{"id":1446,"date":"2014-12-09T15:46:31","date_gmt":"2014-12-09T13:46:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=1446"},"modified":"2014-12-15T13:13:59","modified_gmt":"2014-12-15T11:13:59","slug":"das-leben-hat-nun-einmal-verschiedene-facetten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/allgemein\/das-leben-hat-nun-einmal-verschiedene-facetten\/","title":{"rendered":"Das Leben hat nun einmal verschiedene Facetten\u2026"},"content":{"rendered":"<p>Olaf Eybe ist Fotograf, Pfadfinder und Inhaber einer PR-Agentur. Er belegte beim internationalen Fotowettbewerb von WOSM, dem Scout Photo Missions Contest den\u00a03. Platz. Aus diesem Grund wollte ich ihn kurz f\u00fcr anp vorstellen. Aber was sich aus dem kurzen Telefongespr\u00e4ch ergab, was Olaf alles gemacht hat und noch macht \u2013 das wollen wir euch nicht vorenthalten. Mehr als ein Interview, ein Portr\u00e4t\u2026<\/p>\n<figure id=\"attachment_1449\" aria-describedby=\"caption-attachment-1449\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/DSC_0056b.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1449 size-medium\" title=\"Foto: Olaf Eybe - 3. Platz Scout Photo Missions Contest\" src=\"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/DSC_0056b-300x211.jpg\" alt=\"DSC_0056b\" width=\"300\" height=\"211\" srcset=\"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/DSC_0056b-300x211.jpg 300w, https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/DSC_0056b.jpg 999w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1449\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Olaf Eybe &#8211; 3. Platz Scout Photo Missions Contest<\/figcaption><\/figure>\n<h2>anp: Ganz herzlichen Gl\u00fcckwunsch zu deinem 3. Platz. Was glaubst, warum sich die Jury f\u00fcr dein Bild entschieden hat?<\/h2>\n<p><strong>Olaf:<\/strong> Das Gewinnerbild bringt die \u201ePfadfinderregel\u201c \u201eDer Gro\u00dfe hilft dem Kleinen\u201c auf den Punkt. Ich denke, das wird den Usern, die f\u00fcr das Bild gevotet haben, und den Juroren gefallen haben.<\/p>\n<h2>anp: Seit wann fotografierst du denn schon? Was waren deine Lieblingsmotive?<\/h2>\n<p><strong>Olaf:<\/strong> Ich habe sie noch \u2013 meine ersten selbst geschossenen Fotos. Die Farben verschwimmen schon. Sie entstanden in den 70er Jahren im Essener Grugapark und ich war m\u00e4chtig stolz auf sie. Das waren Statuen, aber auch Kraniche und Seehunde.<\/p>\n<p>Nach der ersten Einfach-Kamera lieh mir irgendwann mein Vater seine Spiegelreflexkamera. Das war eine Yashika, eine Marke, die es nicht mehr gibt. Sp\u00e4ter kaufte ich mir dann andere Analogkameras und arbeitete mich bis zu einer Nikon F1 hoch. Die war extrem schwer, aber auch sehr robust und machte gute Bilder.<\/p>\n<p>Danach wurde Schreiben f\u00fcr mich immer wichtiger. Ich wirkte an Sch\u00fclerzeitungsprojekten mit, schrieb gerne Editorials, viele Gedichte und ab und zu Reportagen. Doch Gedichte und Reportagen ohne Illustrationen oder Fotos, das fand ich zu einseitig. So galt es mit Menschen zusammen zu arbeiten, die eine Kamera und besser noch eine Dunkelkammer hatten.<\/p>\n<h2>anp: Wie bist du zum Pfadfinden gekommen?