{"id":26567,"date":"2022-09-15T11:19:12","date_gmt":"2022-09-15T09:19:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=26567"},"modified":"2022-09-30T11:27:06","modified_gmt":"2022-09-30T09:27:06","slug":"dbjr-beschluss-die-zeit-fuer-entlastung-junger-menschen-und-ihrer-jugendverbaende-ist-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/jugendpolitik\/dbjr-beschluss-die-zeit-fuer-entlastung-junger-menschen-und-ihrer-jugendverbaende-ist-jetzt\/","title":{"rendered":"DBJR-Beschluss: Die Zeit f\u00fcr Entlastung junger Menschen und ihrer Jugendverb\u00e4nde ist jetzt!"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"ce-news--teaser\">Der DBJR-Hauptausschuss hat am 14.09.2022 die Position \u201eDie Zeit f\u00fcr Entlastung junger Menschen und ihrer Jugendverb\u00e4nde ist jetzt!\u201c beschlossen:<\/h3>\n<div class=\"ce-news--bodytext\">\n<p>Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ger\u00e4t Deutschland immer st\u00e4rker in eine weitgehend durch Politik und Industrie selbst verschuldete Energiekrise. Die Folgen der Abh\u00e4ngigkeit von russischen Rohstofflieferungen \u2013 vor allem Gaslieferungen \u2013 belasten derzeit zunehmend nicht nur Industrie und Wirtschaft. Sie treffen vor allem viele Menschen in ihrem Alltag mit gro\u00dfer Wucht: Stromkosten, Heizkosten und die Kosten f\u00fcr Lebensmittel und Lebensunterhalt steigen stark. Statt zukunftsgerichtete L\u00f6sungen zu suchen, wird eine r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Debatte \u00fcber die l\u00e4ngere und intensivere Verstromung von Kohle sowie die Verl\u00e4ngerung der Atomkraftnutzung gef\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"western\">Das dritte Entlastungspaket der Bundesregierung ist als Antwort auf die Belastungen richtig und wichtig. In Umfang, Zielgenauigkeit und Zukunftsf\u00e4higkeit ist es zugleich unzureichend. Im Interesse der jungen Generation fordert der Bundesjugendring umfassende Entlastungen f\u00fcr junge Menschen und die Jugendverbandsarbeit. Gleichzeitig muss umgehend ein nachhaltiger Booster f\u00fcr den Ausbau der regenerativen Energien her. Es braucht ordnungspolitische Ma\u00dfnahmen zu Energieeinsparungen bei der Nutzung, die \u00fcber den Grundbedarf hinausgehen. Dringend notwendig sind Anreize f\u00fcr mehr Energieeffizienz und Sofort-Ma\u00dfnahmen f\u00fcr eine Transformation in der Mobilit\u00e4ts- und Wohnungspolitik. Soziale H\u00e4rten m\u00fcssen abgefedert und gleichzeitig die \u00f6kologische Erneuerung vorangebracht werden. Eine Verteilung mit der Gie\u00dfkanne lehnen die Jugendverb\u00e4nde und Landesjugendringe ab. Ziel muss die Entlastung der von Armut betroffenen und der Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen sein.<\/p>\n<p class=\"western\">Die steigende Inflationsrate<sup>[1]<\/sup>\u00a0hat enorme Auswirkungen auf den Alltag von Verbraucher*innen. Einkommensschwache Menschen werden am h\u00e4rtesten getroffen. In Armut lebende und von Armut gef\u00e4hrdete Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene geraten noch st\u00e4rker unter Druck, wenn sie und ihre Eltern durch steigende Kosten f\u00fcr Nahrung und Energie grundlegende Bed\u00fcrfnisse nicht mehr stillen k\u00f6nnen. Mit gro\u00dfer Sorge blicken wir als Bundesjugendring auf Herbst und Winter. Dann werden junge Menschen von diesen Folgen hart getroffen. Gerade nach mehr als zwei Jahren Pandemie m\u00fcssen die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen deutlich verst\u00e4rkt ber\u00fccksichtigt werden. Als Interessenvertretung junger Menschen mahnen der Bundesjugendring und seine Mitglieder dringend die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention an, in der Schutz, F\u00f6rderung und Teilhabe garantiert werden. Wir sehen das Wohl vieler junger Menschen gef\u00e4hrdet und fordern die politischen Entscheidungstr\u00e4ger*innen zum wirksamen und entschlossenen Handeln auf!