{"id":3424,"date":"2015-10-15T11:27:58","date_gmt":"2015-10-15T09:27:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=3424"},"modified":"2015-10-25T17:16:57","modified_gmt":"2015-10-25T15:16:57","slug":"laecheln-schenken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/laecheln-schenken\/","title":{"rendered":"L\u00e4cheln schenken"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Autorinnenbild_janne_wanner_DSC_1353.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3437\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Autorinnenbild_janne_wanner_DSC_1353-201x300.jpg\" alt=\"Autorinnenbild_janne_wanner_DSC_1353\" width=\"201\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Autorinnenbild_janne_wanner_DSC_1353-201x300.jpg 201w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Autorinnenbild_janne_wanner_DSC_1353.jpg 537w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 100vw, 201px\" \/><\/a>Janne Wanner, Reutlingen<\/em><\/p>\n<p>Janne kommt aus dem Stamm Jizchak Schwersenz und hat 6 Monate in Nepal verbracht. Sie war zur Zeit des verh\u00e4ngnisvollen Erdbebens in Kathmandu. Hier folgt ihr Bericht.<\/p>\n<p>25. April. Menschen gehen gesch\u00e4ftig durch die engen Stra\u00dfen. Motorr\u00e4der bahnen sich hupend ihren Weg vorbei an Stra\u00dfenh\u00e4ndlern, die lauthals ihre Ware anpreisen. Bettler schlafen ihren Rausch in Hausnischen aus. Kinder spielen fr\u00f6hlich in ihren schmutzigen Schuluniformen. Gem\u00fcse, Reis, Linsen und bunte Blumenmalas liegen ausgebreitet. An den unz\u00e4hligen Tempeln und Schreinen vollf\u00fchren alte Frauen Mantras murmelnd ihre Rituale. In der einen Gasse duftet es nach Masala und Tee, in der n\u00e4chsten nach F\u00e4kalien und Abgasen. Das Fett brutzelt in den dunklen Gark\u00fcchen, wo sich M\u00e4nner zum t\u00e4glichen Plausch treffen.<\/p>\n<p>Es scheint ein ganz gew\u00f6hnlicher Vormittag in Nepals Hauptstadt Kathmandu zu sein. Niemand ahnt, dass in jene freundlich dreinblickenden Augen bald ein Ausdruck tiefer Angst einkehren wird.<\/p>\n<p>Genau um 12 Uhr mittags (des 25. April 2015) beginnt die Erde zu grollen. W\u00e4nde biegen sich, als w\u00e4ren sie aus Gummi. Fenster zersplittern. Mauern st\u00fcrzen ein, rei\u00dfen ganze Geb\u00e4ude mit sich. Der Boden tut sich auf. Menschen rennen panisch schreiend umher, klammern sich Halt suchend aneinander. F\u00fcr einen Moment wird die Erde ruhig. In uns bebt es weiter. Die ersten Nachrichten von t\u00f6dlich Verungl\u00fcckten machen sich breit. Dann bebt es von Neuem. Die Erde scheint all ihre Kraft beweisen zu wollen.<\/p>\n<p>In den Stunden und Tagen nach dem Hauptbeben erkennt man Nepal nicht wieder. Garagentore halten die Einkaufsl\u00e4den geschlossen. Stra\u00dfen, die einst lebendig waren, sind tot und von Tr\u00fcmmern ges\u00e4umt. H\u00e4user stehen leer. Ganze D\u00f6rfer sind verschwunden und die Wege und Pfade zu ihnen versch\u00fcttet. Die Menschen sind unglaulich angespannt, voller Entsetzen und Trauer. Man versucht, es sich auf offenen Pl\u00e4tzen und in Parks gem\u00fctlich zu machen. Kunstvoll werden Plastikplanen gespannt. Gl\u00fcck hat, wer sich noch darunter quetschen kann. Alle anderen werden vom Regen \u00fcberrascht. Dicht an dicht gedr\u00e4ngt werden alte Lieder angestimmt. Wir fallen in einen unruhigen Schlaf. Aber immer wieder werden wir von der bebenden Erde geweckt. Menschen schreien, rennen, weinen, haben unbeschreibliche Angst, doch das gastfreundliche Herz der Nepalesen h\u00f6rt auch hier nicht auf zu schlagen. Selbst an jenen Morgen wird uns s\u00fc\u00dfer Tee angeboten und ein L\u00e4cheln geschenkt.