{"id":1747,"date":"2015-02-18T14:14:34","date_gmt":"2015-02-18T12:14:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=1747"},"modified":"2025-01-10T11:51:43","modified_gmt":"2025-01-10T10:51:43","slug":"pfadfinden-ist-auch-in-simbabwe-eine-friedensbewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/pfadfinden-ist-auch-in-simbabwe-eine-friedensbewegung\/","title":{"rendered":"Pfadfinden ist auch in Simbabwe eine Friedensbewegung"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Motto des diesj\u00e4hrigen Thinking Days thematisiert internationale Partnerschaften beim Pfadfinden und ihren Beitrag zum Frieden in der Welt.\u201eGemeinsam sind wir stark! Durch Partnerschaften k\u00f6nnen wir Frieden schaffen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der j\u00fcngste internationale Partner des VCP ist Simbabwe. Im September 2014 unterzeichnete der VCP eine Partnerschaftsvereinbarung mit den Girl Guides Association of Zimbabwe (GGAZ) und der Scout Association of Zimbabwe (SAZ).<\/p>\n\n\n\n<p>Vorbereitet wurde die Partnerschaft unter anderem von der Fachgruppe Afrika. Josephine Zana und Vera Steinberg waren bei den Verhandlungen und bei der Unterzeichnung der Vereinbarung dabei. Esther Koch, Referentin in der Bundeszentrale hat sie zu ihren Erfahrungen und Pl\u00e4nen befragt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Esther: Wie kam es zu der Partnerschaft mit Simbabwe?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Josephine:<\/strong>Urspr\u00fcnglich plante der VCP eine Partnerschaft mit Sambia. Der Impuls stammte von Phillip Wagner, der in der vorherigen Bundesleitung Mitglied war und in Sambia arbeitete. Aus verschiedenen Gr\u00fcnden kam eine Partnerschaft mit Sambia aber nicht zustande. Aber die Idee mit einem afrikanischen Land eine Partnerschaft einzugehen war geboren. Das Afrika B\u00fcro von WOSM schlug uns dann Simbabwe vor.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vera:<\/strong> Ich konnte 2010 an dem Moot in Kenia teilnehmen. Dort fanden die ersten Gespr\u00e4che mit Vertretern der Scout Association of Zimbabwe (SAZ) statt. Es war aber Wunsch des VCP, nicht nur mit dem WOSM Verband in Simbabwe, sondern auch mit dem WAGGGS Verband eine Partnerschaft einzugehen. Mit diesem fanden 2011 die ersten Gespr\u00e4che statt. Weitere Gespr\u00e4che fanden auf dem Jamboree in Schweden statt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Josephine:<\/strong> 2011 besuchte dann eine VCP Delegation Simbabwe.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Esther: 2010 fanden die ersten Gespr\u00e4che statt. 2014 wurde der Vereinbarung der unterschrieben. Warum dauerte das so lange?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Josephine:<\/strong> Der Unterzeichnung der Vereinbarung ging eine lange Diskussion voraus. Entscheidend war f\u00fcr uns die Frage, wie eine gleichberechtigte Partnerschaft aussehen kann. Wir wollten nicht, dass die Partnerschaft ein Entwicklungsprojekt wird, in dem \u2013 plakativ gesprochen- der reiche Norden gibt und der arme S\u00fcden empf\u00e4ngt. Erwartungen in der Richtung waren anfangs durchaus da. Wir haben dann gemeinsam \u00fcberlegt: Wie k\u00f6nnen wir voneinander profitieren und lernen?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Esther: Zu welchen Ergebnissen seid ihr gekommen? Was werden die Inhalte der Partnerschaft sein?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Vera:<\/strong> Die Pfadis in Simbabwe machen sehr gute pfadfinderische Angebote in Schulen. Dar\u00fcber m\u00f6chten wir im VCP gerne mehr wissen. Umgekehrt m\u00f6chten unsere neuen Partnerinnen und Partner gerne von uns mehr \u00fcber das Thema Internetpr\u00e4senz erfahren. Dies ist nur ein Beispiel. Es gibt noch viel mehr Themen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Josephine:<\/strong> Ja, und damit werden wir schon bald beginnen. Im Mai wird eine VCP Delegation nach Simbabwe fahren. In der Delegation wird auch ein Mitglied der FG Netzstecker sein. Gemeinsam wollen wir unter anderem auch in den Austausch kommen, was im Internet m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Esther: Gibt es neben dem Besuch im Mai in Simbabwe schon weitere Pl\u00e4ne f\u00fcr die Zusammenarbeit?