<\/h2>\n<p><strong>Olaf:<\/strong> Als 15-j\u00e4hriger hatte ich einen Brieffreund in den USA. Er lud mich ein und so konnte ich zwei Jahre hintereinander verl\u00e4ngerte Sommerferien machen. Mein Brieffreund war bei den Boy Scouts of America. So habe ich Pfadfinden kennengelernt \u2013 die typische amerikanische Variation mit Merit Badges und gro\u00dfen summer camps. Ich hab auch einige Badges erworben \u2013 zum Beispiel das \u201e\u00dcberleben in der Wildnis\u201c. Das habe ich in den W\u00e4ldern von Tennessee gemacht \u2013 eine spezielle Erfahrung. Es galt Feuer zu machen ohne Streichh\u00f6lzer und improvisierte H\u00fctten zu bauen, Nahrung im Wald zu finden etc.<\/p>\n<h2>anp: Wie ging es mit dem Fotografieren weiter?<\/h2>\n<p><strong>Olaf:<\/strong> In dieser Zeit als Sch\u00fcler und sp\u00e4ter als Student zogen mich Extremsituationen an. Es reichte mir nicht, das Erlebte in Worte zu fassen. Ich hatte eine Kamera dabei und wurde zum Demonstrationsbeobachter. Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und martialisch wirkenden Polizisten, Verhaftungssituationen, Zwischenf\u00e4lle bei Gel\u00f6bnissen oder sonstige Gro\u00dfdemonstrationen wurden meine Motivlieferanten. \u00a0In den 80er Jahren war ich viel in Berlin unterwegs.<\/p>\n<h2>anp: Wenn ich dich richtig verstehe, wolltest du aber nicht nur dokumentieren. Du hattest auch ein inhaltliches Anliegen dabei. Oder?<\/h2>\n<p><strong>Olaf:<\/strong> Nat\u00fcrlich stand ich auch hinter vielen Zielen, auch wenn ich nicht alle Protestformen mittragen konnte. Es ging um Atomkraft, Nachr\u00fcstung und vieles mehr.<\/p>\n<h2>anp: Wolltest du eher k\u00fcnstlerisch oder dokumentarisch arbeiten? Was hast du dann studiert?<\/h2>\n<p><strong>Olaf:<\/strong> Es war eigentlich immer eine Mischform und reichte vom Stra\u00dfentheater bis zum Zeitungsartikel. Ich habe zwei Studieng\u00e4nge absolviert. Kommunikationswissenschaft und Publizistik sowie Neuere und Osteurop\u00e4ische Geschichte in Bochum.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Studienzeit verlagerte sich mein Schwerpunkt weiter in den Wortbereich und ich suchte mir immer wieder Verb\u00fcndete, die gut mit dem Zeichenstift oder der Kamera umgehen konnten. Es entstanden Projekte, die die Zusammenarbeit von Wort und Bild betonten. Beispielsweise die Essener Literatur Flugbl\u00e4tter. Das waren Themenhefte, die teilweise eine Auflage bis 10.000 erreichten.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter war ich h\u00e4ufig in Polen unterwegs. Um mich herum wurde Geschichte geschrieben. Ich lernte spannende Leute kennen und schrieb w\u00e4hrend meiner Aufenthalte unz\u00e4hlige Gedichte und andere Kurztexte, die in Polen und in Deutschland ver\u00f6ffentlicht wurden.<\/p>\n<p>Auf mein Geschriebenes wurden Fotografen aufmerksam. Der D\u00fcsseldorfer Fotograf Walter R\u00fcth nahm eine Auswahl meiner in Polen entstandenen Texte mit auf eine Fotoreise nach Polen und interpretierte die Texte fotografisch. Das Ergebnis war das Buch \u201ePolenTexte\u201c und eine gro\u00dfe Wanderausstellung mit Text- und Fototafeln, die in polnischen und deutschen Kulturzentren gezeigt wurde.