bundesfahrten ansehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als eine weitere Konsequenz aus den Diskussionen \u00fcber den richtigen Weg zum Frieden wurde ein gemeinsames R\u00fcstzeitangebot unseres Verbandes f\u00fcr Pfadinder im Wehrdienst und Pfadfinder, die den Wehrdienst verweigerten, ins Leben gerufen. Diese R\u00fcstzeit, unterst\u00fctzt von der Seelsorge f\u00fcr Zivildienstleistende und der Milit\u00e4rseelsorge, wurde mehrere Jahre als Diskussionsforum angeboten und von vielen Pfadfindern Jahr f\u00fcr Jahr gerne angenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele weitere Dinge wurden diskutiert und in die Wege geleitet: Eine neue Konzeption f\u00fcr die Zeitschriften wurde beschlossen. Eine neue Spielidee wurde entwickelt und diskutiert. Die Gestaltung der Burg Rieneck als Bildungszentrum des VCP wurde in Angriff genommen. Erste Schritte f\u00fcr die Einrichtung eines VCP-Archivs wurden in die Wege geleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf das Ende ihrer Amtszeit sehe ich mit etwas Wehmut zur\u00fcck. Im Jahre 1981 entschloss sich die Bundesversammlung nach innerverbandlichen Problemen mit der Einrichtung einer kommissarischen Bundesleitung ohne sie einen neuen Weg zu gehen. Dies war f\u00fcr sie sicher schmerzhaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Eleonore hat sich um den VCP verdient gemacht. \u00dcber ihrem Wirken steht das Verdienst, dass der Verband in schwieriger Zeit zusammengehalten wurde. \u00dcber ihrem Wirken steht der Beitrag, dass der Verband die Probleme unseres Landes aufgenommen, auf jugendgem\u00e4\u00dfe Weise diskutiert und immer wieder zu gemeinsamem Handeln gefunden hat. \u00dcber ihrem Wirken steht die Klarheit, dass evangelisches Pfadindertum keine unverbindliche Freizeitbesch\u00e4ftigung ist, sondern einen Beitrag zur Wohlfahrt unseres Landes leisten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>All dies geschah in dem Willen, das Gemeinsame \u00fcber das Trennende zu stellen und jenseits der Diskussionen in gutem Willen das zu tun, was man gemeinsam tun kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Gedanken sehe ich auch als ihr wesentliches Verm\u00e4chtnis.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir haben ihr zu danken.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hans Peter von Kirchbach<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit gro\u00dfer Trauer und Bewegung habe ich vom Tod von Eleonore Eichenberg erfahren.Viele Erinnerungen sind im Gedenken an sie wieder wach geworden. 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