{"id":34901,"date":"2024-04-02T13:07:31","date_gmt":"2024-04-02T11:07:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=34901"},"modified":"2024-04-02T13:07:32","modified_gmt":"2024-04-02T11:07:32","slug":"wie-und-warum-der-urwaldarzt-albert-schweitzer-in-den-urwald-kam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/auf-neuem-pfad\/wie-und-warum-der-urwaldarzt-albert-schweitzer-in-den-urwald-kam\/","title":{"rendered":"Wie und warum der Urwaldarzt Albert Schweitzer in den Urwald kam"},"content":{"rendered":"\n<p><em>von Andreas Witt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zahlreiche Schulen und auch sechs VCP-St\u00e4mme sind nach Albert Schweitzer benannt. Doch wer war dieser Albert Schweitzer? Und wie kam er in den Urwald?<\/p>\n\n\n\n<p>Albert Schweitzer war unbestritten ein Multitalent: Theologe, Philosoph, virtuoser Orgelspieler, Aktivist gegen Atomwaffen und Friedensnobelpreistr\u00e4ger &#8211; aber vor allem: Urwalddoktor im Urwaldkrankenhaus Lambarene. Zu Albert Schweitzer und seinem vielf\u00e4ltigen Lebenswerk lie\u00dfe sich m\u00fchelos eine ganze anp gestalten! Daher lassen wir in diesem Artikel schlaglichtartig Albert Schweitzer in Zitaten selbst davon erz\u00e4hlen, wie und warum er in den Urwald kam und wie der Urwald ihn gepr\u00e4gt hat!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum ist Albert Schweitzer in den Urwald gegangen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend seiner Studienzeit fasste Albert Schweitzer einen weitreichenden Entschluss:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAn einem strahlenden Sommermorgen, als ich &#8211; es war im Jahre 1896 &#8211; in Pfingstferien zu G\u00fcnsbach erwachte, \u00fcberfiel mich der Gedanke, dass ich dieses Gl\u00fcck nicht als etwas Selbstverst\u00e4ndliches hinnehmen d\u00fcrfe, sondern etwas daf\u00fcr geben m\u00fcsse. Indem ich mich mit ihm auseinandersetzte, wurde ich, bevor ich aufstand, in ruhigem \u00dcberlegen, w\u00e4hrend drau\u00dfen die V\u00f6gel sangen, mit mir selber dahin eins, dass ich mich bis zu meinem drei\u00dfigsten Lebensjahr f\u00fcr berechtigt halten wollte, der Wissenschaft und der Kunst zu leben, um mich von da an einem unmittelbaren menschlichen Dienen zu weihen. Gar viel hatte mich besch\u00e4ftigt, welche Bedeutung dem Worte Jesu, &#8218;Wer sein Leben will behalten, der wird es verlieren, und wer sein Leben verliert um meinet- und des Evangeliums willen, der wird es behalten&#8216;, f\u00fcr mich zukomme. Jetzt war sie gefunden. Zu dem \u00e4u\u00dferen Gl\u00fccke besa\u00df ich nun das innerliche. &#8211; Welcher Art das f\u00fcr sp\u00e4ter geplante Wirken sein w\u00fcrde, war mir damals noch nicht klar.\u201c<sup>1<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>8 Jahre sp\u00e4ter wusste Albert Schweitzer \u2013 er war inzwischen Professor f\u00fcr Theologie geworden &#8211; dann, wohin es gehen sollte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEines Morgens, im Herbst 1904, fand ich auf meinem Schreibtisch im Thomasstift eines der gr\u00fcnen Hefte, in denen die Pariser Missionsgesellschaft allmonatlich \u00fcber ihre T\u00e4tigkeit berichtete. (&#8230;) Da fiel mein Blick auf einen Artikel mit der \u00dcberschrift &#8218;Les besoins de la Mission du Congo&#8216; (Was der Kongomission not tut). Er (\u2026) enthielt die Klage, dass es der Mission an Leuten fehle, um ihr Werk in Gabun, der n\u00f6rdlichen Provinz der Kongokolonie, zu betreiben. (\u2026) Der Schluss lautete: &#8218;Menschen, die auf den Wink des Meisters einfach mit: Herr, ich mache mich auf den Weg, antworten, dieser bedarf die Kirche.&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich mit dem Lesen fertig war, nahm ich ruhig meine Arbeit vor. Das Suchen hatte ein Ende.\u201c<sup>1<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend studierte Albert Schweitzer Medizin, um als Arzt in den Urwald zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie erlebte Albert Schweitzer den Urwald?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seinen ersten Eindruck vom Urwald schildert Albert Schweitzer so:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWasser und Urwald &#8230; ! Wer verm\u00f6chte diese Eindr\u00fccke wiederzugeben. Es ist uns, als ob wir tr\u00e4umten. Vorsintflutliche Landschaften, die wir als Phantasiezeichnungen irgendwo gesehen, werden lebendig. Man kann nicht unterscheiden, wo der Strom aufh\u00f6rt und das Land anf\u00e4ngt. Ein gewaltiges Filzwerk von Wurzeln, von bl\u00fchenden Lianen \u00fcberkleidet, baut sich in den Fluss hinein. Palmstauden, Palmb\u00e4ume, dazwischen Laubh\u00f6lzer mit gr\u00fcnendem Gezweig und m\u00e4chtigen Bl\u00e4ttern, vereinzelte hochragende fichtenartige B\u00e4ume dazwischen, weite Felder \u00fcbermannshoher Papyrusstauden mit gro\u00dfen f\u00e4cherartigen Bl\u00e4ttern, in dem \u00fcppigen Gr\u00fcn erstorbene B\u00e4ume vermodert zum Himmel emporragend. &#8230; Aus jeder Lichtung blitzen Wasserspiegel entgegen; an jeder Biegung tun sich neue Flu\u00dfarme auf. Ein Reiher fliegt schwerf\u00e4llig auf und l\u00e4sst sich auf einem erstorbenen Baume nieder; wei\u00dfe und blaue V\u00f6gelchen schweben \u00fcber dem Wasser; in der H\u00f6he kreist ein Fischadlerpaar. Da, ein Irrtum ist unm\u00f6glich, vom Palmbaum h\u00e4ngt&#8217;s herunter und bewegt sich: zwei Affenschw\u00e4nze! Nun werden auch die dazugeh\u00f6rigen Besitzer sichtbar. Jetzt ist&#8217;s wirklich Afrika.