{"id":1861,"date":"2015-04-17T11:44:31","date_gmt":"2015-04-17T09:44:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=1861"},"modified":"2015-04-29T15:27:35","modified_gmt":"2015-04-29T13:27:35","slug":"duesteres-heldentum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/duesteres-heldentum\/","title":{"rendered":"D\u00fcsteres Heldentum"},"content":{"rendered":"<p>Hier stellen wir euch eine Heldin und vier Helden aus dem Hinterhalt vor. Ihr Mut, ihr Widerstand, ihre Tapferkeit beeindruckt uns. Dabei haben sie f\u00fcr ihre Ziele mit wenig friedlichen Mitteln erk\u00e4mpft. Trotzdem\u2026 lernt sie kennen und bildet euch eine Meinung zu den f\u00fcnf Personen. Sind es wirklich Heldinnen oder Helden?<\/p>\n<h2>Klaus St\u00f6rtebecker<\/h2>\n<p><em>Von Sandra Gr\u00fcnewald, M\u00fcnchen<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1872 size-full\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/stoertebecker-0.png\" alt=\"stoertebecker-0\" width=\"200\" height=\"136\" \/>Er benannte sich selbst \u201eGottes Freund und aller Welt Feind\u201c und war einer der ber\u00fchmtesten Seer\u00e4uber der deutschen Geschichte Ende des 14. Jahrhunderts. Seinen Namen St\u00f6rtebecker (Niederdeutsch: \u201eSt\u00fcrz den Becher\u201c) soll er aufgrund seiner Trinkfestigkeit erhalten haben. Angeblich trank er einen Vierliter Humpen leer &#8211; ohne abzusetzen. Als Vitalienbruder soll er mit seiner Mannschaft das von D\u00e4nen belagerte Stockholm mit Lebensmitteln (sogenannten \u201eViktualien\u201c) versorgt haben. Mit seinen Raubz\u00fcgen machte er der Hanse auf See und dem deutschen Ritterorden im Baltikum das Leben schwer. Die Seer\u00e4uber, zu denen auch Klaus St\u00f6rtebecker geh\u00f6rte, sollen als \u201eLikedeers\u201c, ihre Beute zu gleichen Teilen unter sich und den Armen aufgeteilt haben. Nach mehreren Jahrzehnten der Raubz\u00fcge soll St\u00f6rtebecker mitsamt seiner Mannschaft von der Hanse durch einen Hinterhalt gefangen und \u00f6ffentlich in Hamburg hingerichtet worden sein.<\/p>\n<p>Der Sage nach traf er mit dem Hamburger B\u00fcrgermeister die Abmachung, dass diejenigen seiner M\u00e4nner freigelassen w\u00fcrden, an denen er nach seiner Enthauptung noch vorbeilaufen k\u00f6nne. St\u00f6rtebecker soll kopflos, doch aufrecht an seinen M\u00e4nnern vorbeigelaufen sein \u2013 aber bei dem elften warf der ver\u00e4rgerte Henker ihm seinen eigenen Kopf zwischen die Beine. Und da geriet er doch ins Stolpern.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist nicht viel von St\u00f6rtebecker \u00fcberliefert. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Sage stark ausgeschm\u00fcckt worden ist. St\u00f6rtebecker war wirtschaftlich talentiert und soll mit seinen M\u00e4nnern gerecht geteilt haben, jedoch haben die Armen sicher kein Gold von ihm gesehen. Au\u00dferdem wurden ausnahmslos alle Piraten, die die Hanse damals gefangen nahm, hingerichtet. Der Held Klaus St\u00f6rtebecker war vielleicht gemeiner, als wir es heute vielleicht wahrhaben wollen.<\/p>\n<h2>Robin Hood<\/h2>\n<p><em>von Verena Kunberger, Unterensingen<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1871 size-full\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/robin_hood-0.png\" alt=\"robin_hood-0\" width=\"200\" height=\"146\" \/>Robin Hood ist bekannt als Besch\u00fctzer der Armen. Er nimmt von den Reichen und verteilt es an die Armen.<\/p>\n<p>Doch das war nicht immer so. In den fr\u00fchesten Erw\u00e4hnungen ist er nur ein Wegelagerer, der den Kampf mit Adligen und Geistlichen sucht.<\/p>\n<p>Erst im Laufe der Zeit wurde er zu einem Adligen, dem sein rechtm\u00e4\u00dfiger Besitz genommen wurde. Um zu bekommen, was er und seine Bande ben\u00f6tigten, nahm er es sich von denjenigen, die ihm seinen Besitz genommen hatten.<\/p>\n<p>In den Geschichten, die \u00fcberliefert sind, handelt Robin Hood nicht, um den Armen zu helfen. Er nahm sich, was er wollte in dem Glauben, es stehe ihm zu.