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Josephine:<\/strong> Gemeinsam mit der Scout Association of Zimbabwe (SAZ) wollen wir am dritten UNGUVU Projekt teilnehmen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Esther: UNGUVU Projekt?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Josephine:<\/strong> Das UNGUVU Projekt ist ein multilaterales Projekt zwischen Afrika und Europa WOSM. Es fanden bereits zwei Teile statt, an dem sich auch der VCP beteiligt hat. Im dritten Teil, wird eine Teilnahme nur mit einem Partnerverband m\u00f6glich sein. Es geht darum, dass die jeweiligen beiden Partner ein gemeinsames Projekt in Afrika umsetzen. Was genau es sein wird, m\u00fcssen wir mit der Scout Association of Zimbabwe (SAZ) noch entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Esther: Bislang findet die Partnerschaft ja nur auf Bundesebene statt. Wo wird die Partnerschaft f\u00fcr die Pfadfinderinnen und Pfadfinder in den St\u00e4mmen und Orten interessant?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Josephine:<\/strong> Genau diese Frage wird auch Thema bei unserem Besuch in Simbabwe sein. Eine Idee ist es, Kontakte zwischen Pfadis mit gleichen Berufen in Simbabwe und Deutschland zu vermitteln, so dass sie miteinander in den Austausch kommen und \u00fcberlegen, wie sie sich eventuell Projekte realisieren k\u00f6nnen. Au\u00dferdem plant die FG Afrika ein Wochenende f\u00fcr Ranger und Rover zum Thema Afrika. Es wird auch um Simbabwe gehen, aber nicht nur. Nach dem Wochenende sollen die Ranger und Rover \u00fcberlegen, was sie zum Thema Afrika machen wollen. Das kann eine Wanderung durch Marokko sein, aber auch ein Projekt mit Simbabwe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vera:<\/strong> Au\u00dferdem m\u00f6chten wir gerne simbabwische Pfadfinderinnen und Pfadfinder zu den Sommerlagern 2016 einladen. Hierf\u00fcr suchen wir noch Gruppen sowohl im VCP als auch in Simbabwe.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Esther: Josephine, du bist in Simbabwe aufgewachsen. Was kannst du von dort berichten?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Josephine:<\/strong> Die Menschen sind dort sehr offen und warmherzig. Und es wird gerne und viel zelebriert. Egal was: Geburtstage, Schulabschl\u00fcsse aber auch Beerdigungen. Es wird immer in gro\u00dfer Runde gefeiert, aber auch getrauert. Die Gemeinschaft hat einen gro\u00dfen Stellenwert in Simbabwe. Es dort nicht ungew\u00f6hnlich, dass mehrere Generationen noch unter einem Dach leben und auch die Nachbarschaft ist oft Teil der Familie.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Esther: Vera, warst du selber schon in Simbabwe?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Vera:<\/strong> Nein, aber in verschiedenen anderen afrikanischen L\u00e4ndern, wie Kenia, Sambia, Tansania, Marokko, \u00c4gypten und S\u00fcdafrika. Mir fiel auch die ansteckende Fr\u00f6hlichkeit der Menschen dort auf. Erkannt habe ich auf meinen Reisen aber auch, dass allen Menschen weltweit das gleiche wichtig ist: Sie streben nach Sicherheit und Gl\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Esther: Wo liegen die Unterschiede im Pfadfinden im VCP und Simbabwe?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Josephine:<\/strong> Dort wird weniger auf Austausch untereinander wert gelegt, sondern es geht viel ums gewinnen. Es finden Koch- und Campingwettbewerbe statt und die Gewinner einer Region treten wiederum auf Regionsebene gegeneinander an. Aber Pfadfinden findet dort nur an der Schule statt, d.h. es muss auch ein Ergebnis sichtbar sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gruppenleitungen sind oftmals die Lehrerinnen und Lehrer, dies bedeutet nat\u00fcrlich einen h\u00f6heren Altersunterschied als bei uns. Und Pfadfinden h\u00f6rt leider nach der Schule oft auf. WAGGGS hat noch einige Angebote f\u00fcr junge Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Angebote sind noch deutlich geschlechtsspezifischer als bei uns. Als ich noch in Simbabwe Pfadfinderin war, haben wir M\u00e4dchen gekocht und Fenster putzen gelernt. Die Jungs haben das Feuer gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vera:<\/strong> Bei unseren Verhandlungen zu dem Partnerschaftsvereinbarung wurde auch deutlich, dass in Simbabwe ganz andere Hierarchien herrschen. Was der Chief sagt, hat viel mehr Gewicht. Im VCP arbeiten haben wir eine viel h\u00f6heres basisdemokratisches Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Esther: Das klingt insgesamt nach einem ganz anderen Pfadfinden als wie wir es im VCP kennen. Freiwilligkeit, F\u00fchren im Dialog scheinen demnach keine Prinzipien im simbabwischen Pfadfinden zu sein?