<\/p>\n<p>Sp\u00e4tfolge dieser Aktivit\u00e4ten ist ein Buch, das vom Essener KZ-\u00dcberlenden Josef K\u00f6nigsberg herausgegeben wurde. Hier sind Fotografien von J\u00fcrgen Kahlert und Harald Nadolny mit Texten von Josef K\u00f6nigsberg und mir kombiniert.<\/p>\n<p>Beruflich hatte ich parallel mit Werbung und PR zu tun. Ich begleitete Fotografen bei Shootings, kam in gro\u00dfe Studios und blickte hinter viele Kulissen. Einer der Fotografen, die ich begleitete, ist der besonders im Osten Deutschlands bekannte \u201eMenschenfotograf\u201c Thomas Billhardt.<\/p>\n<p>Nach und nach wurde ich immer wieder um Rat gefragt und musste Fotos f\u00fcr unterschiedlichste Publikationen ausw\u00e4hlen. Oft stand die Frage im Raum: Wie passen Text und Foto optimal zusammen?<\/p>\n<p>Immer st\u00e4rker engagierte ich mich im Kulturbereich. Als Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft (erst in Sachsen, dann in Essen) organisierte ich Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und vieles mehr. Gerade f\u00fcr die Pressearbeit waren dabei Fotos immens wichtig. Da es nicht geht, eine Veranstaltung zu organisieren und sie dabei noch angemessen zu dokumentieren, versuchte ich Fotografen zur Mitarbeit zu gewinnen.<\/p>\n<p>Ein einschneidendes Erlebnis wurde dann ein ganz besonderes Geschenk einer Nachbarin. Sie gab mir einen Kasten mit Fotos von ihrem Vater, die er w\u00e4hrend des II. Weltkriegs u.a. in Polen gemacht hatte. Helmut Riemann hie\u00df er. \u201eMachen Sie etwas daraus, etwas, was der Verst\u00e4ndigung dient\u201c, sagte sie mir dazu. Dazu musste ich erstmal Verb\u00fcndete gewinnen. Ich sprach mit Grafikern, Webexperten, Wissenschaftlern und Historikern. Alles Fotos wurden gescannt, das Ergebnis war eine Ausstellung im Internet.<\/p>\n<p>Ein Freund von mir ist Professor an der Hochschule f\u00fcr Film und Fotografie in L\u00f3dz. So wurden Fotos eines Essener Amateurfotografen Gegenstand von Wissenschaftlichen Symposien. Das Museum zur Geschichte der Fotografie in Krakau wurde auf die Fotos aufmerksam. Mit einem Boten gelangten die Originale nach Krakau und wurden zur \u201eSchenkung-Eybe\u201c.<\/p>\n<p>Auf dem Tisch des zust\u00e4ndigen Museumsmitarbeiters kam es zu einer Vermischung der Fotos von Helmut Riemann mit Kriegsfotografien polnischer Soldaten. So entstand die Idee zu einer Ausstellung mit der Botschaft: \u201eF\u00fcr den einfachen Soldaten sieht der Krieg eigentlich gleich aus, egal auf welcher Seite er steht.\u201c Er sieht Elend, Zerst\u00f6rung und Tod. Er feiert mit seinen Kameraden und steht an ihren Gr\u00e4bern.<\/p>\n<p>Die Ausstellung wurde mit gro\u00dfem Medienaufgebot in Polen er\u00f6ffnet. Es gab einen dreisprachigen Ausstellungskatalog und viele Presseberichte. In Polen sorgte die Ausstellung f\u00fcr politische Auseinandersetzungen. Grund: Darf man Fotos polnischer Soldaten gemeinsam mit Fotos polnischer Soldaten zeigen? Insbesondere bestimmte nationalistische Kreise waren strikt dagegen.<\/p>\n<p>Nachdem die Ausstellung auch im Essener Rathaus pr\u00e4sentiert wurde, ging sie dann auf eine gr\u00f6\u00dfere Deutschlandtournee.<\/p>\n<h2>anp: Das ist aber ein ziemlich starker Wechsel \u2013 von der politischen Fotoausstellung zu den netten Pfadi-Fotos?<\/h2>\n<p><strong>Olaf:<\/strong> Das hing nat\u00fcrlich auch mit den Ver\u00e4nderungen in der Fotografie, aber auch in meinem Leben zusammen.