{"id":20783,"date":"2021-03-22T07:44:57","date_gmt":"2021-03-22T06:44:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=20783"},"modified":"2021-04-16T09:08:41","modified_gmt":"2021-04-16T07:08:41","slug":"symptome-einer-pandemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/auf-neuem-pfad\/symptome-einer-pandemie\/","title":{"rendered":"Symptome einer Pandemie"},"content":{"rendered":"<h2>Was ist eigentlich mit den Kindern und Jugendlichen? Die sind doch im Homeschooling.<\/h2>\n<p><em>von Johanna Mixsa<\/em><\/p>\n<p>Homeschooling, Wechselunterricht oder Schulen \u00f6ffnen? Indirekt sind Kinder und Jugendliche st\u00e4ndig Thema in aktuellen politischen Entscheidungen. Vielmehr als Sch\u00fcler*innen sind sie dabei aber h\u00e4ufig nicht. Dass auch sie einen Alltag haben, der nicht nur aus Schule besteht, dass durch die Kontaktbeschr\u00e4nkungen sowie fehlende Freizeitangebote wichtige Entwicklungsfaktoren wegfallen \u2013 all das ist erstmal nicht relevant. Die Wirtschaft retten, das steht im Vordergrund. Diese Grundstimmung spiegelt auch die \u201eJuCo\u201c Studie (Junge Menschen und Corona) wider: Die meisten der befragten Jugendlichen haben sich von der Politik nicht geh\u00f6rt gef\u00fchlt. Das dabei zum Teil schwerwiegende Sch\u00e4den bei der n\u00e4chsten arbeitenden Generation auftreten werden, wird vermutlich erst in 10 bis 20 Jahren \u201eganz pl\u00f6tzlich\u201c auffallen. Dann, wenn durch psychische Probleme nicht mehr so viel gearbeitet werden kann. Wie viel hat es uns dann gebracht, die Wirtschaft zu retten?<\/p>\n<p>Genau das sieht auch der Deutsche Bundesjugendring (DBJR), weshalb er einen <a href=\"https:\/\/www.dbjr.de\/artikel\/kinder-und-jugendliche-muessen-oberste-prioritaet-haben\/\">Zwischenruf<\/a> formuliert hat, dass Kinder und Jugendliche h\u00f6chste Priorit\u00e4t haben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der neue \u201eCorona-Alltag\u201c wirkt sich auch auf die Psyche der Kinder und Jugendlichen aus. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universit\u00e4tsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat w\u00e4hrend des ersten Lockdowns die COPSY-Studie (\u201eCorona und Psyche\u201c) durchgef\u00fchrt und dabei erschreckende Ergebnisse erhalten.<\/p>\n<h4>Laut der Studie f\u00fchlten sich 71 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen durch die Pandemie \u00e4u\u00dferst oder ziemlich belastet.<\/h4>\n<p>Und auch die Lebensqualit\u00e4t hat sich verschlechtert: W\u00e4hrend vor der Pandemie 15,3 Prozent der elf bis 17-J\u00e4hriegn von einer niedrigen Lebensqualit\u00e4t berichteten, waren es w\u00e4hrend der ersten Corona-Welle schon 40,2 Prozent. Bei fast Zwei F\u00fcnftel der Kinder und Jugendlichen hat sich das Verh\u00e4ltnis zu Freunden*Freundinnen verschlechtert.<\/p>\n<p>Aber auch andere Psychische Auff\u00e4lligkeiten haben zugenommen. Vor allem die Hyperaktivit\u00e4t und psychosomatische<sup><a id=\"anker1\" title=\"zur Erl\u00e4uterung\" href=\"#fn1\">[1]<\/a><\/sup> Erscheinungen, wie Gereiztheit und Einschlafprobleme sind dabei zu nennen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_21041\" aria-describedby=\"caption-attachment-21041\" style=\"width: 1982px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Psychosomatsiche-Erscheinungen.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-21041 size-full\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Psychosomatsiche-Erscheinungen.png\" alt=\"\" width=\"1982\" height=\"1157\" srcset=\"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Psychosomatsiche-Erscheinungen.png 1982w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Psychosomatsiche-Erscheinungen-300x175.png 300w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Psychosomatsiche-Erscheinungen-1024x598.png 1024w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Psychosomatsiche-Erscheinungen-768x448.png 768w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Psychosomatsiche-Erscheinungen-1536x897.