{"id":26463,"date":"2022-08-31T13:45:50","date_gmt":"2022-08-31T11:45:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=26463"},"modified":"2022-08-31T13:49:28","modified_gmt":"2022-08-31T11:49:28","slug":"jugendbegegnung-ein-neues-projekt-fuer-die-deutsch-israelische-freundschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/jugendbegegnung-ein-neues-projekt-fuer-die-deutsch-israelische-freundschaft\/","title":{"rendered":"Jugendbegegnung: Ein neues Projekt f\u00fcr die deutsch-israelische Freundschaft"},"content":{"rendered":"<h3>Ein neues Projekt f\u00fcr die deutsch-israelische Freundschaft<\/h3>\n<h3>und eine gemeinsam Aufarbeitung des Holocausts im Landkreis Landsberg<\/h3>\n<p>In Israel ist es \u00fcblich eine Erinnerungsfahrt nach Polen, Auschwitz, zu machen. An dieser Fahrt nehmen die Sch\u00fcler*innen der letzten Jahrgangsstufe der Schule teil, im Alter von ca. 17 Jahren. Diese Tatsache nahmen wir, deutsche und israelische Pfadfinder*innen, als Anlass uns Gedanken zu machen, wie diese Erinnerungen die Teilnehmenden beider L\u00e4nder n\u00e4her zusammenbringen k\u00f6nnte. Wie wir die Vergangenheit nutzen k\u00f6nnen, um in der Gegenwart eine bessere Zukunft f\u00fcr uns alle zu gestalten. Diese Gedanken tragen uns schon eine ganze Zeit, sie wurden immer wieder besprochen und durchdacht.<\/p>\n<p>Sophia Albrecht, Vereinsleitung bei unserem hiesigen Pfadfinderstamm \u201eVCP Stamm Lechrain e.V.\u201c, hat durch ihr weiteres ehrenamtliche Engagement in der Holocaust Gedenkarbeit in den letzten Jahren einige Pfadfinder*innen in Israel kennengelernt. So auch Dor Posner, den Direktor der internationalen Begegnungen einer der israelischen Pfadfinderbewegungen, mit welcher sie Ende 2021 auf die Idee kam, eine regelm\u00e4\u00dfige Erinnerungsreise nach Oberbayern zu machen und diese mit dem Gedanken einer deutsch-israelischen Jugendbegegnung zu verbinden. Als weitere Unterst\u00fctzung kam Sarah Schliffke als Mitglied der Fachgruppe Israel\/Naher Osten des VCP zu der Aktion hinzu.<\/p>\n<p>\u201eWir haben nicht nur durch Dachau eine schwere Vergangenheit in dieser Region: Im Landkreis Landsberg waren 11 Au\u00dfenlager des Konzentrationslagers Dachau. In diesen wurden \u00fcberwiegend Juden untergebracht, welche 10 Monate lang einen riesigen Bunker bauten, der zum Bau von Kampfflugzeugen genutzt werden sollte\u201c erkl\u00e4rt Frau Albrecht. \u201eZwischen 1944 und 1945 wurden ca. 23.000 Zwangsarbeiter in diese Lager gebracht, von welchen knapp die H\u00e4lfte bis zur Befreiung im April 1945 nicht \u00fcberlebten.\u201c<\/p>\n<p>Heute leisten die Vereine \u201eB\u00fcrgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert e.V.\u201c und \u201eGedenken in Kaufering e.V.\u201c eine wichtige Gedenk- und Aufkl\u00e4rungsarbeit im Landkreis. Dazu geh\u00f6rt vor allem die Arbeit mit Holocaust-\u00dcberlebenden, welche jedes Jahr nach Landsberg\/Kaufering kommen, an Gedenkveranstaltungen teilnehmen und mit welchen die Vereinsmitglieder Schulen besuchen und dort Zeitzeugengespr\u00e4che m\u00f6glich machen.<\/p>\n<p>Das Besondere an dem Au\u00dfenlagerkomplex Landsberg\/Kaufering ist, dass das Lager 7 in kleinen Teilen noch steht und von der Europ\u00e4ischen Holocaustgedekst\u00e4ttenstiftung gepflegt wird. Auch der zu Dreivierteln fertiggestellte Bunker steht heute noch und wird von der Bundeswehr genutzt.<\/p>\n<p>\u201eWir m\u00f6chten den Jugendlichen ein echtes Alternativprogramm zu der gewohnten Erinnerungsfahrt nach Polen erm\u00f6glichen\u201c, so die Projektleiterin Frau Albrecht. \u201eZiel ist, dass die Teilnehmer*innen nicht nur etwas \u00fcber unsere gemeinsame Geschichte lernen, sondern diese auch real sehen und verstehen k\u00f6nnen. Und das indem sie nicht nur eine Ausstellung besuchen, sondern sich eine Woche lang intensiv mit der Vergangenheit einer ganzen Region besch\u00e4ftigen und mehrere Aspekte davon sehen. Au\u00dferdem ist uns wichtig, nicht nur die dunkle und traurige Vergangenheit unserer beiden L\u00e4nder und der Religionen zu zeigen, sondern auch unsere heutige Freundschaft. Daher ist der wichtigste Aspekt bei dieser Erinnerungswoche das Aufeinandertreffen von deutschen und israelischen Jugendlichen und eine gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte.