{"id":10346,"date":"2018-07-13T09:58:24","date_gmt":"2018-07-13T07:58:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vcp.de\/pfadfinden\/?p=10346"},"modified":"2018-08-07T13:57:30","modified_gmt":"2018-08-07T11:57:30","slug":"nachruf-fuer-karlheinz-nestle-mokka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vcp.de\/pfadfinden\/aus-dem-verband\/gedenken\/nachruf-fuer-karlheinz-nestle-mokka\/","title":{"rendered":"Nachruf f\u00fcr Karlheinz Nestle (\u201eMokka\u201c)"},"content":{"rendered":"<p><em>Nachruf von Karl Scherer bei der Trauerfeier f\u00fcr Karlheinz Nestle (\u201eMokka\u201c) am Freitag, 29. Juni 2018 in Neustadt an der Weinstra\u00dfe.<\/em><\/p>\n<p>Liebe Inge, liebe Angeh\u00f6rige, werte Trauergemeinde<\/p>\n<p>Die Christliche Pfadfiderschaft trauert um Karlheinz Nestle, ihren Mokka!<\/p>\n<p>Bereits 1948 in der Fr\u00fchphase ihrer Wiederbegr\u00fcndung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fand er den Weg zur CP. Ihr &#8211; insbesondere ihrem damaligen charismatischen F\u00fchrer, Pfarrer Hermann Haa\u00df in Worms &#8211; verdankte Mokka, nach eigenem Bekunden, die entscheidende Pr\u00e4gung seiner Pers\u00f6nlichkeit, vor allem seine unersch\u00fctterliche Glaubenszuversicht. Ungez\u00e4hlte Male ist er abends nach der Arbeit &#8211; er machte eine Schriftsetzerlehre &#8211; mit dem Rad in die Nibelungenstadt, gestrampelt &#8211; hungrig nach den tastend tiefen Gespr\u00e4chen mit dem lebenserfahrenen Seelsorger, P\u00e4dagogen und Pfad\ufb01nderbruder.<\/p>\n<p>Von ihm mit dem notwendigen R\u00fcstzeug ausgestattet, f\u00fchrte Mokka in Neustadt bald eine eigene Sippe und wurde wenig sp\u00e4ter ganz selbstverst\u00e4ndlich auch Stammesf\u00fchrer der Neustadter CP. Schon in jungen Jahren erwies er sich als wahrer \u201eRattenf\u00e4nger\u201c, der Buben jeden Alters f\u00fcr die christliche Pfad\ufb01nderei zu gewinnen und zu begeistern verstand &#8211; f\u00fcr das Leben in der Gruppe im Heim und auf Fahrt und Lager, f\u00fcr die Waldl\u00e4uferk\u00fcnste und das Singen und Musizieren, und f\u00fcr die, ihm besonders am Herzen liegende, in der CP obligatorische Arbeit mit der Bibel.<\/p>\n<p>Der bekennende Christ Karlheinz Nestle sah im ,Pfad\ufb01nden\u2018 eine gro\u00dfartige Gelegenheit, dem &#8211; jedem Christen gegebenen &#8211; Auftrag nachzukommen, die frohe Botschaft, das Evangelium, weiterzusagen. Und er hat diesen Auftrag angenommen. Mit dieser Botschaft im Gep\u00e4ck hat er &#8211; um es leicht pathetisch zu sagen &#8211; f\u00fcr sich und seine Pfad\ufb01nderbr\u00fcder unverdrossen nach dem ,rechten Pfad\u2018 gesucht, um das gro\u00dfe Abenteuer ,Leben\u201c zu bestehen.<\/p>\n<p>Und er hat sowohl als junger Sippenf\u00fchrer als auch sp\u00e4ter als Erwachsener \u2013 als Kreuzpfad\ufb01nder &#8211; Gef\u00e4hrten gefunden, die seiner F\u00fchrung vertrauten.<br \/>\nWer je in Mokkas wache, strahlende Augen sah, seine heitere Gelassenheit auch in schwierigen Situationen, sein beherztes Zupacken, wenn es galt, und sein fr\u00f6hliches, befreiendes Lachen erlebte, der wurde unweigerlich davon angesteckt und sp\u00fcrte instinktiv, dass da einer \u00fcber eine Freiheit und Sicherheit verf\u00fcgte, die auf einer Glaubenszuversicht beruhten, die aus einem &#8211; im wahrsten Sinn des Wortes &#8211; frommen Herzen kam.<\/p>\n<p>Nicht \u00fcberraschend hat ihn Hermann Haa\u00df 1953 &#8211; nach der Teilung des CP-Gaues \u201eBurgund\u201c und der Auswanderung des alten Gauf\u00fchrers Werner Braun nach Canada &#8211; bestimmt, die nunmehr den Gau \u201eNeu Burgund\u201c bildende \u201eNeustadter Ecke\u201c zu \u00fcbernehmen und getreu seiner Devise : \u201eEs gibt keine Probleme, sondern nur zu l\u00f6sende Aufgaben\u201c, hat Mokka die neue Aufgabe mutig angepackt.