<br \/>\nDass er dadurch zu einem Symbol f\u00fcr die Armen wurde, verwundert nicht. Allerdings rechtfertigt seine Geschichte auch seine Taten nicht. Denn wenn einem Unrecht getan wird, kann man dies nicht dadurch l\u00f6sen, indem man Anderen Unrecht antut.<\/p>\n<p>Betrachtet man Robin Hood aus heutiger Sicht, hat sich die Geschichte nochmals ein wenig ver\u00e4ndert. Er ist ein Gesetzloser, der seinem K\u00f6nig immer treu geblieben ist. Er nimmt von denen, die viel haben und es nicht teilen m\u00f6chten. Robin Hood verteilt es unter der Armen und Bed\u00fcrftigen.<\/p>\n<p>In dem Fall, ist es leichter ihn als Held zu betrachten, da er nicht in eigenem Interesse handelt, sondern um anderen zu helfen. Zumindest ist er einer der am h\u00e4ufigsten verfilmten \u201eHelden\u201c.<\/p>\n<h2>Guy Fawkes<\/h2>\n<p><em>von Diane Tempel-Bornett, Kassel<\/em><\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1869 size-full\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/guy_fox-2.png\" alt=\"guy_fox-2\" width=\"200\" height=\"138\" \/>geboren am 13. April 1570 in York; gestorben am 31. Januar 1606 in London,<\/em><\/p>\n<p>Guy Fawkes konvertierte mit 16 Jahren zum Katholizismus. Als Soldat k\u00e4mpfte im Achtzigj\u00e4hrigen Krieg in Holland gegen die Protestanten. Er war ver\u00e4rgert \u00fcber die Verfolgung der Katholiken in seiner Heimat England. Und so kam es zur ber\u00fchmten Verschw\u00f6rung \u2013 dem sog. Gunpowder Plot. Am 5. November 1605 wollte Fawkes mit drei\u00dfig Tonnen Schwarzpulver das englische Parlament im Palast von Westminster in die Luft jagen \u2013 rechtzeitig zur Parlamentser\u00f6ffnung, wenn K\u00f6nig Jakob, der I, alle Parlamentarier, die Bisch\u00f6fe und Mitglieder des Hochadels anwesend w\u00e4ren. Anschlie\u00dfend sollte ein katholischer K\u00f6nig eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Doch einer der Mitverschw\u00f6rer warnte in einem Brief einen katholischen Lord, dass er sich an diesem Tag vom Parlament fernhalten solle. Der Lord reichte den Brief weiter und bei einer Inspektion wurde der Sprengstoff entdeckt. Fawkes wurde verhaftet, unter der Folter gestand er sein Vorhaben und nannte auch gleich die Mitverschw\u00f6rer. Sie wurden am 30. Januar 1606 als Hochverr\u00e4ter hingerichtet. Guy Fawkes starb einen Tag sp\u00e4ter. Ob es den Katholiken nach der Verschw\u00f6rung in England besser erging, darf bezweifelt werden. Guy Fawkes muss man aus heutiger Sicht als Terroristen bezeichnen. Die ber\u00fchmte Grinsemaske wurde durch die Verfilmung des Comics \u201eV\u201c \u2013 wie Vendetta ber\u00fchmt. Und auch hier ist der Held erst ein Opfer und dann ein M\u00f6rder.<\/p>\n<p>Am 5. November wird vielerorts in England in der \u201eBonfire Night\u201c an das Scheitern des Anschlages gedacht: mit Feuerwerken, Fackelz\u00fcgen und der Verbrennung einer Guy Fawkes Puppe.<\/p>\n<h2>Nora Astorga (Gedea)<\/h2>\n<p><em>von Diane Tempel-Bornett, Kassel<\/em><\/p>\n<p><em>1948 \u2013 1988, nicaraguanische Freiheitsk\u00e4mpferin<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1870 size-full\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/nora_astorga-0.png\" alt=\"nora_astorga-0\" width=\"200\" height=\"160\" \/>Nora Astorga entstammte der gehobenen B\u00fcrgerschicht Managuas, der Hauptstadt Nicaraguas. Mit 19 Jahren kritisierte sie die herrschende Somoza-Diktatur in ihrer Heimat. Ihre entsetzte regimetreue Familie schickte sie direkt in die USA &#8211; als Erziehungsma\u00dfnahme, aber auch zu ihrem Schutz. Das Medizinstudium dort brach sie nach zwei Jahren ab. In diesen zwei Jahren wurde ihr politisches Bewusstsein durch den Rassismus und sozialen Ungleichheiten, den sie dort erlebte, gesch\u00e4rft. Nach ihrer Heimkehr nach Managua studierte sie Jura. An der Uni begegnete sie der sandinistischen Widerstandsbewegung, (die sich nach dem Widerstandsk\u00e4mpfer Augusto Sandino nannte).