<\/p>\n<p class=\"western\">Staatliche Haushalte, insbesondere in den Kommunen, geraten durch die aktuelle Situation immer st\u00e4rker unter Druck. Eine Ursache daf\u00fcr ist, dass auf Bundesebene weiterhin an der Schuldenbremse festgehalten wird. Es m\u00fcssen aber jetzt notwendige Investitionen vorgenommen werden, um entschlossen auf die multiple Krise zu reagieren. Damit verbunden ist f\u00fcr die Kinder- und Jugendhilfe und die Kinder- und Jugendarbeit die Gefahr, dass an ihren Leistungen gespart wird. Junge Menschen brauchen aber gerade jetzt Halt und Unterst\u00fctzung. Die Kinder- und Jugendarbeit ist eine gesetzliche Pflichtaufgabe der Kinder- und Jugendhilfe und Teil der \u00f6ffentlichen Daseinsvorsorge. Der Bedarf nach verl\u00e4sslichen Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit, insbesondere der Jugendverbandsarbeit, ist in der aktuellen Situation gr\u00f6\u00dfer als jemals zuvor.<\/p>\n<p class=\"western\">F\u00fcr die Jugendverbandsarbeit k\u00f6nnen Preissteigerungen dazu f\u00fchren, dass die von jungen Menschen selbst organisierten Aktivit\u00e4ten ohne Anpassung der jeweiligen Gesamtf\u00f6rderung nicht mehr vollumf\u00e4nglich umgesetzt werden k\u00f6nnen. \u00dcberdies wird die von den Jugendverb\u00e4nden seit Jahren geforderte Anpassung der F\u00f6rderpauschalen im Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) durch die enormen Preissteigerungen der letzten Monate dringender denn je. Nicht zuletzt ist auch darauf zu achten, dass Jugendbildungsst\u00e4tten, Jugendh\u00e4user und gemeinn\u00fctzige Freizeit- und \u00dcbernachtungsst\u00e4tten die aktuelle Krise unbeschadet \u00fcberstehen.<\/p>\n<p class=\"western\">Die ehrenamtlich engagierten jungen Menschen in den Jugendverb\u00e4nden haben keinerlei Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die K\u00fcrzungen im Kinder- und Jugendplan des Bundes im Haushaltsansatz f\u00fcr das Jahr 2023. Wir erwarten ein umfassendes Nachsteuern aller demokratischen Bundestagsfraktionen in den Haushaltsverhandlungen. Das gilt ebenso f\u00fcr das im Haushaltsansatz mit 50 Millionen Euro vorgesehene \u201eZukunftspaket f\u00fcr Bewegung, Kultur und Gesundheit\u201c. Wir erwarten, dass auch die bundeszentralen Tr\u00e4ger der Kinder- und Jugendhilfe und deren Freizeiten und Ma\u00dfnahmen unb\u00fcrokratisch \u00fcber das Zukunftspaket gef\u00f6rdert werden. Gerade Jugendverb\u00e4nde organisieren Angebote kultureller Bildung, sorgen f\u00fcr Bewegung, Begegnung und Freir\u00e4ume. Sie tragen damit erheblich zur physischen und mentalen Gesundheit junger Menschen bei.