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1982px) 100vw, 1982px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-21041\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: COPSY Studie<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die steigende Hyperaktivit\u00e4t ist besonders hervor zu heben. Sie hat sich mit einem Anstieg von 12,8 % vor der Pandemie aus 23,6 % w\u00e4hrendessen beinah verdoppelt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_21045\" aria-describedby=\"caption-attachment-21045\" style=\"width: 1982px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Psychische-Aufaelligekeiten.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-21045 size-full\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Psychische-Aufaelligekeiten.png\" alt=\"\" width=\"1982\" height=\"1266\" srcset=\"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Psychische-Aufaelligekeiten.png 1982w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Psychische-Aufaelligekeiten-300x192.png 300w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Psychische-Aufaelligekeiten-1024x654.png 1024w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Psychische-Aufaelligekeiten-768x491.png 768w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Psychische-Aufaelligekeiten-1536x981.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1982px) 100vw, 1982px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-21045\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: COPSY Studie<\/figcaption><\/figure>\n<p>Prinzipell ist bei der Studie deutlich geworden, dass besonders die Kinder im Alter von 7 bis 10 Jahren vermehrt unter psychischen Beschwerden leiden. Die Zahl ist von 7,4 % auf 26,8 % gestiegen.<\/p>\n<p>Die Vergleichsstudie f\u00fcr doe COPSY STudie ist die BELLA-Studie (Befragung zum Seelischen Wohlbefinden und Verhalten), bei der die Basisstudie 2003-2006 durchgef\u00fchrt wurde. Daraufhin gab es noch vier weitere Befragungswellen im Zeitraum von 2004 bis 2017.<\/p>\n<h4>Probleme in der Familie<\/h4>\n<p>Dadurch, dass mit Home-Office, Homeschooling und Ausgangssperren die Familien oft 24\/7 aufeinander hocken, hat sich bei einigen Familien zudem das Familienklima ge\u00e4ndert, was f\u00fcr zus\u00e4tztlichen Stress bei allen sorgt. Das hat besonders die Studie &#8222;Kindsein in Zeiten von Corona&#8220; vom DJI (Deutsches Jugendinstitut) untersucht.<\/p>\n<p>So ergab die Studie, dass in der Merhzahl der Familien w\u00e4hrend der Krise zumindest manchmal ein konflikthaltiges oder chaotisches Klima herrscht. Bei jeder f\u00fcnften Familie kommt dies sogar h\u00e4ufig oder sehr h\u00e4ufig vor.<br \/>\nTrotzdem gaben etwa 77 % der Befragten an, dass h\u00f6chsten manchmal &#8222;Land unter&#8220; herrschte, Allerdings meinen 22 % der Eltern, dass Chaos oder Konflikte h\u00e4ufig bis sehr h\u00e4ufig Teil des neuen Corona-Alltages sind.<\/p>\n<p>Wenig verwunderlich ist au\u00dferdem, dass sozio\u00f6konomsiche Faktoren st\u00e4rkeren Einfluss haben. Es wird gesch\u00e4tzt, dass Kinder in Familien, die mit dem gegenw\u00e4rtigen Einkommen kaum zurecht kommenunter h\u00f6herer Belastung stehen als Kinder in Familien, die ihre finanzielle Lage positiv beurteilen.<\/p>\n<p>Und wie mag das jetzt aussehen \u2013 nachdem weiteren dreiviertel Jahr Unsicherheit und Einschr\u00e4nkungen? Und bei den kaum befragten sozial schw\u00e4cheren und \u201ebildungsfernen\u201c Familien?<\/p>\n<h3>Was k\u00f6nnen wir in der Pfadi-Arbeit dagegen tun?<\/h3>\n<p>Versuchen irgendwie eine Struktur zu schaffen. Also regelm\u00e4\u00dfige Angebote, am besten mit Bewegung an der frischen Luft und indirektem Kontakt zu anderen Teilnehmenden. Wichtig ist dabei nat\u00fcrlich, dass immer die aktuellen Corona-Reglungen beachtet werden.