{"id":19873,"date":"2020-12-21T09:23:25","date_gmt":"2020-12-21T08:23:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=19873"},"modified":"2025-08-23T12:03:31","modified_gmt":"2025-08-23T10:03:31","slug":"heimat-im-digitalen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/auf-neuem-pfad\/heimat-im-digitalen\/","title":{"rendered":"Heimat im Digitalen"},"content":{"rendered":"<p>von Rebecca Haugwitz, Johanna Mixsa und Patrick Franz<\/p>\n<p>Im Zuge des Brainstormings f\u00fcr die Themen dieser Ausgabe der anp fiel ziemlich fr\u00fch der Begriff \u201edigitale Heimat\u201c. Denn auch, wenn es uns Pfadfinder*innen eher nach drau\u00dfen in die Natur zieht, ist die Digitalisierung aus unserem Leben kaum noch wegzudenken. Dank der rasanten Entwicklung der Technik in den letzten Jahrzehnten hat sich unsere Lebenswirklichkeit seit den 80ern, als die ersten mobilen Telefone auf den Markt kamen und das Internet erfunden wurde, sehr stark ver\u00e4ndert. Mittlerweile hat fast jeder Mensch ein extrem leistungsstarkes Smartphone, mit dessen Hilfe Kommunikation jederzeit \u00fcberallhin m\u00f6glich ist. Fakten sind rund um die Uhr abrufbar und alles M\u00f6gliche kann in Bild, Ton und Schrift festgehalten werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen gro\u00dfen Teil der Menschheit ist das alles selbstverst\u00e4ndlich: \u201eDigital natives\u201c sind mit all diesen M\u00f6glichkeiten aufgewachsen und k\u00f6nnen es sich gar nicht anders vorstellen; \u201edigital immigrants\u201c finden sich mittlerweile auch sehr gut in der Onlinewelt zurecht und haben sich daran gew\u00f6hnt. So hat sich auch mit der Zeit die Bedeutung des Heimatbegriffs (siehe Seite 8 dieser Ausgabe) um eine weitere, digitale Komponente erweitert. Vor allem die sozialen Netzwerke haben viel dazu beigetragen, denn sie sind es, die uns eine Heimat in der digitalen Welt bieten k\u00f6nnen. 2020 haben laut Statista 3,81 Milliarden Menschen ein Social-Media\u00ad-Profil, Tendenz steigend.<\/p>\n<p>Die Personen und Themen, mit denen wir uns online besch\u00e4ftigen, geh\u00f6ren mittlerweile ebenso zu unserem Heimatgef\u00fchl wie unsere Familie und Freund*innen in der realen Welt. Diese Entwicklung bietet sowohl Chancen als auch Risiken; darum soll es in diesem Artikel gehen.<\/p>\n<h3>Vorteile der digitalen Welt<\/h3>\n<p>Positiv ist auf jeden Fall, dass Informationen rund um die Uhr im Internet verf\u00fcgbar sind. Dadurch sind Fakten direkt abrufbar, wenn sie gebraucht werden, und wir sind weitestgehend sehr frei in der Planung unseres Tagesablaufes, zumindest was die Informationsbeschaffung angeht. Fr\u00fcher musste man sich an \u00d6ffnungszeiten von Bibliotheken und an Sendezeiten von Nachrichtensendungen im Rundfunk halten, heute kann man auch um drei Uhr nachts noch einen Text f\u00fcr die Uni herunterladen und nebenbei die aktuellen Schlagzeilen recherchieren.<\/p>\n<p>Was auch dank des Internets viel unkomplizierter und schneller geht als zuvor, ist das Kommunizieren mit Freund*innen und Familie. Muss man zum Beispiel ganz dringend jemanden daheim erreichen, da man gerade im Supermarkt steht und die Einkaufsliste vergessen hat, schreibt man einfach fix in die Familiengruppe und hat innerhalb k\u00fcrzester Zeit eine Antwort. Auch gerade jetzt in der Pandemie sind Messenger Gold wert, denn sie erm\u00f6glichen es uns, auch ohne direkten Kontakt mit unseren Liebsten in Verbindung zu bleiben.