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Josephine:<\/strong> Ganz so ist es nicht. Das Angebot Pfadfinden ist an simbabwischen Schulen eines von vielen, zwischen denen die Kinder w\u00e4hlen k\u00f6nnen. Sie nehmen also schon freiwillig teil. Und bei allen Unterschieden in den Arbeitsweisen und Strukturen: Die Themen sind oft gleich. Auch in Simbabwe versteht man sich als Friedensbewegung und besch\u00e4ftigt sich sehr mit \u00d6kologie und Nachhaltigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch das Rollenverh\u00e4ltnis \u00e4ndert sich. Kulturell spielt die klassische Rollenverteilung in Simbabwe zwar noch eine Rolle, aber in WOSM ist das nicht mehr so das Thema.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Esther: Wie fandet ihr es, am Partnerschaftsvereinbarung mitzuarbeiten?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Vera:<\/strong> Spannend. Ich habe viel gelernt. Ich hatte schon das Gef\u00fchl, dass ich sehr vorsichtig und diplomatisch sein musste. Das mag an meiner Rolle als junge Frau liegen, dass es f\u00fcr die Simbabwer ungew\u00f6hnlich ist, dass wir als Frauen so viel mitentscheiden d\u00fcrfen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass Josie und ich keinen Woodbadge haben. International hat er viel mehr Bedeutung als bei uns im VCP. Wir haben ein gutes Ergebnis erzielt und ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Esther: Welche R\u00fcckmeldung habt ihr von den Simbabwern bekommen?<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Josephine:<\/strong> Sie waren \u00fcberrascht, dass wir Mitglieder der Fachgruppe Afrika so jung sind und trotzdem so viel Verantwortung bekommen haben. Die Vertreterinnen von WAGGGS fanden auch die Rollenverteilung gut, dass wir Frauen so viel Mitspracherecht haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben den Vereinbarung ja w\u00e4hrend des Fachgruppentreffens unterschrieben. Das System der Fachgruppen hat ihnen auch sehr gut gefallen. Sie wollen jetzt auch Fachgruppen in Simbabwe etablieren. Dann haben wir als FG Afrika ein Pendant in Simbabwe mit dem wir zuk\u00fcnftig arbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vera:<\/strong> Und die Burg Rieneck hat ihnen sehr gut gefallen!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Esther: Ich bedanke mich herzlich f\u00fcr das Interview.<\/h2>\n\n\n\n<p>Habt ihr Lust bekommen, mehr \u00fcber Simbabwe im speziellen und Afrika im Allgemeinen zu erfahren? Die Fachgruppe Afrika hat letztes Jahr die <a href=\"https:\/\/www.fahrtenbedarf.de\/begegnung-mit-afrika\/ah02\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Handreichung Afrika<\/a> herausgegeben. Dort finden sich viele Infos und Hintergrundwissen zu dem Kontinenten und au\u00dferdem zahlreiche Ideen, das Thema Afrika in vor Ort in Gruppenstunden und Lagern umzusetzen. Wer mehr \u00fcber die Partnerschaft mit Simbabwe erfahren will und Interesse an einer Begegnung mit Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus Simbabwe hat, kann gerne mit der Fachgruppe Afrika Kontakt aufnehmen: <a href=\"mailto:fg.afrika@vcp.de\">fg.afrika@vcp.de<\/a><\/p>\n\n\n<p>[osm_map lat=&#8220;-18.885&#8243; lon=&#8220;29.907&#8243; zoom=&#8220;5&#8243; width=&#8220;100%&#8220; height=&#8220;450&#8243; type=&#8220;Mapnik&#8220;]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Motto des diesj\u00e4hrigen Thinking Days thematisiert internationale Partnerschaften beim Pfadfinden und ihren Beitrag zum Frieden in der Welt.\u201eGemeinsam sind wir stark! Durch Partnerschaften k\u00f6nnen wir Frieden schaffen.\u201c Der j\u00fcngste internationale Partner des VCP ist Simbabwe. 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