<\/p>\n<p class=\"western\">Als Bundesjugendring sehen wir durch die steigenden Verbrauchspreise, die bereits eintretende Energiekrise und die sich ank\u00fcndigende wirtschaftliche Rezession den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft gef\u00e4hrdet. Zudem wird die Zukunft junger Menschen durch das mangelnde Tempo beim \u00f6kologischen Umsteuern aufs Spiel gesetzt. Zur\u00fcckhaltung in der Finanzpolitik und in der Gestaltung der \u00f6ffentlichen Haushalte darf an dieser Stelle nicht zu einem Ausbleiben von essenziellen Ma\u00dfnahmen zur Sicherung der Zukunft von Kindern und Jugendlichen f\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"western\">Aus diesem Grund fordert der Bundesjugendring die Bundesregierung auf, Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, die soziale Folgen der Inflation abfedern, die Klima- und Umweltkrisen bremsen und die Jugendverbandsarbeit als Teil der Kinder- und Jugendarbeit st\u00e4rken. Alle jungen Menschen m\u00fcssen deutlich entlastet werden. Es ist zwingend, Entlastungen kurzfristig ebenso wie langfristig zu gestalten. Denn die aktuelle multiple Krise wird nicht von einem Entlastungspaket zum n\u00e4chsten gel\u00f6st oder gar abgefedert. Krisen m\u00fcssen dauerhaft gel\u00f6st werden. Der Bundesjugendring fordert deshalb:<\/p>\n<ul>\n<li class=\"western\">Das Einrichten eines Energiepreisdeckels (f\u00fcr Strom und Gas getrennt), nachdem jedem Haushalt zu einem festgesetzten niedrigeren Preis ein Grundbedarf zusteht und bei dem nur f\u00fcr einen h\u00f6heren Verbrauch der Marktpreis zu zahlen ist.<\/li>\n<li class=\"western\">Das Einf\u00fchren einer \u00dcbergewinnsteuer auf alle Energietr\u00e4ger, die krisenbedingte und leistungslose Gewinne absch\u00f6pft und somit eine weitere Steigerung der Inflation abschw\u00e4cht.<\/li>\n<li class=\"western\">Das Weiterf\u00fchren des 9\u20ac-Tickets bis mindestens Ende des Jahres 2022. Langfristig muss bundesweit der \u00d6PNV kostenlos gestaltet werden.<sup>[2]<\/sup><\/li>\n<li class=\"western\">Das rasche Ankurbeln der Energiewende, zum Beispiel durch die kurzfristige und b\u00fcrokratiearme Genehmigung von Solarthermie- und Fotovoltaikanlagen. Zudem die Abschaffung der 70%-Abregelung von Solarenergie und das vollst\u00e4ndige Absch\u00f6pfen aller vorhandenen Kapazit\u00e4ten von Windenergie und Biomasse.<\/li>\n<li class=\"western\">Es muss ein effektives ordnungspolitisches Instrument zur CO\u2082-Reduktion geben, das mindestens der Effektivit\u00e4t der kontinuierlich steigenden CO\u2082-Bepreisung entspricht. Dabei darf der Ausbau der sozialen Abfederung nicht ausbleiben.<\/li>\n<li class=\"western\">Die Entlastung von Studierenden und Auszubildenden durch die Erh\u00f6hung von Ausbildungsf\u00f6rderungen, Mindestausbildungsverg\u00fctung und Auszahlung von Sofortzusch\u00fcssen. Die Bedarfe von Studierenden und Auszubildenden sind hierbei ernst zu nehmen \u2013 Entlastungen d\u00fcrfen nicht hinter denen f\u00fcr Rentner*innen zur\u00fcckbleiben.<\/li>\n<li class=\"western\">Eine Reform des Wohngeldes und das Schaffen von mehr g\u00fcnstigem Wohnraum, wobei besonders die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen in den Blick genommen werden m\u00fcssen.<\/li>\n<li class=\"western\">Das Verbot von Energiesperren und die Erh\u00f6hung des Mieterschutzes, wenn entsprechende Kosten nicht gezahlt werden k\u00f6nnen, um Kinder und Jugendliche vor Wohnungslosigkeit zu sch\u00fctzen.<\/li>\n<li class=\"western\">Die umgehende Einf\u00fchrung einer Kindergrundsicherung, die das soziokulturelle Existenzminimum von Kindern und Jugendlichen bis zum \u00dcbergang in den Beruf abdeckt.