{"id":3753,"date":"2015-11-25T10:55:01","date_gmt":"2015-11-25T08:55:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=3753"},"modified":"2016-01-22T10:31:46","modified_gmt":"2016-01-22T08:31:46","slug":"%ef%bb%bfsehnsucht-nach-stille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/%ef%bb%bfsehnsucht-nach-stille\/","title":{"rendered":"\ufeffSehnsucht nach Stille"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/anp1503_sehnsucht_nach_stille.jpg\" rel=\"attachment wp-att-3752\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-3752\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/anp1503_sehnsucht_nach_stille-300x200.jpg\" alt=\"anp1503_sehnsucht_nach_stille\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/anp1503_sehnsucht_nach_stille-300x200.jpg 300w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/anp1503_sehnsucht_nach_stille.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Drau\u00dfen knattern die Autos, \u00fcber den Kopf hinweg donnert ein D\u00fcsenjet und im Kaufhaus dudelt die Weihnachtsliederhitparade. Wie gut, dass man sich bei einer hei\u00dfen Tasse Tee auf der Couch zur\u00fcckziehen kann &#8211; w\u00e4ren da nicht die St\u00f6ckelschuhe der Nachbarin, die auf dem Parkett der Wohnung nebenan durch die W\u00e4nde klackern.<\/p>\n<p>Jeder F\u00fcnfte in Deutschland klagt \u00fcber die Folgen der L\u00e4rmbelastung: Schlafst\u00f6rungen, M\u00fcdigkeit, mangelnde Konzentration bis hin zu Herzrasen und Schlaganfall.<\/p>\n<p>Die Augen kann man schlie\u00dfen, die Nase zuhalten. Doch die Ohren sind ein Leben lang im Dauereinsatz &#8211; rund um die Uhr, sieben Tage die Woche.<br \/>\nDas ist gut so, den ohne ihre Bereitschaft wird man nicht nur morgens zuverl\u00e4ssig geweckt, sondern auch vor m\u00f6glichen Gefahren gewarnt. Nicht nur unsere Vorvorvorfahren profitierten vom akustischen Zeitvorteil, auch heute wird die Gefahr viel fr\u00fcher wahrgenommen als man sie mit den Augen lokalisiert.<br \/>\n\u00dcbrigens: das Wort L\u00e4rm leitet aus dem Italienischen &#8222;al armes&#8220; \u2013 \u201ezu den Waffen!\u201c ab.<\/p>\n<h2>Der Kampf gegen den L\u00e4rm ist keine einfache Angelegenheit. Wann beginnt der L\u00e4rm?<\/h2>\n<p>Eine Ma\u00dfeinheit hierzu ist der Schalldruck, der in Dezibel (dB) gemessen wird. Die Skala beginnt mit der H\u00f6rschwelle (0 dB) und endet theoretisch bei 194 dB. Mehr Schalldruck kann die Luft bei normalen Bedingungen nicht aufnehmen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur Celsius-Skala ist die Dezibelskala nicht linear, sondern logarithmisch. Folglich sind 20 dB nicht doppelt so laut wie 10 dB. Eine Verdopplung wird schon mit 3 dB erreicht!<\/p>\n<p>Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt tags\u00fcber maximal 55 dB, nachts nicht mehr als 45 dB. Mit der Einhaltung der vorgenannten Grenzwerte ist es nicht getan. So mancher hatte in einer Sommernacht Bekanntschaft mit einer Fliege gemacht. Ihr Summen vermasselte bei gerade mal 15 dB den Schlaf.<\/p>\n<p>Mittlerweile wissen Psychoakustiker, dass es auf den Wert des Schalldrucks alleine nicht ankommt. Unser Gehirn &#8211; es sortiert permanent 95% der Ger\u00e4usche aus &#8211; spielt genauso eine Rolle wie unsere gesundheitliche Verfassung.<br \/>\nDas Donnern der Wellen an der Brandung ist oftmals lauter als die \u00f6rtliche Hauptstra\u00dfe (60 bis 80 dB). Im Strandurlaub k\u00f6nnen wir trotz des L\u00e4rms prima erholen. Zur sp\u00e4ten Stunde gehen wir in die Disco und tanzen zur Musik mit der Lautst\u00e4rke eines Presslufthammers (100 dB), w\u00e4hrend wir uns auf dem Heimweg \u00fcber das Handytelefonat (50 dB) auf der anderen Stra\u00dfenseite \u00e4rgern.<\/p>\n<p>Die Menschen haben sich an zahlreiche Ger\u00e4usche gew\u00f6hnt. W\u00fcrde der elektrische Rasierer am Gesicht nicht die bekannten Ger\u00e4usche von sich geben, zweifelt mancher an der Funktionsf\u00e4higkeit des Ger\u00e4tes.<br \/>\nGr\u00fcne Sportwagen lassen sich schlechter verkaufen als ein roter, dessen Motorger\u00e4usche als kraftvoller empfunden werden.<\/p>\n<p>Was tun, wenn es einen zu laut wird? Zum einen k\u00f6nnten daheim alle T\u00fcren und Fenster geschlossen werden. Alternativ gibt es in vielen St\u00e4dten &#8222;Orte der Stille&#8220;. Kirchen und Kl\u00f6ster bieten Schweigesemiare an. Stille und Spiritualit\u00e4t geh\u00f6ren nicht nur in der christlichen Religion schon seit Jahrhunderten zum festen Bestandteil des Glaubens. Stille &#8211; so hei\u00dft es &#8211; macht empf\u00e4nglich f\u00fcr Verdr\u00e4ngtes und Unbewusstes, aber auch f\u00fcr die Stimme Gottes.<\/p>\n<p>Stille k\u00f6nnte etwas Sch\u00f6nes sein. Leider bewirkt sie bei vielen Menschen das Gegenteil! Ein Zen-Meister fasste das Problem zusammen: &#8222;Wenn es au\u00dfen still wird, geht der L\u00e4rm von innen los&#8220;.<br \/>\nNicht alleine das Aufprallger\u00e4usch eines Kugelschreibers auf dem Fu\u00dfboden kann im ruhigen Ambiente unangenehm wirken. Stille l\u00e4sst viele Alleinstehende sich einsam f\u00fchlen. Kein Wunder, dass gerade in solchen Haushalten der Fernseher als Ersatzger\u00e4uschkulisse dienen muss.<\/p>\n<p>Psychoakustiker empfehlen beim akuten Bed\u00fcrfnis nach Stille einen Spaziergang in der Natur oder im n\u00e4chsten Wald. Das Singen der V\u00f6gel, das Rauschen der Bl\u00e4tter im Wind und das Pl\u00e4tschern des Wassers im Bach ist eine wohlklingende Sinfonie nicht nur f\u00fcr gestresste Gro\u00dfstadtohren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drau\u00dfen knattern die Autos, \u00fcber den Kopf hinweg donnert ein D\u00fcsenjet und im Kaufhaus dudelt die Weihnachtsliederhitparade. 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