\u201c<\/p>\n<p>In der ersten Pfingstwoche startete die erste Jugendbegegnung in diesem Zusammenhang als ein Pilotprojekt. 70 Jugendliche aus Israel trafen auf 20 Jugendliche aus dem Landkreis Landsberg am Lech. Auf dem Programm standen ein Besuch der KZ-Gedenkst\u00e4tte Dachau, eine F\u00fchrung durchs M\u00fcnchner Regierungsviertel, die Aufarbeitung der NS-Geschichte im NS-Dokumentationszentrum M\u00fcnchen und Gespr\u00e4chsrunden, wie sich das Geschehene in den Jahren zuvor \u00fcberhaupt entwickelt hatte, ein Online-Zeitzeugengespr\u00e4ch mit dem \u00dcberlebenden Avigdor Neumann, sowie F\u00fchrungen durch den Bunker bzw. die heutige Welfenkaserne und das Lager 7 in Landsberg\/Kaufering.<\/p>\n<p>Besonders wichtig hierbei waren die abendlichen Gespr\u00e4chsrunden zum Aufarbeiten des gesehenen. \u201eMan merkt, dass man bei Menschen etwas ver\u00e4ndert und erreicht hat, wenn sie nach dem Abendessen in der Freizeit nicht direkt zum Tischtennisspielen gehen, sondern sich auch Gespr\u00e4chsrunden bilden und Jugendliche die Teamer und Tagesreferenten mit Fragen und Thesen belagern\u201c, so Frau Sarig, eine der Gruppenleitungen der israelischen Teilnehmer*innen.<\/p>\n<p>Neben der geschichtlichen Aufarbeitung sollten die Jugendlichen aber auch das sch\u00f6ne Oberbayern kennenlernen und die deutschen Teilnehmer besser kennenlernen. So geh\u00f6rten ein Besuch des Olympiaparks, ein Gel\u00e4ndespiel im englischen Garten, Eisessen in der Landsberger Innenstadt, ein Soccer- und Tennistag, shoppen gehen und offene Abende auch auf das Programm.<\/p>\n<p>\u201eBesonders sch\u00f6n war unser Abschlussabend in dem bayerischen Restaurant. Wir durften uns hier nicht nur durch eine Vielzahl typischer Gerichte probieren, sondern einige bayerische Traditionen kennenlernen und uns von unseren neuen Freunden verabschieden\u201c, so eine der israelischen Teilnehmerinnen. Eine Ehre war au\u00dferdem der Besuch von Frau Dr. Charlotte Knobloch, der Pr\u00e4sidentin der israelitischen Kultusgemeinde M\u00fcnchen und Oberbayern, welche die Gruppe herzlichst in Deutschland willkommen hie\u00df und das Projekt als einen gro\u00dfen Erfolg und etwas sehr Wichtiges f\u00fcr die deutsch-israelische Freundschaft benannte.<\/p>\n<p>Der Abschied fiel allen besonders schwer. Es haben sich starke Freundschaften zwischen den Teilnehmern entwickelt und private Besuche in Deutschland und Israel wurden bereits geplant und festgelegt. Wer sich weitere Bilder und Videos der Erinnerungsjugendbegegnung anschauen m\u00f6chte, kann gerne die Facebook- oder Instagramseite des VCP Stamm Lechrain e.V. (@vcp_stamm_lechrain_ev) besuchen.<\/p>\n<p>Fest steht, dass das Pilotprojekt ein voller Erfolg war. Die Planungen f\u00fcr 2023 laufen bereits und daf\u00fcr sollen weitere Gruppen eingeladen werden.<\/p>\n<p>Wer sich selbstst\u00e4ndig f\u00fcr die Geschichte des Landkreises interessiert, kann sich gerne an die Vereine \u201eGedenken in Kaufering e.V.\u201c und \u201eB\u00fcrgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert e.V.\u201c wenden, an die Europ\u00e4ische Holocaust Gedenkst\u00e4tten Stiftung oder die Welfenkaserne Landsberg f\u00fcr eine F\u00fchrung im Lager 7 oder dem Bunker.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzt wurde das Projekt der Pfadfinder des VCP Stamm Lechrain e.V. vom Landratsamt Landsberg, dem Kreisjugendring Landsberg, dem bayerischen Jugendring und Gedenken in Kaufering e.V..<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein neues Projekt f\u00fcr die deutsch-israelische Freundschaft und eine gemeinsam Aufarbeitung des Holocausts im Landkreis Landsberg In Israel ist es \u00fcblich eine Erinnerungsfahrt nach Polen, Auschwitz, zu machen. An dieser Fahrt nehmen die Sch\u00fcler*innen der letzten Jahrgangsstufe der Schule teil, im Alter von ca. 17 Jahren. 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