{"id":23185,"date":"2021-10-01T16:06:20","date_gmt":"2021-10-01T14:06:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=23185"},"modified":"2023-01-14T09:13:29","modified_gmt":"2023-01-14T08:13:29","slug":"glossar-rassismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/glossar-rassismus\/","title":{"rendered":"Glossar: Rassismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>BIPoC<\/strong><br \/>\nBIPoC steht f\u00fcr Black, Indigenous, People of Color und bedeutet auf Deutsch Schwarz, Indigen und der Begriff People of Color wird nicht \u00fcbersetzt. All diese Begriffe sind politische Selbstbezeichnungen. Das bedeutet, sie sind aus einem Widerstand entstanden und stehen bis heute f\u00fcr die K\u00e4mpfe gegen diese Unterdr\u00fcckung und mehr Gleichberechtigung.<\/p>\n<p><strong>Farbenblindheit (Color Blindness)\u202f<\/strong><br \/>\nFarbenblindheit oder farbenblinder Rassismus bezeichnet den Glauben, dass Rassismus kein Problem mehr ist und alle Menschen die gleichen Chancen haben. Farbenblinde Menschen behaupten, dass sie keine Hautfarben und Unterschiede in Menschen sehen w\u00fcrden. Meistens Wei\u00dfe Menschen wollen sich dadurch von (ihrem eigenen) Rassismus distanzieren. Diese Einstellung verhindert jedoch, die Ursachen von Rassismus zu verstehen und den weiterhin (auch strukturellen) Rassismus in unserer Gesellschaft zu erkennen.<\/p>\n<p><strong>Mehrfachdiskriminierung<\/strong><br \/>\nDiskriminierung kann nicht nur aufgrund einer Dimension, wie z.B. Geschlecht, Hautfarbe oder Behinderung, sondern aufgrund von zwei oder mehreren Dimensionen stattfinden. Personen k\u00f6nnen also gleichzeitig mehreren benachteiligten Gruppen angeh\u00f6ren und ganz bestimmten Formen von Diskriminierungen ausgesetzt sein. In Situationen, in denen Diskriminierung aus mehr als einem Grund zum Tragen kommt, wird von \u00abMehrfachdiskriminierung\u00bb gesprochen.<br \/>\nMehrfachdiskriminierung wird in der Fachliteratur unterschiedlich definiert und auch als additive, verst\u00e4rkende oder intersektionelle Diskriminierung bezeichnet.<br \/>\nDie additive Diskriminierung beschreibt eine Situation, in der Diskriminierung aus mehreren Gr\u00fcnden separat zum Tragen kommt. So kann eine Person in einer Situation aufgrund eines Merkmals und in einer anderen Situation aufgrund eines anderen Merkmals diskriminiert werden<br \/>\nDie verst\u00e4rkende Diskriminierung beschreibt eine Situation, bei der sich zwei oder mehrere Formen von Diskriminierung gegenseitig in ihrer Wirkung auf die betroffene Person verst\u00e4rken.<br \/>\nBei der intersektionellen Diskriminierung greifen mehrere Dimensionen und interagieren miteinander, so dass sie nicht separat betrachtet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Kolonialismus<\/strong><br \/>\nIm Laufe der letzten 200 Jahre haben viele europ\u00e4ische L\u00e4nder, L\u00e4nder in anderen Erdteilen unterworfen. Diese L\u00e4nder konnten sich gegen die \u00dcbermacht der Europ\u00e4er nicht wehren und wurden zu sogenannten Kolonien. Diese Eroberungspolitik bezeichnet man als &#8222;Kolonialismus&#8220;. Der Begriff kommt vom lateinischen Wort &#8222;colonia&#8220;, das hei\u00dft &#8222;Ansiedlung au\u00dferhalb des r\u00f6mischen B\u00fcrgergebietes&#8220;.<em>Ausbeutung der Kolonien<\/em><br \/>\nDie L\u00e4nder wurden wegen ihrer Bodensch\u00e4tze (Gold, Diamanten) und Rohstoffe (Kaffe, Gew\u00fcrze, Tabak) unterworfen. F\u00fcr wenig Geld eingekaufte Ware wie Gew\u00fcrze, Tee, Kaffee, Tabak oder Fr\u00fcchte wurden f\u00fcr viel Geld in den Heimatl\u00e4ndern weiterverkauft. Selbst die Menschen wurden zur Ware und wurden als Sklaven*Sklavinnen verkauft.<br \/>\n<em>Kolonialm\u00e4chte<\/em><br \/>\nDie ersten Kolonien wurden von den gro\u00dfen Seefahrernationen Gro\u00dfbritannien, Spanien Portugal, Frankreich und den Niederlanden erobert. Deutschland, das nicht zu den gro\u00dfen Seefahrernationen geh\u00f6rte, hatte f\u00fcr kurze Zeit (bis Ende des Ersten Weltkriegs) wenige Kolonien in Afrika und Asien. Spanien dagegen hatte gro\u00dfe Kolonien in Mittel- und S\u00fcdamerika und England in Asien und im Nahen Osten. Die Kolonien wurden von deutschen, franz\u00f6sischen, englischen und spanischen Beamten verwaltet.