<\/p>\n<p>Bereits ein Jahr sp\u00e4ter (1954) f\u00fchrte er seine Jungen auf einer 1. Gro\u00dffahrt durch Lappland &#8211; ein Fahrtenziel, das damals noch am \u00e4u\u00dfersten Rand unseres Fahrtenhorizontes lag, aber Mokka blickte schon immer gern \u00fcber den eigenen Gartenzaun hinaus. Deshalb ging er auch, um beru\ufb02iche Erfahrung zu sammeln, noch im gleichen Jahr in die Schweiz, nach Bern, wurde in Thun in die Rovergruppe \u201eFram\u201c des schweizerischen Pfadfinderbundes aufgenommen, arbeitete in Spiez in einer Blinden-Pfad\ufb01ndergruppe mit und hat &#8211; weil er einem jeden freundlich, hilfsbereit, ohne Vorbehalte und Ber\u00fchrungs\u00e4ngste gegen\u00fcbertrat &#8211; erstmals etwas von der weltweiten Bruderschaft der Pfadfinder erfahren und erleben d\u00fcrfen, 1956 in die pf\u00e4lzische Heimat zur\u00fcckgekehrt, organisierte Mokka eine weitere Gro\u00dffahrt, die diesmal nach Korsika gef\u00fchrt und die Teilnehmer so nachhaltig beeindruckt hat, dass sie diese ,Reise\u201c als alte M\u00e4nner nach 50 Jahren wiederholt haben! Im Anschluss an das Korsika-Abenteuer hat Mokka &#8211; immer bereit Neues zu wagen, Grenzen zu \u00fcberwinden, fremde L\u00e4nder und Menschen kennenzulernen &#8211; erste Kontakte zu den evangelischen Pfad\ufb01ndern in Frankreich, den ,\u00c9claireurs de France\u2018, in Neustadts Partnerstadt M\u00e2con gekn\u00fcpft, und umgehend begonnen deutsch-franz\u00f6sische Zeltlager zu organisieren, was damals noch l\u00e4ngst keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit war.<\/p>\n<p>Die Teilnahme am Jubil\u00e4ums-Jamboree (Weltpfad\ufb01ndertreffen) in Sudden-Cold\ufb01eld bei Birmingham in England im Sommer 1957, war ein absoluter H\u00f6hepunkt in Mokkas Leben: Pfadfinder aus 87 Nationen feierten den 50. Geburtstag ihrer Bewegung und den 100. Geburtstag ihres Gr\u00fcnders Baden- Powell. Das br\u00fcderliche Zusammenleben der 30.000 Lagerteilnehmer in einer riesigen Zeltstadt hat ihn so tief beeindruckt, dass er noch Jahrzehnte danach von \u201eBirmingham\u201c geschw\u00e4rmt hat.<\/p>\n<p>Im gleichen Jahr (1957) \ufb01el dem CPer Nestle, der als Jugendf\u00fchrer inzwischen nicht nur in seinem Bund, sondern in der ganzen Pfalz Pro\ufb01l gewonnen hatte, eine ehrenvolle aber auch sehr schwierige Aufgabe zu: Er wurde zum Vorsitzenden des Landesjugendkonvents der Evangelischen Jugend der Pfalz gew\u00e4hlt und hat dieses f\u00fcr die Jugendarbeit wichtige Gremium &#8211; zusammen mit dem Theologiestudenten Dieter Rumpf aus Kaiserslautern \u2013 mit Augenma\u00df und Fingerspitzengef\u00fchl bis 1961 geleitet und die nur allzu oft einander widerstreitenden Interessen der verschiedenen Jugendverb\u00e4nde (CVJM, BK, EAJ, Gemeinscha\ufb02sjugend, EMP, CP) immer wieder auszugleichen verstanden.<\/p>\n<p>1963 begr\u00fcndete er, inzwischen verheiratet und stolzer Familienvater, engagiert in seiner Kirchengemeinde und &#8211; als begeisterter und ausgebildeter S\u00e4nger &#8211; in der Neustadter Liede\u0131tafel, die Erwachsenenarbeit in der Landesmark Rheinland-Pfalz der CP und war anschlie\u00dfend \u00fcber Jahre hinweg rheinland-pf\u00e4lzischer Delegierter in der Bundesversammlung und in der Bundesvertretung der \u00c4lterenschaft.<\/p>\n<p>In den kritischen Nach-68er-Jahren hat Mokka diese Aufgabe dann auch im neugegr\u00fcndeten Verband Christlicher Pfad\ufb01nderinnen und Pfad\ufb01nder (VCP) weiter wahrgenommen und in der Pfalz mit dazu beigetragen, dass sich aus dem Zusammenschluss der beiden kleineren evangelischen M\u00e4dchen-Pfad\ufb01nderb\u00fcnde mit der CP der moderne evangelische Pfad\ufb01nderverband entwickelt hat, der heute traditionelles Pfad\ufb01ndertum und fortschrittliche Jugendarbeit verbindet.