<\/p>\n<p>Und last but not least hat wirklich jede*r die M\u00f6glichkeit, sein digitales Zuhause ganz genau nach den eigenen Vorlieben und W\u00fcnschen einzurichten. Jede*r bestimmt selbst, wem sie*er folgen m\u00f6chte und mit wem sie*er in Kontakt tritt. So kann man sich einen sicheren Hafen aufbauen, in dem man Inspiration, Motivation und einen Ruhepol finden kann.<\/p>\n<h3>Immer online \u2013 Sucht und Stress?<\/h3>\n<p>Aber wo liegen die Nachteile in der digitalen Welt, in der wir mittlerweile zuhause sind? Das Ganze kann zu einer echten Sucht werden, vergleichbar mit Alkohol\u00ad, Drogen\u00ad oder Spielsucht. Mainzer Forscher haben herausgefunden, dass mehr als zwei Prozent der Jugendlichen soziale Netzwerke und Computerspiele suchtartig-\u00adexzessiv, n\u00e4mlich rund sieben Stunden t\u00e4glich, nutzen. 15 Prozent gelten als gef\u00e4hrdet. Sie vernachl\u00e4ssigen Hobbys, Freund*innen und Hausaufgaben. Eine andere Studie kam zu dem Ergebnis, dass uns das st\u00e4ndige \u201eImmer erreichbar sein-&#8222;\u00adGef\u00fchl&#8220; in echten Stress versetzen kann. Die Studie zum Thema \u201eJugendliche im digitalen Zeitstress\u201c des Instituts f\u00fcr Jugendkulturforschung zeigt auf, dass 60 Prozent der Jugendlichen erwarten, dass sie auf Nachrichten in WhatsApp, Instagram &amp; Co. sofort oder zumindest innerhalb weniger Minuten eine Antwort erhalten. Gleichzeitig z\u00e4hlt diese Erwartungshaltung auch f\u00fcr sie selbst zu den gr\u00f6\u00dften Stressfaktoren. Gruppen in sozialen Netzwerken, in denen manchmal hunderte Nachrichten t\u00e4glich ausgetauscht werden, verst\u00e4rken diesen Stress. Gerade f\u00fcr die J\u00fcngeren ist es oft nicht einfach, sich dem Gruppendruck zu entziehen. Sie f\u00fcrchten soziale Nachteile und Ausgrenzung.<\/p>\n<h3>Abschalten k\u00f6nnen<\/h3>\n<p>Nur was tun gegen diesen Stress? Eine Art Di\u00e4t auf Zeit von diesen vielen Reizen scheint die L\u00f6sung zu sein. Vor allem unter den \u00e4lteren Jugendlichen gibt es mittlerweile erste Vorreiter*innen gegen den digitalen Zeitstress. So geben 28 Prozent der Befragten an, schon einmal einen \u201edigital Detox\u201c gemacht, also eine Zeit lang bewusst auf Handy und Computer verzichtet zu haben. \u201eIch will mich nicht mehr unter Druck f\u00fchlen, st\u00e4ndig sofort reagieren zu m\u00fcssen\u201c, beschreibt eine Teilnehmerin der Studie (16 Jahre) ihre Motivation.<\/p>\n<p>Zu den praktischen Tipps der Jugendlichen gegen Online-\u00adStress z\u00e4hlen etwa Benachrichtigungen zu deaktivieren, immer wieder den Flugmodus einzuschalten, h\u00e4ufig genutzte Apps vom Startbildschirm zu verbannen und nach hinten zu verschieben und sich in bestimmten Alltagssituationen vorzunehmen, das Handy in der Tasche zu lassen.<\/p>\n<p><strong>Warum nicht auch mal beim Warten auf den Bus das Handy in der Tasche lassen und \u201enur\u201c Musik h\u00f6ren?<\/strong><\/p>\n<p>Was ist denn das Fazit der digitalen Heimat? Ein perfektes Zuhause? Oder h\u00e4ngt der Haussegen doch ein wenig schief? Ein Patentrezept wird man hier wohl nicht ausstellen k\u00f6nnen, aber die Vorteile, die sich ergeben, sind immens hoch. Warum also nicht nutzen, was da ist und was noch kommt \u2026 aber sein echtes Offline-Leben nicht ganz vergessen.