<\/p>\n<p>Trinkwasser und Lebensmittel werden von Stunde zu Stunde knapper. Man teilt, was man noch finden kann. Krankheiten verbreiten sich in den Lagern. Nach wenigen Tagen der Not \u00f6ffnen die ersten Gesch\u00e4fte wieder. Die Verk\u00e4ufer arbeiten unter gro\u00dfem Risiko, doch sie brauchen den Verdienst, um ihre Familien zu ern\u00e4hren. Andernorts helfen viele, so gut sie k\u00f6nnen bei Aufr\u00e4umarbeiten. Tr\u00fcmmer werden durchw\u00fchlt, Versch\u00fcttete geborgen, Verletzte versorgt. Die Totenfeuer an den heiligen Flussufern brennen hell und unaufh\u00f6rlich.<\/p>\n<p>Nachrichten \u00fcber das Ausma\u00df der Beben verbreiten sich schnell. Knapp 9.000 Menschen sollen bei dem 7,8 starken Beben und seinen zahlreichen starken Nachbeben ums Leben gekommen sein, etwa 22.300 sind verletzt. Es gilt als die schlimmste Katastrophe mit den meisten Todesopfern in der Geschichte Nepals. Man sch\u00e4tzt, dass mindestens acht Millionen Menschen von dem Ungl\u00fcck betroffen sind und dass mehr als 1,4 Millionen auf Lebensmittelhilfen angewiesen sind.<\/p>\n<p>Die ganze Welt erf\u00e4hrt davon, ist entsetzt und vergisst wieder. Andere Probleme kommen einem in den Sinn. Die Medien haben ja schlie\u00dflich bereits von Hilfe f\u00fcr Nepal berichtet. Mit dieser Soforthilfe sind Nepals Probleme jedoch noch lange nicht gel\u00f6st.<\/p>\n<p>Ich spreche von einem der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Erde. Unz\u00e4hlige Menschen haben Familienangeh\u00f6rige und Freunde verloren. Kinder wurden zu Waisen. Eingest\u00fcrzte H\u00e4user haben das wenige Hab und Gut, den einzigen gesch\u00fctzten Wohnraum unter sich begraben. Die wenigen Einnahmequellen sind weitgehend zerst\u00f6rt.<br \/>\nMich erreichen noch immer Mails mit den Worten: \u201eDie Erde h\u00f6rt nicht auf, zu beben. Wir haben solche Angst!\u201c<\/p>\n<p>Die meisten Nepalesen leben von der Hand in den Mund. Viele m\u00fcssen mit einem Dollar pro Tag auskommen. Wenn selbst dieser fehlt, vergr\u00f6\u00dfert sich das Elend ungemein. Sehr viele Menschen leben in Nepal vom Tourismus, doch nun l\u00e4sst sich in diesem wundersch\u00f6nen Land kein Tourist mehr blicken. Dabei sind einige Trekkingrouten und Touristenhighlights verschont geblieben. Man muss dieses Land und seine so herzlichen Bewohner einfach lieben, wenn man es einmal erlebt hat. Ich habe kaum einen Reisenden anders davon sprechen geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Trinkwasser noch immer knapp ist, bricht der Monsun aus den Wolken. Ganze Zeltst\u00e4dte, die in den vergangenen Wochen aufgebaut wurden, werden von den Fluten davongerissen. Die Menschen fliehen erneut, suchen sich in all dem Chaos vergebens eine neue Bleibe.<\/p>\n<p>Doch sie sollen in all diesem Leid nicht ihre Hoffnung und Zuversicht verlieren und genau da k\u00f6nnen wir sie unterst\u00fctzen. Jeder Einzelne von uns kann neue Hoffnung und Zuversicht schenken. Ich w\u00fcnsche mir, dass wir nicht vergessen und die Arbeit auf halbem Weg fallen lassen, sondern unseren Mitmenschen so weit helfen, bis sie wieder weitgehend auf eigenen Beinen stehen und unter menschenw\u00fcrdigen Bedingungen leben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Janne hat eine Hilfsaktion ins Leben gerufen.Die Spenden sollen die NGO\u00a0\u201cPartnership for Sustainable Development Nepal\u201d unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Bei Fragen:<a href=\"mailto:wir-helfen-nepal@web.de\">wir-helfen-nepal@web.de<\/a><\/p>\n<p>[osm_map lat=&#8220;28.528316&#8243; lon=&#8220;84.161580&#8243; zoom=&#8220;4&#8243; width=&#8220;600&#8243; height=&#8220;450&#8243; kml_file=&#8220;https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/anp1503nepal.kml&#8220;]<\/p>\n<h2>weitere Artikel zum Thema<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/%ef%bb%bfdie-abzeichenspende-des-vcp-hilft-erdbebenopfern-in-nepal\/\">Die Abzeichenspende des VCP hilft Erdbebenopfern in Nepal<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Janne Wanner, Reutlingen Janne kommt aus dem Stamm Jizchak Schwersenz und hat 6 Monate in Nepal verbracht. 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