<br \/>\nUm ihr Verhalten rechtfertigen zu k\u00f6nnen, bedienten sich die Kolonialherren des Rassismus. Einheimische wurden abgewertet, der wei\u00dfe Mensch empfand sich als \u00fcberlegen. Bis heute gilt Wei\u00df-Sein als Norm.<br \/>\n<em>Folgen des Kolonialismus<\/em><br \/>\nDie Geschichte wirkt bis heute fort: Um die Anerkennung und Widergutmachung des Leides wird mit heute gerungen. Auch wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeiten bestehen bis heute fort. Preise f\u00fcr G\u00fcter und Lebensmittel aus den ehemaligen Kolonialstaaten sind weiterhin unfair und halten die Menschen in Armut. Auch der Rassismus existiert weiterhin. Nicht-Wei\u00dfe werden als andersartig wahrgenommen und m\u00fcssen sich an die wei\u00dfe Norm anpassen.<\/p>\n<p><strong>Rasse\u202f<\/strong><br \/>\nDer Begriff Rasse stammt aus der Tierzucht und gelangte in die fr\u00fche Biologie. Eine Rasse fasst hier Individuen, z.B. aufgrund gleichen Aussehens oder Verhalten zu einer Gruppe zusammen. Da die Definition schon immer sehr unscharf war, ist sehr umstritten. Der Begriff wird deshalb, mit Ausnahme der Tierzucht, nicht mehr verwendet.<br \/>\nDie Vorstellung, dass es menschliche Rassen gibt, wurde durch die Forschung eindeutig widerlegt.<br \/>\nImmer wieder wurde in der Vergangenheit aber versucht, Menschen aufgrund \u00e4u\u00dferlicher Merkmale wie der Hautfarbe in Rassen einzuteilen. Diese Rassentheorien wurden dann dazu benutzt Rassismus, Sklaverei und Kolonialismus zu rechtfertigen und nicht-wei\u00dfe Menschen abzuwerten.<br \/>\nAuch heute sprechen, vor allem rechtsextreme Ideologien, weiter von Rassen. Ihre Anh\u00e4nger*innen wollen damit f\u00fcr die \u00dcberlegenheit der \u201ewei\u00dfen Rasse\u201c argumentieren. Ihre Rassenlehre stiftet au\u00dferdem zu Ausl\u00e4nderfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus an.<\/p>\n<p><strong>Wei\u00dfe Zerbrechlichkeit<\/strong><br \/>\nDer Begriff \u201ewei\u00dfe Zerbrechlichkeit\u201c \u2013 \u00fcbersetzt aus dem englischen \u201ewhite fragility\u201c \u2013 charakterisiert laut seiner Erstanwenderin Robin DiAngelo den widerspr\u00fcchlichen Umgang wei\u00dfer Menschen mit ihrem mehr oder weniger unterschwelligen Rassismus.<br \/>\nViele Wei\u00dfe reagieren sehr abwehrend auf Diskussionen zum Rassismus. Es geht explizit nicht um rechtsextreme bzw. per se rassistische Wei\u00dfe, sondern um Menschen aus der politischen Mitte der Gesellschaft bis hin zum linken Lager. Laut DiAngelo liegt das daran, dass sich Wei\u00dfe mit ihrem Wei\u00dfsein eigentlich nicht befassen. Daher werden die Berichte von BIPoC zu rassistischen Erfahrungen in Frage gestellt.<br \/>\nGerade in Staaten mit einer \u00fcberwiegend wei\u00dfen Bev\u00f6lkerung, wie Deutschland, ist diese Verleugnung weit verbreitet. Dort f\u00e4ngt aber laut Robin DiAngelo die white fragility an. Sie \u00e4u\u00dfert sich nur selten in offenem Rassismus, sondern meistens in Ungl\u00e4ubigkeit, wenn zum Beispiel ein BIPoC berichtet, dass er das Gef\u00fchl hatte, die Polizei habe ihn nur deshalb kontrolliert, weil er farbig ist. Der tiefere Grund f\u00fcr die Ungl\u00e4ubigkeit scheint zu sein, dass Wei\u00dfe in einer \u00fcberwiegend wei\u00dfen Gesellschaft diese Form von Diskriminierung noch nie erlebt haben. Sie werden gelegentlich wegen ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Identit\u00e4t oder auch ihres Berufes diskriminiert, jedoch niemals allein wegen ihrer Hautfarbe. Daher k\u00f6nnen sie sich in so eine Erfahrung nicht einf\u00fchlen. Die Tatsache von Rassismus zu negieren und auf dessen Aufzeigen so d\u00fcnnh\u00e4utig zu reagieren ist aber auch eine Form von Rassismus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/podcast\/spezial-auf-die-plaetze-gegen-hetze\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BIPoC BIPoC steht f\u00fcr Black, Indigenous, People of Color und bedeutet auf Deutsch Schwarz, Indigen und der Begriff People of Color wird nicht \u00fcbersetzt. All diese Begriffe sind politische Selbstbezeichnungen. Das bedeutet, sie sind aus einem Widerstand entstanden und stehen bis heute f\u00fcr die K\u00e4mpfe gegen diese Unterdr\u00fcckung und mehr Gleichberechtigung. 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