<\/p>\n<h4><strong>Quellen zu den Studien:<\/strong><\/h4>\n<p>https:\/\/www.unimedizin-mainz.de\/fileadmin\/kliniken\/verhalten\/Dokumente\/EU_NET_ADB_Broschuere_final.pdf<\/p>\n<h4><a href=\"https:\/\/www.saferinternet.at\/news\u00addetail\/immer\u00admehr\u00adjugendlicheim\u00addigitalen\u00adzeitstress\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.saferinternet.at\/news\u00addetail\/immer\u00admehr\u00adjugendlicheim\u00addigitalen\u00adzeitstress\/<\/a><\/h4>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-19873 gallery-columns-2 gallery-size-medium'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Heimat-im-Digitalen_1-scaled.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"271\" height=\"300\" src=\"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Heimat-im-Digitalen_1-271x300.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"Digital Immigrants: Die Generationen, die ohne das Internet aufgewachsen sind und den Umgang damit erst im Erwachsenenalter erlernt haben.\" aria-describedby=\"gallery-1-19870\" srcset=\"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Heimat-im-Digitalen_1-271x300.jpg 271w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Heimat-im-Digitalen_1-923x1024.jpg 923w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Heimat-im-Digitalen_1-768x852.jpg 768w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Heimat-im-Digitalen_1-1385x1536.jpg 1385w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Heimat-im-Digitalen_1-1847x2048.jpg 1847w\" sizes=\"auto, (max-width: 271px) 100vw, 271px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-19870'>\n\t\t\t\tDigital Immigrants: Die Generationen, die ohne das Internet aufgewachsen sind und den Umgang damit erst im Erwachsenenalter erlernt haben.\n\nIllustration:  Miriam Lochner\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Heimat-im-Digitalen_2-scaled-e1638177511412.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"273\" height=\"300\" src=\"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Heimat-im-Digitalen_2-scaled-e1638177511412.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"Digital natives: Die Generationen, die mit dem bestehenden Internet aufgewachsen sind.\" aria-describedby=\"gallery-1-19871\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-19871'>\n\t\t\t\tDigital natives: Die Generationen, die mit dem bestehenden Internet aufgewachsen sind.\n\nIllustration:  Miriam Lochner\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<figure id=\"attachment_19872\" aria-describedby=\"caption-attachment-19872\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Pfadfinden-digital_Andreas-Kl\u00e4ger.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-19872\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Pfadfinden-digital_Andreas-Kl\u00e4ger-300x200.jpg\" alt=\"Pfadfinden digital Foto Andreas Kl\u00e4ger\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Pfadfinden-digital_Andreas-Kl\u00e4ger-300x200.jpg 300w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Pfadfinden-digital_Andreas-Kl\u00e4ger-768x512.jpg 768w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Pfadfinden-digital_Andreas-Kl\u00e4ger.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-19872\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Andreas Kl\u00e4ger<\/figcaption><\/figure>\n<p>https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/podcast\/interview-mit-dr-klaus-woelfling-von-der-universitaetsklinik-mainz-und-mittelalterwoche-2021\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Rebecca Haugwitz, Johanna Mixsa und Patrick Franz Im Zuge des Brainstormings f\u00fcr die Themen dieser Ausgabe der anp fiel ziemlich fr\u00fch der Begriff \u201edigitale Heimat\u201c. 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