<\/p>\n<p><strong>Hier ein paar Ideen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><em>Gemeinsam etwas bauen<\/em><br \/>\nHierf\u00fcr k\u00f6nnt ihr euch als Gruppe einen Ort suchen, an dem ihr gemeinsam etwas bauen wollt. Zum Beispiel Steinmenschen oder eine H\u00fctte. Dann m\u00fcsst ihr euch absprechen, sodass alle nacheinander (zum Beispiel im Stundentakt) an diese Stelle kommen und das weiterbauen, was schon steht.<\/li>\n<li><em>Schnitzeljagd<\/em><br \/>\nIch denke eine Schnitzeljagt kennt jede*r. Diese k\u00f6nnt ihr f\u00fcr euren Ort planen und so staffeln, dass sich die Teilnehmenden nicht begegnen. Vielleicht wollen die Kinder und Jugendlichen ja auch mit ihren Familien teilnehmen.<\/li>\n<li><em>Challenges f\u00fcr drau\u00dfen<\/em><br \/>\nIhr k\u00f6nnt euch kleine Aufgaben \u00fcberlegen, die jede*r f\u00fcr sich selbst macht. Ob das nun eine Strecke von 100 Meter rennen und die Zeit messen ist oder die Aufgabe eine Birke in der Nachbarschaft zu finden ist egal. Der Kerngedanke ist, dass die Teilnehmenden sich an der frischen Luft bewegen k\u00f6nnen. Vielleicht ist ja auch ein Aktionbound etwas f\u00fcr die Gruppe. Wenn ihr die Aufgaben dokumentieren lasst (zum Beispiel durch Fotos), k\u00f6nnt ihr die Erfahrungen der Teilnehmenden und die Ergebnisse dann in einer n\u00e4chsten Stunde auswerten.<\/li>\n<li><em>Briefaktion oder Postkartenaktion in der Gruppe<\/em><br \/>\n\u00c4hnlich wie zum Beispiel die Postkartenaktion zum Thinking Day, k\u00f6nnt ihr sowas auch bei euch in der Gruppe machen. So k\u00f6nnen die Teilnehmenden den Kontakt zueinander verst\u00e4rken und\/oder halten (und das mal nicht digital!).<\/li>\n<li><em>Ich packe meinen Koffer &#8211; von Haust\u00fcr zu Haust\u00fcr<\/em><br \/>\nAuch mit dieser Idee k\u00f6nnen die Gruppenkinder sich mal &#8211; mit Abstand &#8211; wiedersehen. Gespielt wird (zum Beispiel) &#8222;Ich packe meinen Koffer&#8220;. Die erste Person in der Gruppe \u00fcberlegt sich einen Gegenstand, l\u00e4uft zu einer anderen Person aus der Gruppe nach Hause und gibt diesen Gegenstand (m\u00fcndlich) weiter (Reihenfolge und Adressen m\u00fcssen also davor klar sein). Und immer so weiter. So wird das Spiel von Haust\u00fcr zu Haust\u00fcr gespielt. Das geht nat\u00fcrlich nur dann wirklich gut, wenn die einzelnen Teilnehmenden nicht zuweit entfernt voneinander wohen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u2026 und auch das Projekt <strong>#pfadisbleiben<\/strong> entwickelt Ideen f\u00fcr einen tollen Pfadi-Sommer.<\/p>\n<h4><\/h4>\n<h4>Wer wurde gefragt?<\/h4>\n<p>COPSY Studie: Corona und Psyche \u2013 Kinder und Jugendliche von elf bis 17 Jahren und Eltern<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.copsy-studie.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.copsy-studie.de\/<\/a><\/p>\n<p>JuCo: Junge Menschen und Corona \u2013 Jugendliche und junge Erwachsene von 15 bis 30 Jahren.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.uni-hildesheim.de\/neuigkeiten\/wie-erleben-jugendliche-die-corona-krise-ergebnisse-der-bundesweiten-studie-juco\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.uni-hildesheim.de\/neuigkeiten\/wie-erleben-jugendliche-die-corona-krise-ergebnisse-der-bundesweiten-studie-juco\/<\/a><\/p>\n<p>DJI &#8211; Kindsein in Zeiten von Corona &#8211; Eltern von Kinder zwischen 3 und 15 Jahren, Kinder im Alter von 7 bis 15 Jahren<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.dji.de\/fileadmin\/user_upload\/dasdji\/themen\/Familie\/DJI_Kindsein_Corona_Erste_Ergebnisse.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.dji.de\/fileadmin\/user_upload\/dasdji\/themen\/Familie\/DJI_Kindsein_Corona_Erste_Ergebnisse.pdf<\/a><\/p>\n<ul>\n<li id=\"fn1\"><a href=\"#anker1\">[1]<\/a>Erkrankungen deren Ursachen nicht vollst\u00e4ndig k\u00f6rperlich erkl\u00e4rbar sind<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist eigentlich mit den Kindern und Jugendlichen? 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