<\/li>\n<li class=\"western\">Die Auszahlung eines sofortigen Zuschlags f\u00fcr Kinder und Jugendliche zum Inflationsausgleich, der nicht auf Sozialleistungen oder Unterhaltsleistungen angerechnet wird.<\/li>\n<li class=\"western\">Den Ausbau und die Verstetigung der strukturellen F\u00f6rderung der Jugendverbandsarbeit. Im Koalitionsvertrag wird eine angemessene Ausstattung des Kinder- und Jugendplans angek\u00fcndigt. Ab 2023 bedeutet das mindestens dauerhaft 3 Millionen Euro mehr, die im Jahr 2022 f\u00fcr das Handlungsfeld beschlossen wurden.<\/li>\n<li class=\"western\">Das Partizipieren der bundeszentralen Tr\u00e4ger der Kinder- und Jugendarbeit am \u201eZukunftspaket f\u00fcr Bewegung, Kultur und Gesundheit\u201c als direkte F\u00f6rdermittelempf\u00e4nger. Aktive junge Menschen in den etablierten Verbandsstrukturen sollen in gleichem Umfang und gleicher Form wie zuletzt im Aktionsprogramm \u201eAufholen nach Corona f\u00fcr Kinder und Jugendliche\u201c gef\u00f6rdert werden.<\/li>\n<li class=\"western\">Ein kurzfristiges Entlastungspaket f\u00fcr gemeinn\u00fctzige Orte der Jugendarbeit, wie Freizeit- und \u00dcbernachtungsst\u00e4tten und dar\u00fcber hinaus das im Koalitionsvertrag zugesagte Investitionspaket.<sup>[3]<\/sup><\/li>\n<li class=\"western\">Die dynamische Erh\u00f6hung der staatlichen F\u00f6rderung der Kinder- und Jugendarbeit und damit der Jugendverbandsarbeit mindestens entsprechend der Inflationsrate auf allen f\u00f6deralen Ebenen.<\/li>\n<li class=\"western\">Kein Jugendverband, keine Jugendgruppe, kein Ort der Jugendarbeit darf verloren gehen! Wir fordern einen langfristig g\u00fcltigen und verl\u00e4sslichen Krisenplan f\u00fcr die Jugendverbandsarbeit, der die ehrenamtlichen Strukturen der Jugendarbeit sichert und ihre Arbeit und Weiterentwicklung sicherstellt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Einstimmig beschlossen im DBJR-Hauptausschuss am 14.09.2022.<\/em><\/p>\n<p class=\"sdfootnote-western\">***<\/p>\n<p class=\"sdfootnote-western\">1 Stand August 2022: 7,9 %, vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2022\/08\/PD22_366_611.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2022\/08\/PD22_366_611.html<\/a><\/p>\n<p class=\"sdfootnote-western\">2 Vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.dbjr.de\/artikel\/mobilitaet-junger-menschen-mit-9-euro-ticket-sichern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.dbjr.de\/artikel\/mobilitaet-junger-menschen-mit-9-euro-ticket-sichern<\/a><\/p>\n<p class=\"sdfootnote-western\">3 Vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.dbjr.de\/artikel\/gemeinnuetzige-orte-der-jugendarbeit-zukunftssicher-machen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.dbjr.de\/artikel\/gemeinnuetzige-orte-der-jugendarbeit-zukunftssicher-machen<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.dbjr.de\/artikel\/die-zeit-fuer-entlastung-junger-menschen-und-ihrer-jugendverbaende-ist-jetzt\">https:\/\/www.dbjr.de\/artikel\/die-zeit-fuer-entlastung-junger-menschen-und-ihrer-jugendverbaende-ist-jetzt\u00a0<\/a><\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der DBJR-Hauptausschuss hat am 14.09.2022 die Position \u201eDie Zeit f\u00fcr Entlastung junger Menschen und ihrer Jugendverb\u00e4nde ist jetzt!\u201c beschlossen: Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ger\u00e4t Deutschland immer st\u00e4rker in eine weitgehend durch Politik und Industrie selbst verschuldete Energiekrise. 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