{"id":1876,"date":"2015-04-20T09:41:33","date_gmt":"2015-04-20T07:41:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=1876"},"modified":"2016-04-16T00:01:08","modified_gmt":"2016-04-15T22:01:08","slug":"vorsicht-viele-fiese-fettnaepfchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/vorsicht-viele-fiese-fettnaepfchen\/","title":{"rendered":"Vorsicht: viele fiese Fettn\u00e4pfchen"},"content":{"rendered":"<p><em>Von Philipp von Stockhausen<\/em><\/p>\n<p>Ganz sch\u00f6n gemein, wenn man die Sprache nicht versteht. Aber in Japan kann man noch ganz andere Sachen nicht verstehen. Es gibt viele Fettn\u00e4pfchen, in die man treten kann, ohne es zu merken.<\/p>\n<p>Und Vorsicht &#8211; da ist schon eines: In Japan wird man n\u00e4mlich nicht so wie in Deutschland darauf hingewiesen, dass man etwas falsch gemacht hat. Das ist aber nicht gemein, sondern h\u00f6flich gemeint. Sonst w\u00fcrde man sich als Gast ja sch\u00e4men, weil man etwas falsch gemacht hat, und das m\u00f6chten die japanischen Gastgeber auch nicht. Also: Merkt euch ein paar wichtige Verhaltensregeln und passt genau auf, wie euer Gegen\u00fcber reagiert.<\/p>\n<h2>Nein sagen ist unh\u00f6flich<\/h2>\n<p>Wenn ihr etwas fragt und euer Gespr\u00e4chspartner still wird und nach einer Pause sagt: \u201eDas ist etwas schwierig, was du da fragst&#8230;\u201c. F\u00fcr japanische Verh\u00e4ltnisse ist das eine sehr deutliche Antwort. Und die hei\u00dft: Nein! Nur ausgesprochen wird das eben nicht, weil es unh\u00f6flich ist.<\/p>\n<p>Das klingt kompliziert, aber es ist leichter zu verstehen, als man denkt. Die wichtigste Frage im Gespr\u00e4ch und bei einer Begegnung ist: Wie sorge ich daf\u00fcr, dass ich oder mein Gegen\u00fcber nicht das Gesicht verliert und sich sch\u00e4men muss?<\/p>\n<p>Das kann fiese Folgen haben. Wenn ich nach dem Weg frage und der Mann, den ich frage, wei\u00df es nicht, dann wird es schwierig. Sagt er: \u201eIch wei\u00df es nicht\u201c, dann habe ich eine Frage gestellt, die er nicht beantworten kann und er sch\u00e4mt sich, dass er es nicht wei\u00df. Also antwortet er: \u201eSie m\u00fcssen hier gerade aus und dann um die Ecke nach links und da fragen Sie dann nochmal\u201c.<br \/>\nSo muss er sich nicht sch\u00e4men, weil er es nicht wusste. So macht man das in Japan. F\u00fcr mich kann das nat\u00fcrlich doof sein, weil ich in die falsche Richtung gehe.<\/p>\n<h2>Links gehen, rechts stehen\u2026 oder andersrum<\/h2>\n<p>Gehen oder stehen, das ist auch so etwas, das in Japan nicht ganz einfach ist. Es gibt dort n\u00e4mlich Linksverkehr so wie in Gro\u00dfbritannien, aber nicht nur auf der Stra\u00dfe, sondern auch auf dem B\u00fcrgersteig oder der Rolltreppe. Also links gehen und rechts stehen. Anfangs ungewohnt, aber das kriegt man hin. Das Gemeine ist, dass das aber nicht \u00fcberall in Japan so ist. Wenn die Jamboree- Fahrerinnen und Fahrer in Tokio landen, dann gilt diese Regel, aber ein paar fliegen ja von Osaka wieder zur\u00fcck, da gilt auf der Rolltreppe dann rechts gehen und links stehen. Das ist etwas durcheinander und selbst den Menschen in Japan ist nicht klar, wo das eigentlich herkommt.<\/p>\n<p>Andere Dinge sind aber ganz klar in Japan: Die Nase l\u00e4uft? Taschentuch raus und tor\u00f6\u00f6\u00f6?! Das geht gar nicht. Nase putzen in der \u00d6ffentlichkeit \u2013 niemals. Lieber die Nase immer wieder hochziehen, solange bis man sich irgendwohin zur\u00fcckziehen kann und dort ungest\u00f6rt die Nase putzen kann.<br \/>\nNase putzen gilt n\u00e4mlich als laut, st\u00f6rend und vor allem als unrein. Wenn ich mir die Nase putze, dann k\u00f6nnte ich andere dreckig machen (und vielleicht sogar anstecken). Deshalb gibt es viele Menschen, die einen Mundschutz wie im Krankenhaus tragen, wenn sie erk\u00e4ltet sind.