<\/p>\n<p>Obwohl als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Evangelischen Presseverbands der Pfalz und des Evangelischen Presseverlags voll ausgelastet, \u00fcbernahm er 1990 das Amt des Landesbeauftragten f\u00fcr die (erwachsenen) Kreuzpfad\ufb01nder und hat es &#8211; noch immer der alte Leitwolf &#8211; \u00fcber ein Jahrzehnt nicht nur verstanden, deren Gemeinschaft zu bilden und zu formen, sondern dar\u00fcber hinaus im Landesverband Rheinland-Pfalz\/Saar des VCP die \u00dcberzeugung zu festigen, dass es \u201ekein Kreuz mit dem Kreuz ist\u201c.<\/p>\n<p>53 Jahre hat Mokka zusammen mit Heinz Math\u00e4y und weiteren Pfad\ufb01nderbr\u00fcdern f\u00fcr den Erwachsenenkreis die j\u00e4hrlich zweimal stattfindenden Treffen organisiert, zu denen er oft ausgewiesene Experten einlud, die \u00fcber brisante, aktuelle Themen aus Staat, Kirche und Gesellschaft referierten. So informierte im Herbst 2017, auf dem letzten von ihm vorbereiteten und geleiteten Treffen, im Thomashof bei Durlach, ein Vertreter des holl\u00e4ndischen Hilfswerks \u201eOpen Doors\u201c, \u00fcber diese weltweit t\u00e4tige Institution, die sich um die verfolgten Christen k\u00fcmmert.<\/p>\n<p>Mit dem Jahreswechsel 2017\/18 hat er alters- und gesundheitsbedingt den ,Taktstock\u2018 weitergegeben, sich aber auf weitere Zusammenk\u00fcnfte und das dabei unvermeidliche \u201eWei\u00dft Du noch damals in . . .\u201c gefreut. In einem Beitrag f\u00fcr unsere Landeszeitschrift ,Splitter\u2018 bekannte er: \u201eDie Erinnerung an eine wunderbare gemeinsame Pfad\ufb01nderzeit und die lebenslangen Freundschaften, die dadurch entstanden sind, bestimmen immer wieder den Wunsch, ja das Bed\u00fcrfnis weite\u0131zumachen\u201c. . . und unser Mokka hat weitergemacht, nahm &#8211; schon schwer gezeichnet &#8211; am diesj\u00e4hrigen Fr\u00fchjahrstreffen auf der Lichtenburg teil und fand sich, alle Mahnungen seiner \u00c4rzte und seiner Familie hartn\u00e4ckig \u00fcberh\u00f6rend, an Pfingsten auch auf dem Wolfs\u00e4gerhof ein . . Er sp\u00fcrte, dass sein Stundenglas ausrann. Seine Augen hatten ihren Glanz verloren, Schmerzen qu\u00e4lten ihn, das Sprechen \ufb01el ihm schwer und nur m\u00fchsam und f\u00fcr kurze Zeit vermochte er sich noch aufrecht zu halten, aber seine Glaubenszuversicht war ungebrochen.<\/p>\n<p>Beim Abschied sagte er mir leis und deutete dabei mit der Hand auf den Wald, das Haus und die Freunde: \u201eIch wollte das alles noch einmal sehen . . . erleben . . . eure Stimmen h\u00f6ren, mit euch reden . . . zu Tisch gehen . . . beten\u201c und dann &#8211; nach einer kurzen Pause &#8211; \u201eWir werden uns nicht mehr sehen . . . Es wird nicht mehr lange dauern . . . aber, Du wei\u00dft ja, ein alter CPer ist dann nicht allein!\u201c Ich vermochte nur stumm zu nicken und ihm fest die linke Hand zu dr\u00fccken. Auf der Heimfahrt, beim Nachsinnen \u00fcber seine Worte, \ufb01elen mir die einfach gereimten Verse von Arno P\u00f6tzsch ein:<\/p>\n<p>\u201eDas wei\u00df ich wohl zu sagen<br \/>\nvon meines Lebens Fahrt,<br \/>\ndass mich an allen Tagen<br \/>\nhat Gottes Hand bewahrt.<\/p>\n<p>Trotz \u00c4ngsten, Last und Sorgen<br \/>\nund wo ich\u2018s nicht gedacht,<br \/>\nfand ich mich doch geborgen<br \/>\nin seiner Hut und Wacht.\u201c<\/p>\n<p>Gleiches, Mokka, kannst Du auch von Deiner Lebensfahrt sagen. Gott, der Herr, war Dir allezeit Sonne und Schild. Daf\u00fcr und daf\u00fcr, dass wir Dich unter uns haben durften, wollen wir ihm in dieser Stunde von Herzen danken und ihn bitten, Dich nun in seinen gro\u00dfen Frieden aufzunehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachruf von Karl Scherer bei der Trauerfeier f\u00fcr Karlheinz Nestle (\u201eMokka\u201c) am Freitag, 29. Juni 2018 in Neustadt an der Weinstra\u00dfe. Liebe Inge, liebe Angeh\u00f6rige, werte Trauergemeinde Die Christliche Pfadfiderschaft trauert um Karlheinz Nestle, ihren Mokka! Bereits 1948 in der Fr\u00fchphase ihrer Wiederbegr\u00fcndung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fand er den Weg zur CP. 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