{"id":24946,"date":"2022-03-10T19:35:23","date_gmt":"2022-03-10T18:35:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=24946"},"modified":"2022-03-10T19:49:54","modified_gmt":"2022-03-10T18:49:54","slug":"3100-km-in-44-stunden-hilfstransport-fuer-die-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/ukraine\/3100-km-in-44-stunden-hilfstransport-fuer-die-ukraine\/","title":{"rendered":"3100 Km in 44 Stunden \u2013 Hilfstransport f\u00fcr die Ukraine"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Ein Pfadfinder ist aktiv darin, Gutes zu tun, nicht passiv, gut zu sein.<\/p>\n<p>Lord Robert Baden-Powell<\/p><\/blockquote>\n<p>So ging es auch den Pfadfinder*innen vom <a href=\"http:\/\/vcp-jfk.de\/\">Stamm John F. Kennedy<\/a> aus Frankenthal&#8230; Hier berichten sie \u00fcber ihre Sachspendensammlung und die Fahrt an die Grenze zur Ukraine:<\/p>\n<p>Lediglich ein paar Stunden Vorbereitung hatte es am Freitagmorgen ben\u00f6tigt, um Kleinbus und Dathenushaus zu organisieren und einen Post f\u00fcr Instagram vorzubereiten. Das Bed\u00fcrfnis, helfen zu wollen, war schon seit Kriegsbeginn zu sp\u00fcren, die letzten Abende hatte Leon sich informiert \u00fcber Hilfstransporte zur Grenze und Kontakt mit dem gr\u00f6\u00dften Hilfsnetzwerk M\u00fcnchens hergestellt, um gezielt Menschen in bereits vermittelnde Unterk\u00fcnfte zu bringen.<\/p>\n<p>Als eine der ersten Initiativen in Frankenthal, hatten wir dann am Freitagmittag sehr spontan zur Sammlung aufgerufen. Freitag bis 21 Uhr waren bereits ein paar Kisten gef\u00fcllt, doch hier konnten wir noch nicht ahnen, welcher Ansturm der Hilfsbereitschaft uns am Samstag ereilte. Im Minutentakt fuhren Autos auf dem Parkplatz vor und brachten uns Pakete, T\u00fcten und teils ganze Kofferraumladungen Spenden. Dank intensiver Recherche, hatten wir um das wirklich Wichtigste gebeten: Konserven, Babynahrung\/Windeln, Decken\/Isomatten\/Schlafs\u00e4cke, 1.-Hilfe-K\u00e4sten.<\/p>\n<p>Mit bis zu 8 helfenden Pfadis von JFK nahmen wir die Spenden entgegen und sortierten diese in themenbasierte Kartons. Zukleben, beschriften, n\u00e4chster Karton. So ging das den ganzen Samstag, denn der Spendenfluss h\u00f6rte nicht auf. \u00dcberw\u00e4ltigend waren zudem die vielen netten Worte von Spender*innen.<\/p>\n<p>Diese wertvollen Spenden kamen zusammen:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00dcber 220 Konserven<\/li>\n<li>170 Gaskartuschen, 12 Gaskocher + Gaslampen<\/li>\n<li>13 gro\u00dfe Kartons Babynahrung, Windeln, Fl\u00e4schchen, usw.<\/li>\n<li>46 Isomatten, 37 Schlafs\u00e4cke<\/li>\n<li>Mindestens 100 Decken<\/li>\n<li>4 gro\u00dfe Kartons Hygieneartikel<\/li>\n<li>30 Paar Kr\u00fccken<\/li>\n<li>mindestens 60 Taschenlampen<\/li>\n<li>ca. 80 Erste-Hilfe-K\u00e4sten<\/li>\n<li>40 Powerbanks<\/li>\n<li>7 Smartphones<\/li>\n<li>Tiernahrung<\/li>\n<li>Wasser, H-Milch, Schmerzmittel, Coronaschnelltests, Desinfektionsmittel, und so viel mehr<\/li>\n<\/ul>\n<p>Am Sonntag wurde die Ausbeute in den Kleinbus geladen. Kartons bis unter die Autodecke gestapelt, in jeden Millimeter Zwischenraum wurden Decken und Isomatten gestopft. Dank unseren routinierten Packk\u00fcnsten von Material f\u00fcr Pfadfinderzeltlager, konnten wir tats\u00e4chlich s\u00e4mtliche Spenden im Kleinbus unterbringen. Lediglich ein paar Isomatten und ca. 50 Decken blieben \u00fcbrig, welche jedoch von einem anderen Hilfstransport aus He\u00dfheim mitgenommen wurden.<\/p>\n<p>22 Uhr Sonntagabend. Abfahrt in Frankenthal. Wir, Daniel Weitsch (Stammesf\u00fchrer JFK) und Leon Arbeiter (Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer JFK), fuhren die ganze Nacht, einer f\u00e4hrt, der andere schl\u00e4ft, nach ein paar Stunden wechseln beim laufenden Motor. Nur eine Stunde Pause zum Fr\u00fchst\u00fccken bei McDonald\u2019s an einer Rastst\u00e4tte hinter Krakau, Montagmorgen gegen 9:30 Uhr. Alle anderen Stopps sind lediglich zum Tanken und Auff\u00fcllen der Kaffeebecher.