{"id":29743,"date":"2023-02-22T12:39:33","date_gmt":"2023-02-22T11:39:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=29743"},"modified":"2023-09-12T20:43:33","modified_gmt":"2023-09-12T18:43:33","slug":"aufarbeitung-im-vcp-wo-stehen-wir-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/aus-dem-verband\/aufarbeitung-im-vcp-wo-stehen-wir-2\/","title":{"rendered":"Aufarbeitung im VCP \u2013 Wo stehen wir?"},"content":{"rendered":"<h2>Habt ihr schon von unserem geplanten Aufarbeitungsprozess geh\u00f6rt und wisst ihr, was Aufarbeitung bedeutet?<\/h2>\n<p>Die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der Vergangenheit ist neben Pr\u00e4vention, Intervention und Hilfen ein zentraler Aspekt im Kampf gegen Missbrauch. Im Gegensatz zu einem Strafverfahren geht es nicht darum, T\u00e4ter*innen zu \u00fcberf\u00fchren und zu verurteilen, denn die F\u00e4lle sind oft schon verj\u00e4hrt. Umso wichtiger ist es aber f\u00fcr Betroffene, dass ihr Leid dennoch gesehen und anerkannt wird. Dadurch kann die Institution lernen, welche strukturellen Mechanismen Missbrauch in der Vergangenheit erm\u00f6glicht haben oder auch, warum Missbrauch \u00fcber so eine lange Zeit unentdeckt bleiben konnte sowie welche Konsequenzen aus diesen Erkenntnissen gezogen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Bei der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt geht es somit darum, Wissen \u00fcber vergangene Geschehnisse zu schaffen. Dies ist mit verschiedenen Zielen verbunden:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Betroffene werden geh\u00f6rt und Taten werden aufgedeckt<\/li>\n<li>Erlittenes Unrecht und die Folgen f\u00fcr die Betroffenen werden benannt<\/li>\n<li>Unrecht wird anerkannt und es werden Formate des Erinnerns entwickelt<\/li>\n<li>Strukturen, die die Tat beg\u00fcnstigen und Taten verschleiern, werden benannt<\/li>\n<li>Aus dem Wissen werden Konsequenzen gezogen<\/li>\n<li>Aufarbeitungsf\u00e4lle und deren Bearbeitung werden dokumentiert<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Aufarbeitung bedeutet, Konsequenzen f\u00fcr die Gegenwart ziehen und Erkenntnisse und Wissen f\u00fcr die Zukunft bewahren.<\/em><\/p>\n<p>Hintergrund des Aufarbeitungsprozesses ist, dass es dem VCP in seiner Vergangenheit nicht immer gelungen ist, seine Mitglieder vor sexualisierter Gewalt zu sch\u00fctzen. Dieser Verantwortung wollen wir uns stellen. In den vergangenen vier Jahren wurden vermehrt sogenannte \u201eAltf\u00e4lle\u201c bekannt. Zum einen durch Antr\u00e4ge an das \u201eErweiterte Hilfesystem\u201c(EHS), in welchem der VCP \u00fcber den Ring deutscher Pfadfinder*innenverb\u00e4nde (rdp) Partner ist sowie durch direkte Kontaktaufnahme von Betroffenen. Mit dem Aufarbeitungsprozess der EKD erfuhr und erf\u00e4hrt das Thema institutionelle Aufarbeitung innerhalb evangelischer Einrichtungen mediale Aufmerksamkeit und auch der VCP als evangelischer Jugendverband ger\u00e4t somit in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit. Darum haben Bundesleitung und Bundesrat im Sommer 2019 die Initiierung eines Aufarbeitungsprozesses \u201eSexualisierter Gewalt\u201c beschlossen.<\/p>\n<p><strong>Ziele des Aufarbeitungsprozesses im VCP<\/strong><\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten damit die Kultur des Schweigens mit Blick auf sexualisierte Gewalt in der Vergangenheit brechen und eine kritische Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt im Verband f\u00f6rdern. Bei Aufarbeitung geht es um mehr als nur die Pr\u00e4vention zuk\u00fcnftiger F\u00e4lle. Sie f\u00fchrt g\u00fcnstigenfalls zu einer umfassenden Transformation einer Institution und deren Geschichte. Zentral sind daf\u00fcr die Interessen von Betroffenen von sexualisierter Gewalt innerhalb dieser Einrichtung. Diese Interessen, die etwa das Geh\u00f6rt-Werden, das Entsch\u00e4digt-Werden, Konsequenzen f\u00fcr T\u00e4ter*innen und Kompliz*innen und die Mitwirkung am Aufarbeitungsprozess umfassen, sollen anerkannt werden.<\/p>\n<p><strong>Der VCP wird in seinem Aufarbeitungsprozess begleitet vom <a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/aus-dem-verband\/achtsamundaktiv\/selbstverstaendnis-des-beirats-aufarbeitung-im-vcp\">Beirat zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im VCP<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Was ist der Beirat?<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Der Aufarbeitungsprozess wird durch den Beirat als beratendes Gremium begleitet und passt den Prozess an ggf. neue Herausforderungen und Ereignisse an.<\/li>\n<li>Der Beirat hat den Status einer Fachgruppe, wird von der Bundesleitung eingesetzt und trifft sich alle 6-8 Wochen.<\/li>\n<li>Er ist Ansprechpartner des Betroffenennetzwerkes sowie des Aufarbeitungsteams und sorgt daf\u00fcr, dass die Interessen der Betroffenen ausreichend Ber\u00fccksichtigung finden. Dabei hat er die (finanziellen) M\u00f6glichkeiten und Grenzen des Verbandes Blick.