<\/p>\n<p>Zum Pfadfinden im Rahmen des VCP kam ich durch meine T\u00f6chter. Es sprach sich herum, dass ein Pfadfinderstamm gegr\u00fcndet wird. Ich habe sie angemeldet und bin dann selbst h\u00e4ngen geblieben\u2026 Meine T\u00f6chter waren nur zwei bis drei Jahre dabei. Durch meine Pfadfindererfahrungen in den USA konnte ich den Stamm gut unterst\u00fctzen, wurde Stammesleiter und bin das heute noch. Gleichzeitig habe ich die Pressearbeit f\u00fcr den Stamm gemacht. Viele Pressemeldungen von uns wurden abgedruckt, weil gutes Fotomaterial dabei war. Gerne habe ich die Friedenslicht-AG mit Rat und Tat unterst\u00fctzt. Viele meiner Fotos aus Wien und von Aussendeorten sind heute im Einsatz. Au\u00dferdem entwickelte ich den VCP-Friedenslicht-Flyer.<\/p>\n<h2>anp: Und du lebst vom Fotografieren?<\/h2>\n<p><strong>Olaf:<\/strong> Nicht allein, meist von der Kombination von Texten und Bildern. Gemeinsam mit meiner Frau betreibe ich eine Kommunikationsagentur (Eybe + Eybe \u2013 Text + Foto). Wir erstellen Mitarbeitermagazine, schreiben Presseinformationen. Ich fotografiere Referenzobjekte und bin inzwischen als Fotograf \u00fcber die Grenzen Deutschlands hinaus unterwegs.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.eybeeybe.de\" target=\"_blank\">http:\/\/www.eybeeybe.de<\/a><\/p>\n<h2>anp: Welche Motive sind deine liebsten?<\/h2>\n<p><strong>Olaf:<\/strong> Neben den Auftragsfotos und Pfadfinderfotos ist ein Schwerpunkt die Tierfotografie. Mein Lieblingsmodel ist mein Entlebucher Sennenhund Ida. Gegen kleine Belohnungen l\u00e4sst sie sich immer wieder in Posen bringen und verliert fast nie die Geduld.<br \/>\nWeiterer Schwerpunkt wurde die Landschaftsfotografie. Dazu z\u00e4hle ich sowohl die Weiten Islands und all der anderen faszinierenden Orte, die ich schon sehen durfte,\u00a0 als auch die Landmarken meiner Heimatregion Ruhrgebiet.<br \/>\nInzwischen hatte ich verschiedene eigene Ausstellungen u.a. in Essen, Paderborn:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.pressebox.de\/pressemitteilung\/eybe-eybe-text-foto\/Stadt-Land-Fluss\/boxid\/634853\" target=\"_blank\">http:\/\/www.pressebox.de\/pressemitteilung\/eybe-eybe-text-foto\/Stadt-Land-Fluss\/boxid\/634853<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.lokalkompass.de\/essen-ruhr\/kultur\/landschaftsmalerei-mit-der-kamera-fotografien-von-olaf-eybe-in-paderborn-d442325.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.lokalkompass.de\/essen-ruhr\/kultur\/landschaftsmalerei-mit-der-kamera-fotografien-von-olaf-eybe-in-paderborn-d442325.html<\/a><\/p>\n<p>Auch Politisches spielt bei mir weiterhin eine wichtige Rolle. So bin ich im Januar in Auschwitz und fotografiere dort f\u00fcr eine Ausstellung zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers. Das Leben hat nun einmal verschiedene Facetten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Olaf Eybe ist Fotograf, Pfadfinder und Inhaber einer PR-Agentur. Er belegte beim internationalen Fotowettbewerb von WOSM, dem Scout Photo Missions Contest den\u00a03. Platz. Aus diesem Grund wollte ich ihn kurz f\u00fcr anp vorstellen. 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