\u201c\u00b2<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie lautet Schweitzers Lebensmotto?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schweitzers Lebenswerk war das Urwaldhospital in Lambarene. Sein Leben war gepr\u00e4gt von der Arbeit als Arzt hier im Urwald &#8211; eine aufopfernde T\u00e4tigkeit mit eingeschr\u00e4nkten, medizinischen Behandlungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr viele, oftmals schwer erkrankte, Patient*innen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Lebensmotto fand Schweitzer w\u00e4hrend einer l\u00e4ngeren Bootsfahrt in Afrika: \u201eLangsam krochen wir den Strom hinauf, uns m\u00fchsam zwischen den Sandb\u00e4nken &#8211; es war trockene Jahreszeit &#8211; hindurchtastend. Geistesabwesend sa\u00df ich auf dem Deck des Schleppkahnes, um den elementaren und universellen Begriff des Ethischen ringend, den ich in keiner Philosophie gefunden hatte. Blatt um Blatt beschrieb ich mit unzusammenh\u00e4ngenden S\u00e4tzen, nur um auf das Problem konzentriert zu bleiben. Am Abend des dritten Tages, als wir bei Sonnenuntergang gerade durch eine Herde Nilpferde hindurchf\u00fchren, stand urpl\u00f6tzlich, von mir nicht geahnt und nicht gesucht, das Wort &#8218;Ehrfurcht vor dem Leben&#8216; vor mir. (\u2026)<\/p>\n\n\n\n<p>Der gro\u00dfe Fehler aller bisherigen Ethik ist, dass sie es nur mit dem Verhalten des Menschen zum Menschen zu tun zu haben glaubte. In Wirklichkeit aber handelt es sich darum, wie er sich zur Welt und allem Leben, das in seinen Bereich tritt, verh\u00e4lt. Ethisch ist er nur, wenn ihm das Leben als solches, das der Pflanze und des Tieres wie das des Menschen, heilig ist und er sich dem Leben, das in Not ist, helfend hingibt. (&#8230;) Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben begreift also alles in sich, was als Liebe, Hingabe, Mitleiden, Mitfreude und Mitstreben bezeichnet werden kann.\u201c\u00b3<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit:<\/strong> <strong>Der Urwald hat das Leben, Denken und Handeln von Albert Schweitzer ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt \u2013 und sein aktiv und konsequent gelebter christlicher Glaube besitzt eine zeitlose Faszination.<\/strong> So sagte Albert Schweitzer 1960 in einer Spiegel-Reportage: \u201eNiemand, der mich nicht in Afrika erlebt hat, kennt mich.\u201c Und der Journalist Claus Jacobi kommentiert: \u201eWer ihn in Afrika erlebt, ist von seiner Ausstrahlung benommen.\u201c Und an anderer Stelle schreibt Jacobi: \u201eEr sieht aus wie ein naher Verwandter des lieben Gottes.\u201c<sup>4<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anmerkungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(1) Zitiert nach: Das Albert Schweitzer Lesebuch, M\u00fcnchen 2011<sup>5<\/sup>, S. 90f. und S. 93f.<\/p>\n\n\n\n<p>(2) Zitiert nach: Das Albert Schweitzer Lesebuch, M\u00fcnchen 2011<sup>5<\/sup>, S. 131.<\/p>\n\n\n\n<p>(3) Zitiert nach: Das Albert Schweitzer Lesebuch, M\u00fcnchen 2011<sup>5<\/sup>, S. 172ff..<\/p>\n\n\n\n<p>(4) Claus Jacobi in: \u201eDer Spiegel\u201c 57\/1960..<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rechtschreibung der Zitate ist der aktuellen Rechtschreibung angepasst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unn\u00fctzes Wissen<\/strong>: AS hatte einen zahmen Pelikan namens Parseval, \u00fcber den er sogar ein Buch verfasst hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-vcp-blog wp-block-embed-vcp-blog\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"Qsxz1yLRay\"><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/auf-neuem-pfad\/meilensteine-aus-albert-schweitzers-leben\/\">Meilensteine aus Albert Schweitzers Leben<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8222;Meilensteine aus Albert Schweitzers Leben&#8220; &#8212; VCP-Blog\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/auf-neuem-pfad\/meilensteine-aus-albert-schweitzers-leben\/embed\/#?secret=TZ1hNp3FwQ#?secret=Qsxz1yLRay\" data-secret=\"Qsxz1yLRay\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Andreas Witt Zahlreiche Schulen und auch sechs VCP-St\u00e4mme sind nach Albert Schweitzer benannt. 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