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Wie wird die Aufarbeitung im VCP ablaufen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Aufarbeitung im VCP wird mit wissenschaftlicher Begleitung erfolgen. Gleichzeitig wird durch eine fakultative externe Anlaufstelle Strukturen f\u00fcr einen guten und professionellen Umgang mit Betroffenen geschaffen. Dadurch wird gew\u00e4hrleistet, dass Betroffene eine Stimme und eine Chance zur pers\u00f6nlichen Aufarbeitung erhalten und der Verband gleichzeitig aus den Fehlern der Vergangenheit lernen kann.<\/p>\n<p>Es wurden verschiedene externe Institute angefragt, ob sie sich eine Unterst\u00fctzung im Aufarbeitungsprozess des VCP vorstellen k\u00f6nnen. In diesem Prozess haben sich zwei verschiedene Angebotsgeber herauskristallisiert. Als externe Anlaufstelle mit dem Ziel der psychosozialen Unterst\u00fctzung f\u00fcr Betroffene soll Nothilfe Brigitte Wolf. e.V. &#8211; Fachstelle f\u00fcr T\u00e4ter-Opfer-Ausgleich mit langj\u00e4hriger Erfahrung in Aufarbeitungs- und Anerkennungsarbeit &#8211; eingesetzt werden. Durch eine externe Anlaufstelle k\u00f6nnen die W\u00fcnsche und Erwartungen und Bed\u00fcrfnissen von Betroffenen erfragt werden, Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten aufgezeigt werden und neutral \u00fcber den Stand des Aufarbeitungsprozesses informiert werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr die wissenschaftliche Aufarbeitung, das sogenannte Aufarbeitungsteam, empfiehlt der Beirat ein Kooperationsangebot von zwei im Themenfeld erfahrenen Instituten: <a href=\"https:\/\/www.dissens.de\/\">Dissens \u2013 Institut f\u00fcr Bildung und Forschung e.V<\/a> &#8211; und dem <a href=\"https:\/\/www.ipp-muenchen.de\/\">Institut f\u00fcr Praxisforschung und Projektberatung (IPP)<\/a>. Beide Institute kooperieren seit l\u00e4ngerem in verschiedenen Aufarbeitungsstudien und f\u00fchren gemeinsam beispielsweise aktuell eine Aufarbeitungsstudie f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.pfadfinden.de\/kinderschutz\/\">Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP)<\/a> durch. Bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung werden F\u00e4lle sexualisierter Gewalt dokumentiert, analysiert und anschlie\u00dfend das gewonnene Wissen aufbereitet. Als methodische Herangehensweisen wird die multi-perspektivische Rekonstruktion historischer Sachverhalte genutzt, welche sich bereits in Projekten zur Aufarbeitung bewiesen hat. Multiperspektivische Zug\u00e4nge sind in der Lage, Entstehungs- und Verdeckungszusammenh\u00e4nge im Kontext institutioneller Gewalt offen zu legen und Erkl\u00e4rungen daf\u00fcr zu liefern, weshalb insbesondere F\u00e4lle sexualisierter Gewalt \u00fcber lange Zeit nicht aufgedeckt wurden. Hierf\u00fcr werden problemzentrierte, leitfadengest\u00fctzte Interviews mit derzeitigen und ehemaligen Schl\u00fcsselpersonen im VCP, Mitgliedern sowie Betroffenen gef\u00fchrt. Damit der Aufarbeitungsprozess ein unabh\u00e4ngiger und weitestgehend externer Prozess ist, \u00fcbernehmen Dissens sowie der IPP die F\u00fchrung und Leitung des Aufarbeitungsprozesses.<\/p>\n<p>Durch eine Zusammenf\u00fchrung der beiden Angebote wird der Aufarbeitungsprozess im VCP m\u00f6glichst ganzheitlich gestaltet. Der Beirat zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt hat einstimmig eine Empfehlung f\u00fcr eine externe Anlaufstelle sowie ein externes Aufarbeitungsteam gegeben.<\/p>\n<p>Der erste Schritt in Richtung Aufarbeitung wurde auf dem letzten Bundesrat get\u00e4tigt, indem der Antrag zur Aufarbeitung best\u00e4tigt wurde. Auf der Bundesversammlung wurde der Antrag abschlie\u00dfend zur Abstimmung gestellt, sodass wir voraussichtlich wie geplant im Herbst 2023 mit dem externen Aufarbeitungsprozess im VCP beginnen k\u00f6nnen. Die Auswertung aller erhobenen Daten, Aufbereitung und Ver\u00f6ffentlichung der Ergebnisse des Aufarbeitungsberichts erfolgt in Form eines Buches.<\/p>\n<h3>Pr\u00e4vention<\/h3>\n<p><strong>Wende dich an eine Vertrauensperson!<\/strong><\/p>\n<p>Auch ihr habt einen \u00dcbergriff erlebt oder beobachtet?<\/p>\n<p>Dann wendet euch an eine <a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/aus-dem-verband\/achtsamundaktiv\/uebersicht-vertrauenspersonen\">unserer Vertrauenspersonen<\/a> oder an die Pr\u00e4ventionsbeauftragte Louisa Kreuzheck (<a href=\"mailto:louisa.kreuzheck@vcp.de\">louisa.kreuzheck@vcp.de<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Habt ihr schon von unserem geplanten Aufarbeitungsprozess geh\u00f6rt und wisst ihr, was Aufarbeitung bedeutet? Die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der Vergangenheit ist neben Pr\u00e4vention, Intervention und Hilfen ein zentraler Aspekt im Kampf gegen Missbrauch. 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