<\/p>\n<h2>Waschen ist wichtig<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Japan_Baderegeln-e1425627832412.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1879\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Japan_Baderegeln-225x300.jpg\" alt=\"Japan_Baderegeln\" width=\"225\" height=\"300\" \/><\/a>Bei den Themen \u201eSchmutz und Sauberkeit\u201c, da wartet nicht nur ein Fettn\u00e4pfchen, da wartet sogar eine ganze Fett-Badewanne.<\/p>\n<p>Baden ist in Japan sehr wichtig. Aber nicht, um sauber zu werden, sondern das zelebriert man, um sich zu entspannen. Wenn ich in ein japanisches Bad komme, dann finde ich da nicht nur eine gro\u00dfe und mit hei\u00dfem Wasser gef\u00fcllte Badewanne, sondern auch daneben einen Wasserhahn mit Dusche auf Knieh\u00f6he. Da setze ich mich dann auf einen kleinen Hocker, nehme Wasser in eine kleine Plastiksch\u00fcssel, gie\u00dfe sie mir \u00fcber den Kopf und seife mich ein, am besten zweimal, bis ich ganz sauber und rein bin. Und dann geht es zur Entspannung in die hei\u00dfe Badewanne, aber ohne Schaum, sonst kann ja der oder die n\u00e4chste sich nicht im Wasser entspannen.<\/p>\n<p>In manchen H\u00e4usern, besonders in den alten, gibt es aber gar kein Bad, da geht man dann in ein \u00f6ffentliches Bad in der Nachbarschaft. Diese Sento sind nicht teuer. Es gibt mehrere Waschpl\u00e4tze und verschiedene Becken mit hei\u00dfem Wasser, manchmal auch eine Sauna. Das ist ein bisschen wie bei uns die Duschen in einer Umkleidekabine.<\/p>\n<p>Doch nicht alle Menschen d\u00fcrfen in ein solches \u00f6ffentliches Bad gehen. Wer ein Tattoo hat, muss oft drau\u00dfen bleiben. Gro\u00dfe Schilder weisen darauf schon vor der T\u00fcr hin.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/schild1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-1877\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/schild1-297x300.jpg\" alt=\"schild1\" width=\"297\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/schild1-297x300.jpg 297w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/schild1.jpg 759w\" sizes=\"auto, (max-width: 297px) 100vw, 297px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In Japan sind Tattoos n\u00e4mlich nicht einfach nur schick, sondern sie werden vor allem von der japanischen Mafia getragen, der Yakuza. Das sind dann keine kleine Herzen in rot oder Anker in blau, sondern gro\u00dfe, bunte Bilder, die \u00fcber den ganzen K\u00f6rper reichen. Da guckt dann ein teuflischer D\u00e4mon oder lacht ein Buddha mit feurigen Haaren. Diese Bilder sollen die Kraft und die St\u00e4rke des Tr\u00e4gers, aber auch seiner Gruppe zeigen. Und wie gemein er werden kann.<\/p>\n<p>Und weil die Yakuza so gemein werden kann, d\u00fcrfen ihre Mitglieder und alle anderen Menschen mit Tattoos nicht in ein \u00f6ffentliches Bad gehen. Sonst k\u00f6nnen sich die anderen Menschen dort nicht entspannen.<\/p>\n<h2>Buchecke<\/h2>\n<p>Martin Lutterjohann: <strong>Reise Know-How KulturSchock Japan,<\/strong><br \/>\nPeter Rump Verlag, Bielefeld, 11. Neu bearbeitete Auflage 2015<\/p>\n<p>Kerstin Fels, Andreas Fels: <strong>Fettn\u00e4pfchenf\u00fchrer Japan: Die Axt im Chrysanthemenwald<\/strong>, Conbook Medien, 2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Philipp von Stockhausen Ganz sch\u00f6n gemein, wenn man die Sprache nicht versteht. Aber in Japan kann man noch ganz andere Sachen nicht verstehen. Es gibt viele Fettn\u00e4pfchen, in die man treten kann, ohne es zu merken. 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