<\/p>\n<p>Abseits der Autobahn f\u00fchrte uns unsere Route mehrere Stunden \u00fcber abenteuerliche Stra\u00dfen und Serpentinen durch das l\u00e4ndliche S\u00fcd-Ost-Polen. Unheimliche Stille bei Schneefall und -3\u00b0C wird nur gelegentlich durch Milit\u00e4rfahrzeuge durchbrochen.<\/p>\n<p>Gegen 15 Uhr in Lodyna angekommen, wurden wir von der Polizei zum Umschlagsplatz gelotst, 8 Km Luftlinie von der ukrainischen Grenze gelegen. Hier warteten zwei Dutzend polnische Soldaten und Helfer, die tatkr\u00e4ftig unseren Kleinbus ausluden und \u00fcber die ein oder andere Kiste staunten! Die Spenden aus Frankenthal wurden direkt sortiert. Manche Materialien in einem Zelt untergestellt, Frostanf\u00e4lliges ins Haus gebracht. Dieses wurde \u201ealte Schule\u201c genannt. Von einem deutschsprachigen Helfer, der in seinem normalen Leben deutsche Autos ankauft und nach Polen bringt, bekamen wir Einblicke in die Organisation und Location: Hier kommen derzeit 300 Gefl\u00fcchtete unter, wir sahen gr\u00f6\u00dftenteils junge Menschen, fast nur Frauen. Jeder freie Platz wurde f\u00fcr Feldbetten genutzt. In einer winzigen K\u00fcche wuselten bestimmt 10 Leute umher und bereiteten Hei\u00dfgetr\u00e4nke und Essen f\u00fcr alle zu. Auch wir st\u00e4rkten uns hier mit \u00e4u\u00dferst starkem Kaffee, der uns f\u00fcr die n\u00e4chsten Stunden wach hielt.<\/p>\n<p>Es t\u00fcrmten sich Babynahrung, Lebensmittel und Decken. Auch unsere Kisten waren bereits darunter. Der grenznahe Ort dient als Umschlagsplatz. Spenden werden mit st\u00e4ndig eintreffenden Kleinbussen in die Ukraine gefahren und Personen von dort hergebracht, welche nach einer St\u00e4rkung mit Reisebussen weiter ins Landesinnere von Polen gebracht werden. Auch w\u00e4hrend dem Ausladen unseres Kleinbusses wurden neben uns zwei Reisebusse mit Gefl\u00fcchteten besetzt.<\/p>\n<p>In st\u00e4ndiger Absprache mit dem Hilfsnetzwerk GOROD M\u00fcnchen wurden wir mit unserem nun leeren 9-Sitzer-Bus zu einem n\u00f6rdlich gelegenen Dorf gesendet, namens Mlyny. Nach zwei Stunden Fahrt dort angekommen, konnten wir, lediglich 5 Km entfernt von der ukrainischen Grenze, 7 Personen, darunter drei Kinder (5, 6 und 15 Jahre) aufnehmen, die dort seit mehreren Tagen in einem, zur Fl\u00fcchtlingsunterkunft umfunktionierten Supermarkt der bekannten Kette \u201eBiedronka\u201c, auf eine Mitfahrgelegenheit nach M\u00fcnchen warteten. Mehrere Tausend Menschen kommen hier unter, nachdem sie sich \u00fcber die Grenze retteten. Die Mutter Irina \u00fcbergab uns ihre Kinder und Babuschkas (\u00e4ltere Frauen \/ Omas) die alle im Auto sofort einschliefen. Sie selbst wird mit anderen Frauen aus ihrer Gruppe auf anderem Wege nach Deutschland folgen. Vielleicht finden sie noch ein anderes Auto oder werden sich \u00fcber Z\u00fcge oder Reisebusse auf einen beschwerlichen und langen Weg begeben. Doch sie wei\u00df, die Kleinsten und \u00c4lteren kommen mit uns auf direktem Weg nach M\u00fcnchen in Sicherheit. GOROD h\u00e4lt Kontakt und wird sich mit ihren vielen Engagierten um die Gruppe k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hinterlassen solche gro\u00dfen Menschenfl\u00fcsse im ersten Moment einen chaotische Eindruck. Doch ganz Polen ist auf den Beinen, um diese einmalige Situation mit viel Herzblut bravour\u00f6s zu meistern. In Grenzn\u00e4he wuseln tausende Sprinter und Kleinlastwagen umher, an Sammelstellen f\u00fcr Gefl\u00fcchtete koordiniert die Polizei An- und Abreise \u00fcber zahllose Reisebusse. Es stehen tausende Feldbetten und dutzende Dixis zur Verf\u00fcgung und niemand der hier ankommt muss hungern. Respekt an Land und Leute.