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Nora Astorga in den n\u00e4chsten Jahren ein nach au\u00dfen hin b\u00fcrgerliches Leben f\u00fchrte, unterst\u00fctzte sie heimlich (konspirativ) die Sandinisten. Nach der Ermordung von Pedro Chamorro, dem Herausgeber der einzigen oppositionellen Zeitung durch das Somoza-Regime 1978 trat Nora Astorga dem bewaffneten Kampf bei. Ber\u00fchmt wurde sie durch den Entf\u00fchrungsversuch von General Vega, wegen seiner Grausamkeit auch \u201eEl perro\u201c, der Hund genannt. Er hatte wiederholt deutliches Interesse an der attraktiven Juristin signalisiert. Nora Astorga lud ihn in ihre Wohnung ein, was er zu gerne annahm. Das war allerdings eine Falle, denn dort sollte er gefangen genommen werden. F\u00fcr seine Freilassung wollten die Sandinisten Gesinnungsgenossen aus dem Gef\u00e4ngnis freipressen. Doch in dem Handgemenge wurde Vegas get\u00f6tet. Nora Astorga fl\u00fcchtete in den Dschungel und beteiligte sich dort weiter am bewaffneten Widerstand.<\/p>\n<p>Nach dem die Sandinisten im Juli 1979 die Macht \u00fcbernommen hatten, wurde die Juristin Nora Astorga stellv. Justizministerin. Sie sollte auch Botschafterin Nicaraguas in den USA werden, aber das lehnte die Reagan-Regierung, die das Somoza-Regime unterst\u00fctzt hatte, wegen ihrer Beteiligung an der Ermordung Vegas, ab. Sie wurde dann Nicaraguas Botschafterin in der UNO. Nora Astorga wurde als \u201eHeldin des Vaterlandes\u201c ausgezeichnet. Sie starb mit 39 Jahren an Krebs.<\/p>\n<h2>Der Schinderhannes &#8211; der Schrecken von Hunsr\u00fcck und Taunus<\/h2>\n<p><em>von Marc Forkmann, Mainz-Kastel<\/em><\/p>\n<p>Im Herbst 1779 wurde in der Taunusgemeinde Miehlen Johannes B\u00fcckler als Sohn eines Schinders geboren. Heute w\u00fcrde man diesen Beruf als &#8222;Abdecker&#8220; oder als Tierkadaverbeseitiger bezeichnen.<\/p>\n<p>Eigentlich sollte Johannes in die Fu\u00dfstapfen seines Vaters treten, stattdessen wurde er kriminell. Schon mit 15 Jahren legte man ihm Viehdiebst\u00e4hle, die Unterschlagung einer Goldm\u00fcnze und Tierfelle zur Last. Sein erstes Urteil: \u00f6ffentliche Pr\u00fcgelstrafe mit 25 Hieben.<\/p>\n<p>Er b\u00fcchste aus dem Elternhaus aus und machte fortan den Hunsr\u00fcck und den Taunus unsicher. Seine Bilanz l\u00e4sst sich sehen: mindestens 211 Straftaten wie N\u00f6tigung, Erpressung, schwere K\u00f6rperverletzung, Raubmord und Gef\u00e4ngnisausbr\u00fcche konnten belegt werden.<\/p>\n<p>Kurz vor seiner Inhaftierung lernte Johannes seine Frau Juliana Bl\u00e4sius kennen, mit der er einen gemeinsamen Sohn, Franz Wilhelm hatte.<\/p>\n<p>Das Familiengl\u00fcck war von kurzer Dauer. Am 31. Mai 1802 wurde er bei Wolfenhausen im Taunus festgenommen und ins sichere Gef\u00e4ngnis &#8222;Holzturm&#8220; zu Mainz \u00fcberf\u00fchrt. Sein Prozess im Kurf\u00fcrstlichen Schloss zu Mainz unter Leitung von Georg Friedrich von Rebmann begann am 24. Oktober 1803. Die Anklageschrift umfasste 72 Seiten, \u00fcber 400 Zeugen wurden verh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Auch wenn es Vermutungen gab, dass sein Todesurteil im Vorfeld schon feststand, legten alle Beteiligten Wert auf einen rechtstaatlich ordentlichen Prozess. Die Urteile gegen ihn und 58 seiner Gefolgsleute wurde am 20. November 1803 verlesen. Die Hinrichtung vor dem Mainzer Neutor fand einen Tag sp\u00e4ter statt.<\/p>\n<p>Aus heutiger Sicht l\u00e4sst sich die Legende um Schinderhannes nicht belegen. Er war ein Schrecken sowohl f\u00fcr Arm und Reich. Immerhin teilte er die Beute mit den mehr als 94 Komplizen auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier stellen wir euch eine Heldin und vier Helden aus dem Hinterhalt vor. Ihr Mut, ihr Widerstand, ihre Tapferkeit beeindruckt uns. Dabei haben sie f\u00fcr ihre Ziele mit wenig friedlichen Mitteln erk\u00e4mpft. Trotzdem\u2026 lernt sie kennen und bildet euch eine Meinung zu den f\u00fcnf Personen. Sind es wirklich Heldinnen oder Helden? 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