<\/p>\n<p>Gegen 19 Uhr Montagabend starteten wir dann zur R\u00fcckreise \u00fcber Tschechien und \u00d6sterreich, ins 12 Autostunden entfernte M\u00fcnchen. Im Morgengrauen angekommen, brachten wir eine Frau zu einer privaten Wohnung, eine andere Dame wurde von ihrer Tochter abgeholt, die bereits seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Die drei Kinder mit ihren zwei Omas, wurden in der zentralen Ankunftsstelle (Luisengymnasium n\u00e4he HBF) von Maltesern entgegengenommen und erstversorgt.<\/p>\n<p>Mission erf\u00fcllt. Wir bleiben erstmal eine halbe Stunde im Kleinbus sitzen, kommen langsam von zwei Tagen hohem Adrenalinspiegel runter, merken jetzt erst, dass wir das letzte mal Montagmorgen etwas gegessen hatten, das ist 22 Stunden her. Langsam wechselt der K\u00f6rper vom Funktionsmodus zu Erleichterung. Bevor es weiter in die Heimat geht, brauchen wir eine Pause. Wir organisieren eine Dusche im Hotel LIZZ in M\u00fcnchen (w\u00e4rmste Empfehlung), bekommen sogar das Fr\u00fchst\u00fccksbuffet angeboten. Doch wir gehen nun lecker bayerisch essen, bevor wir den Heimweg antreten.<\/p>\n<p>Bei gutem Wetter und sch\u00f6ner Musik, fallen wir an einer Rastst\u00e4tte bei Augsburg f\u00fcr zwei Stunden in Tiefschlaf. Ausgestreckt auf den R\u00fcckb\u00e4nken liegen, kam uns in diesem Moment gem\u00fctlicher vor, als jede hochwertigste Matratze. Ein Eis und paar Stunden Fahrt sp\u00e4ter begr\u00fc\u00dft uns die Pfalz mit einem wundersch\u00f6nen Himmelgl\u00fchen. Es ist tats\u00e4chlich geschafft. Doch jegliches Zeitgef\u00fchl fehlt. Waren wir wirklich nur zwei Tage unterwegs oder doch Wochen? Doch lange konnte man nicht dar\u00fcber gr\u00fcbeln, denn der Schlaf holt uns schnell ein.<\/p>\n<p>In Erinnerung bleiben die Fahrt \u00fcber abenteuerliche Wege, die unheimliche Atmosph\u00e4re am grenznahen Gebiet, Emotionen von uns selbst und die von den getroffenen Fl\u00fcchtenden und Helfenden, sowie die Erfahrung 730 Meter Luftlinie an der ukrainischen Grenze vorbeigefahren zu sein, einem Land im Krieg, mitten in Europa, nur ein paar Stunden Autofahrt entfernt \u2013 das wissen wir selbst nun sehr genau.<\/p>\n<p>Wir Pfadfinder*innen John F. Kennedy sind stolz auf die gelungene Aktion, die so spontan umgesetzt wurde und bei der viele unserer Pfadis flei\u00dfig mit anpackten. Unser Verein finanzierte Kleinbusmiete, 536,71 Euro f\u00fcr Sprit sowie zus\u00e4tzlich 160 Gaskartuschen und weitere Eink\u00e4ufe f\u00fcr Sachspenden. Dennoch w\u00e4re diese Aktion ohne die gro\u00dfartige Hilfe von so vielen Menschen nicht umsetzbar gewesen.<\/p>\n<p>Wir bedanken uns herzlich f\u00fcr die gro\u00dfe Unterst\u00fctzung, Sachspenden und netten Worte von zahlreichen Einwohnenden Frankenthals sowie f\u00fcr Nachrichten und Geldspenden von Freunden und Bekannten aus ganz Deutschland und f\u00fcr das riesengro\u00dfe Interesse an unserer Aktion. Mit einem solchen Ausma\u00df an Anteilnahme und Sachspenden, hatten wir w\u00e4hrend der spontanen Planung zur Sammlung in keiner Weise gerechnet. Vielen Dank!<\/p>\n<p>#staywithukraine #NoWarPlease<\/p>\n<p>Bericht &amp; Kontakt<br \/>\nLeon Arbeiter<br \/>\n<a href=\"mailto:leon@vcp-jfk.de\">leon@vcp-jfk.de<\/a><\/p>\n<p>Mehr Bilder und zum Stamm JFK <a href=\"http:\/\/vcp-jfk.de\/2022\/sachspendensammlung-fur-die-ukraine\/\">http:\/\/vcp-jfk.de\/2022\/sachspendensammlung-fur-die-ukraine\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Route-JFK.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-24948\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Route-JFK.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Route-JFK.png 1024w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Route-JFK-300x127.png 300w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Route-JFK-768x324.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Pfadfinder ist aktiv darin, Gutes zu tun, nicht passiv, gut zu sein. 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